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"Porgy & Bess ist ein Jahrhundertwerk"

"Porgy & Bess ist ein Jahrhundertwerk"
Morenike Fadayomi steht weltweit in der Rolle der "Bess" auf der Bühne. Ab dem 9. August ist die Sopranistin zu Gast in der Kölner Philharmonie. Der Auftakt des Sommergastspiels der Gershwin Oper war in der Semperoper in Dresden. FOTO: dpa
Köln. Morenike Fadayomi, Sopranistin an der Deutschen Oper am Rhein, singt beim Kölner Sommerfestival die "Bess". Zu sehen ist die 1935 uraufgeführte Gershwin-Oper vom 9. bis zum 14. August in der Philharmonie. Von Stephan Eppinger

Köln Seit fast 20 Jahren gehört Morenike Fadayomi zum Ensemble der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf. Nun steht sie als Bess beim Kölner Sommerfestival auf der Bühne der Philharmonie.

Frau Fadayomi, welche Bedeutung hat die Oper Gershwins für Sie persönlich?

Morenike Fadayomi Ich habe die Oper schon als Jugendliche gesehen und war sofort begeistert von der Musik, dem Tanzen und den Charakteren. Es war die erste Oper, bei der ich unbedingt singen wollte, und das habe ich schließlich auch geschafft. Insofern hat mich "Porgy and Bess" geprägt, bei dem, was ich mache.

Wo standen Sie erstmals als Bess auf der Bühne?

Fadayomi Das war bei einer Aufführung im norwegischen Bergen, direkt danach waren wir mit "Porgy and Bess" in Afrika. Vor allem der Auftritt in Eritrea war sehr eindrucksvoll. Da gab es in dem langen Krieg dort eine kurze Pause, und wir waren in einem alten Kino zu Gast. Da saßen auch Leute von der Straße im Publikum, die so etwas in ihrem Leben noch nie gesehen hatten. Das Leuchten in den Augen dieser Menschen hat mich tief berührt. In Erinnerung geblieben ist auch der Auftritt in Kairo, wo unser Haus von Soldaten mit Maschinenpistolen bewacht wurde. So etwas hatte ich vorher noch nie erlebt.

In "Porgy and Bess" geht es um Religion, um Unterdrückung aber auch um Liebe. Was sagen diese Themen den Menschen heute rund 80 Jahre nach der Uraufführung?

Fadayomi Die Geschichte von Liebe und Abhängigkeit ist absolut zeitlos. Es geht auch darum, dass Menschen von der Gesellschaft abgestempelt werden und sich befreien müssen. Die Geschichte spielt im alltäglichen Leben, und jeder im Publikum findet eine Figur auf der Bühne, mit der er sich identifizieren kann.

Wie hat sich diese Oper im Laufe der Zeit gewandelt?

Fadayomi Sie hat sich nicht so sehr gewandelt. Das gilt in den USA auch beim Verhältnis der Schwarzen zu "Porgy and Bess". Viele Kollegen haben Angst, wenn sie da einmal eine Rolle übernehmen, dass sie dann ihr Leben lang den Stempel der "Porgy and Bess"-Sänger bekommen. Das liegt auch daran, dass das System in den USA es für schwarze Sänger sehr schwer macht, an gute Rollen im Bereich Oper zu kommen.

Sie hatten als Künstlerin, die auch in den USA auftritt, nie die Angst, das Ihnen auch so etwas widerfährt?

Fadayomi Ich habe mit ganz anderen Dingen meine Karriere begonnen und viele andere Rollen im Bereich von Tanz, Oper und Operette übernommen. So war ich auch außerhalb von "Porgy and Bess" bekannt und wurde nie darauf festgelegt. Das Phänomen, das ich gerade beschrieben habe, ist mir erst bei anderen Sängern bewusst geworden. Es ist sehr schade, da es auch wirklich tolle Leute betrifft.

Gibt es Unterschiede zwischen Europa und den USA auch beim Publikum?

Fadayomi Nein, "Porgy and Bess" ist wie "Aida" ein Jahrhundertwerk, das wirklich jeden packt. Ich bekomme nach all den Jahren noch immer eine Gänsehaut, wenn die Musik beginnt. Das gilt auch für das Publikum, egal auf welchem Kontinent man gerade auf der Bühne steht. Das liegt auch an der musikalischen Mischung zwischen Klassik und Spirituals, dem Chorgesang und an der packenden Geschichte.

Quelle: RP
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