| 16.30 Uhr

Nach Silvester-Übergriffen
Immer mehr Kölner wollen Kleinen Waffenschein

Polizei Köln erhählt zahlreiche Anträge zur Erteilung eines Kleinen Waffenscheines
FOTO: graf/Schnettler
Köln . Die seit 2015 ohnehin gestiegenen Anfragen nach einem Kleinen Waffenschein sind seit den Übergriffen in Köln noch einmal in die Höhe geschossen. Von Jessica Kuschnik

Seit einigen Tagen flattern bei der Polizei Köln täglich Anträge zur Erteilung eines Kleinen Waffenscheines herein. Sie kommen nicht nur von Bürgern aus Köln und Leverkusen, sondern auch aus angrenzenden Städten. Die Zahl ist so hoch, dass die Behörde nun per Facebook darüber informiert, wie man einen solchen Kleinen Waffenschein beantragen kann. Man wolle darauf aufmerksam machen, "dass diese Anträge im Land Nordrhein-Westfalen bei der örtlich zuständigen Polizeibehörde (Wohnort) einzureichen sind", heißt es in der Facebook-Nachricht.

Auch im Rhein-Kreis Neuss steigt die Zahl der Anträge: 2014 beantragten 100 Menschen den Kleinen Waffenschein, 2015 waren es 163 – und seit Beginn des Jahres 2016 sind es schon 20, sagt Polizei-Sprecher Hartmut Batz.

Grund für die steigenden Zahlen seit Beginn des Jahres dürften die Übergriffe in der Silvesternacht sein. Der Kleine Waffenschein ist erforderlich, wenn man eine Schreckschusspistole oder einen Gasrevolver kaufen und mit sich führen möchte. Bereits seit 2015 steigen die Zahlen, erklärt das NRW-Innenministerium. Ende 2014 besaßen insgesamt 64.686 Personen den Kleinen Waffenschein. Im Jahr zuvor waren es 2685 weniger (minus 4,3 Prozent). Der Trend habe sich 2015 weiter fortgesetzt, berichten Polizeisprecher aus mehreren Städten und Kreisen. 

Pfefferspray und CS-Gas teilweise ausverkauft

Ob auch die Zahl der damit erlaubten Abwehrwaffen wie Pfefferspray und CS-Gas größer geworden sei, können die Polizeibehörden nicht sagen, so ein Sprecher, da Schreck- und Gasschusspistolen beim Kauf nicht registriert werden. Die Händler hingegen sehen es an den Verkaufszahlen. Im Vergleich zum Vorjahr habe sich die Zahl 2015 verdoppelt, sagt Ingo Meinhard, Geschäftsführer des Verbandes deutscher Büchsenmacher und Waffenhändler (VdB). Und seit den Silvesterübergriffen habe der Absatz noch mal deutlich zugenommen. 

Besorgte Menschen, die sich mit sogenannten freien Abwehrmitteln vor möglichen Angreifern schützen möchten, müssen derzeit oft etwas länger suchen, bis sie solche finden. Aus Neuss, Köln und Düsseldorf etwa kommen sie nach Grevenbroich, um dort Pfefferspray zu kaufen, "weil dort die Lager bereits leergekauft sind", sagt Paul Kraus, Inhaber eines Fahrradfachgeschäft in Grevenbroich, das Pfefferspray anbietet. Auch in Bochum seien viele Regale leer, und die Großhändler kämen nicht nach, wie "Der Westen" berichtet

"Die Waffe kann auch gegen einen selbst gerichtet werden"

Experten warnen davor, sich nun aus Angst vor Übergriffen zu bewaffnen, da dies dazu führen könne, sich selbst oder andere ungewollt zu verletzen. "Man muss immer bedenken: Die Waffe kann auch gegen einen selbst gerichtet werden, und für Laien ist es schwierig, sich in einer kritischen Lage damit zu schützen", sagt Daniela Dässel, Sprecherin der Polizei im Rhein-Kreis Neuss.

Besser als eine Waffe seien CS-Gas (Reizgas), ein Schrillalarm, der den Aggressor irritiert und die Umgebung auf die Situation aufmerksam macht, oder eine Hochfrequenztaschenlampe, um einen Angreifer zu blenden, sagt Meinhard. "Ich darf mich zwar verteidigen, aber nur, um aus einer Situation herauszukommen", erklärt der Experte. Nach der Verwendung einer solchen Lampe etwa könne man fliehen, habe den Angreifer aber nicht weiter verletzt. 

 

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