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Prozess um Mord an Schwangerer
49-Jähriger widerruft Geständnis vor Gericht

Er soll seine schwangere Frau erschossen haben und muss sich nun wegen Mordes vor dem Kölner Landgericht verantworten. Doch der 49 Jahre alte Angeklagte schweigt - und zieht sein früheres Geständnis zurück.  Von Claudia Hauser, Köln

Die Stimmung ist äußerst angespannt in Saal 27 des Kölner Landgerichts, wo an diesem Mittag der Prozess gegen Jamal O. (Namen geändert) startet, der seine Ehefrau Mia ermordet haben soll. Fast 30 Freunde und Verwandte des Opfers sitzen im Zuschauerraum, alle halten ein Foto der Verstorbenen hoch. Manche haben sich das Bild der 36-Jährigen auf ein T-Shirt drucken lassen. Sie war im fünften Monat schwanger, als sie starb. Als der Angeklagte in den Saal geführt wird, ruft die Schwester des Opfers: "Mit den Händen konntest du es nicht, also hast du die Pistole genommen!" Auch die Mutter des Opfers schimpft los. Der Vorsitzende muss beide später im Prozess um Ruhe bitten.

Nach Überzeugung des Anklägers hat sich die Tat wie folgt abgespielt: Am Abend des 23. Novembers war das Ehepaar auf einem Weihnachtsmarkt in Köln. Es kam zum Streit, weil die Schwangere Glühwein trinken wollte, womit Jamal O. nicht einverstanden war. Zurück zu Hause im Kölner Stadtteil Weiden wollte Mia O. nicht mit in die Wohnung kommen. Der 49-Jährige folgte ihr mit seinem Auto, verlor sie erst aus den Augen, entdeckte sie aber, als sie an einen Fahrradständer gelehnt eine Zigarette rauchte. Er forderte sie auf, mit ihm nach Hause zu gehen, doch Mia O. soll ihm gesagt haben, er solle seine Sachen packen, sie wolle nicht mehr mit ihm zusammenleben.

Suizidversuch des Angeklagten scheiterte

Jamal O. soll zunächst damit gedroht haben, sich umzubringen. Er hatte eine Pistole mit zwei Patronen dabei. Als seine Frau sich wegdrehte und sinngemäß gesagt haben soll, er solle sich nicht vor ihren Augen erschießen, soll er die Waffe auf sie gerichtet und ihr erst in die Brust, dann in den Kopf geschossen haben. Jamal O. soll seine sterbende Frau zurückgelassen haben und nach Hause gefahren sein. Ein Suizidversuch scheiterte dort. Zwei Tage später wurde er festgenommen. Die Polizei konnte damals die Tote nicht sofort identifizieren, weil sie keine Papiere bei sich hatte.

Im November legte der 49-Jährige ein Geständnis ab – das widerrief er nun am ersten Prozesstag. Seine Verteidigerin ließ das Gericht wissen: "Er wird keine Angaben machen."

Das Urteil wird für den 13. Juli erwartet.