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Vorwürfe gegen Sicherheitsdienst in Flüchtlingsheim
"Sie zwingen Frauen mit Gewalt zum Geschlechtsverkehr"

Vorwürfe gegen Sicherheitsdienst in Flüchtlingsheim
Köln. Nach Protesten von Flüchtlingen geht die Kölner Polizei dem Vorwurf sexueller Übergriffe durch Angehörige eines Sicherheitsdienstes nach. Diesen Vorwurf erheben die Autoren eines anonymen offenen Briefes. Die Kölner Polizei hat bisher 50 Frauen der Unterkunft befragt, kann die Vorwürfe aber noch nicht konkretisieren. Von Jessica Kuschnik und Tim Specks

Glaubt man den Aussagen der Frauen in der Kölner Flüchtlingsunterkunft, so ist ihr Leben dort derzeit ein Spießrutenlauf: "Es gibt keine Privatsphäre, keinen Rückzugsraum für Frauen in der Unterkunft. Mütter können ihre Säuglinge nicht in Ruhe stillen, schwangere Frauen haben keine Ruhe. Aber das ist nicht alles", heißt es in einem offenen Brief, der bei einer Demonstration von Asylsuchenden am Mittwoch verteilt wurde.

Vorwürfe lauten auf Vergewaltigung und Schikane  

Die Vorwürfe gegen die Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Adler-Wache sind schwerwiegend. Es ist die Rede von organisiertem "sexuellen Missbrauch und Belästigungen gegen Frauen". Die Gruppe bestehe demnach aus neun Männern, darunter dem Leiter des Dienstes. "Sie filmen Frauen beim Stillen, beim Duschen und nachts beim Schlafen. Sie ziehen Ehepaaren die Decke weg, wenn sie darunter nackt und intim sind. Sie zwingen Frauen mit Gewalt zum Geschlechtsverkehr", heißt es in dem Brief.

In dieser Unterkunft in Köln soll es zu Übergriffen gekommen sein. FOTO: dpa, obe tba

Ob dessen Absender tatsächlich die Frauen aus der Unterkunft in Köln sind, ist ungewiss, da dieser anonym geschrieben wurde. Der Kölner "Stadt-Anzeiger" zitiert eine junge Syrerin mit den Worten, ein Wachmann habe ihr mit einem baldigen Rauswurf aus dem Heim gedroht, als sie sich ihm verweigert habe. 

Polizei hat keine konkreten Hinweise auf Straftaten 

Derzeit befragt die Polizei Köln Zeugen in dem Asylbewerberheim, wie sie am Donnerstag mitteilte. Mit Hilfe von Dolmetschern wurden demnach bisher rund 50 Bewohnerinnen und Demonstrations-Teilnehmerinnen verhört, teilweise auf dem Polizei-Präsidium. "Von den verhörten Frauen hat noch keine angegeben, Opfer oder Zeugin einer Straftat in dem Flüchtlingsheim geworden zu sein", erklärt Polizeisprecher Thomas Held. Die Aufgabe der Polizei bestehe nun darin, die Vorwürfe der Flüchtlinge lückenlos aufzuklären. Bereits am Mittwoch hat die Kölner Polizei eine Ermittlungsgruppe gegründet, die den Sachverhalt aufklären soll. "Die Gruppe besteht aus erfahrenen Kriminalpolizisten, die sich auch im Arbeits-Alltag mit Sexualdelikten beschäftigen", so Held.

Weder bei der Heimleitung noch bei dem für die Unterbringung zuständigen Wohnungsamt lägen Beschwerden gegen die Mitarbeiter der Sicherheitsfirma vor, teilte am Donnerstagabend die Stadt Köln mit. Die Stadt erklärte weiter, sie arbeite seit Jahren für die Notunterkünfte mit einem Sicherheitsdienst als Vertragspartner zusammen. Dieser habe sich zu hohen Qualitätsstandards verpflichtet.

Bisher gebe es keine konkreten Hinweise auf von Mitarbeitern des zuständigen Sicherheitsdienstes verübte Straftaten in der Unterkunft. Die Polizei müsse nun auch prüfen, ob möglicherweise Frauen betroffen sind, die nicht mehr im Flüchtlingsheim Westerwaldstraße leben, so der Polizeisprecher. 

In dem Brief ist die Rede davon, dass sich nicht nur die Mitarbeiter der Adler-Wache mit Frauen in der Unterkunft getroffen haben. "Nachts bringen die Securities andere Männer von außerhalb, die die Kleidung der Security-Crew anziehen und zu den Frauen gehen. Sie lauern Frauen als Gruppe auf und versuchen sie dann zu vergewaltigen", heißt es darin. Der Sicherheitsdienst weist die Anschuldigungen derweil zurück. Der Projektmanager der Sicherheitsfirma sagte dem Kölner Stadtanzeiger: "Ich bin entsetzt über die Vorwürfe. Ich bin mir sicher, dass sie völlig haltlos sind." 

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