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Übung zur Großtierrettung
Pferde-Dummy Sam lässt sich von der Kölner Feuerwehr retten

Kölner Feuerwehr trainiert Rettung eines Pferdes
Kölner Feuerwehr trainiert Rettung eines Pferdes FOTO: dpa, ve abl
Köln. Bei einem Workshop hat ein Team der Berufsfeuerwehr Köln gelernt, ein Pferd zu retten - mit einem 250 Kilogramm schweren Dummy. Solche Einsätze kommen zwar selten vor, müssen dann aber sitzen.  Von Claudia Hauser

Ein Kätzchen ist im Prinzip relativ schnell vom Baum gerettet – wenn ein Pferd in eine Grube gefallen ist, wird die Sache für die Feuerwehr sehr viel aufwändiger. 26 Rettungskräfte der Kölner Berufsfeuerwehr haben am Donnerstag beim "Spezialtraining Großtierrettung" auf dem Gelände der Feuerwache in Köln-Niehl trainiert, ein Pferd zu  retten.

Da das Ganze für ein lebendiges Tier zu stressig wäre, hat Ausbilder Lutz Hauch Sam mitgebracht, einen 250 Kilogramm schweren Pferde-Dummy mit beweglichen Gelenken, der in einem echten Pferdeanhänger mit Hauch durch die ganze Bundesrepublik reist. "Sam lässt alle Übungen geduldig über sich ergehen und verzeiht Fehler, die bei einem Pferd aus Fleisch und Blut tödlich ausgehen könnten", sagt Hauch. Der 62-Jährige ist seit 1968 bei der Feuerwehr und hat sich vor zwei Jahren auf die sogenannte Großtierrettung spezialisiert – das heißt: "Alles, was größer ist als ein Schäferhund."

Wird sicher und schnell gerettet: Pferde-Dummy Sam FOTO: Hauser

Er hat schon Pferde aus Swimming-Pools gezogen und Kühe aus Güllegruben, auch Lamas hingen schon in seinem Rettungsgurt. In Köln war er am Rosenmontag im Einsatz, als eines der Zugpferde zusammengebrochen ist. Es stand allerdings schon wieder, als der Feuerwehrmann mit seinen Leuten dazu kam. Hauch ist der einzige zertifizierte Großtierretter in Deutschland. Zu Pferden hat er eine besondere Verbindung, weil er auch als Trainer für verhaltensauffällige Pferde arbeitet.

Pferde-Dummy Sam zeigt keine besondere Auffälligkeit. Er liegt einfach nur da und lässt sich von den Kölner Feuerwehrmännern aus dem Transporter ziehen. Um seinen Kopf ist ein "Bergetuch" gespannt – im realen Rettungsfall verhindert das, dass der Kopf des Tieres auf dem Boden schleift, wenn es sediert wurde oder bewusstlos ist. Die Retter legen dem Dummy ein spezielles Gurtgeschirr um den Körper. Ein Dutzend Männer braucht es schließlich, um den Pferde-Dummy aus dem Transporter zu zerren – ein lebendiges Pferd wiegt 700 bis 800 Kilogramm. "Achtet auf den Schweif", ruft Ausbilder Hauch dem Trupp zu. Einer der Feuerwehrmänner zieht Sams verhedderten Schwanz vorsichtig aus dem Tragegurt.

Am Ende hängt der Dummy am Kran: Rettung geglückt. FOTO: Hauser

"Ein Pferd wird als Fluchttier immer versuchen, sich zu befreien – das kann für die Retter hochgefährlich werden", sagt Hauch, der die Männer immer wieder anweist, aus der "Kickzone" des Pferdes zu gehen. Einer muss den Kopf des Tieres sichern, außerdem ist bei einer realen Rettung immer ein Tierarzt dabei, um das Pferd oder die Kuh zu sedieren, wenn das notwendig wird. "Wenn ich einen verletzten Menschen rette muss ich keine Angst haben, dass er mich verletzt – der haut mir allenfalls mal eine runter, weil er unter Schock steht", sagt Hauch. "Ein Pferd wird aber immer versuchen, sich zu befreien und steht umso mehr unter Stress, wenn es Schmerzen hat."

Mit einem Kran, der beispielsweise auch zur Bergung von Eisenbahnwaggons eingesetzt wird, wird Sam schließlich aufgerichtet. Das Ganze hat keine 45 Minuten gedauert. "Läuft eine solche Rettung ungeübt ab, kann das Stunden dauern, dem Tier werden dadurch unnötige Schmerzen und viel Stress zugemutet."

Lutz Hauch, zertifizierter Großtierretter FOTO: Hauser

Es kommt zwar öfters vor, dass die Kölner Feuerwehr eine Katze vom Baum holen als ein Pferd in Not retten muss, aber: "Gerade weil die Einsätze eher selten sind, ist Ausbildung und Übung umso wichtiger", sagt ein Sprecher der Kölner Feuerwehr. "Nur so ist sichergestellt, dass jeder Handgriff sitzt." 

 
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