| 16.25 Uhr

Erster Prozess in Köln
Bewährungsstrafen für drei Täter der Silvesternacht

Prozess nach Silvester in Köln: Erste Verurteilung - wegen Diebstahls
Der Angeklagte wird von einem Justizbeamten in den Gerichtssaal geführt. Der 23-Jährige versteckt sein Gesicht hinter einer Mappe. FOTO: C.Schwerdtfeger
Köln. Zum ersten Mal standen am Mittwoch Täter aus der Kölner Silvesternacht vor Gericht. Das Gericht verurteilte alle zu Bewährungsstrafen. Die drei waren wegen Diebstahls angeklagt. Die zahlreichen sexuellen Übergriffe sind allerdings noch nicht Gegenstand der Anklage. Dennoch waren sie Thema. Von Christian Schwerdtfeger

Vor dem Kölner Amtsgericht ist Mittwochmorgen der erste Täter im Zusammenhang mit den Vorkommnissen in der Kölner Silvesternacht wegen Handydiebstahls und Drogenbesitzes zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt worden. Sie wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Außerdem muss der 24-jährige marokkanische Staatsbürger hundert Euro Geldstrafe zahlen. Die Staatsanwältin erklärte, der Mann habe sein Gastrecht in Deutschland missbraucht. Der Richter nahm dem Angeklagten die Reue und Entschuldigungen nicht ab. Er sagte, der junger Mann würde sich "an die Vorschriften im Lande nicht halten".

Angeklagter seit einem Jahr in Deutschland 

Die Ereignisse seit der Silvester-Nacht in Köln FOTO: dpa, obe kno

Der Angeklagte war geständig. Er hatte während der Silvesterfeierlichkeiten auf dem Bahnhofsvorplatz in Köln einer jungen Frau (20) ein Mobiltelefon im Wert von 350 Euro gestohlen. Das Opfer wollte den Kölner Dom fotografieren, als der Täter ihr das Gerät entriss. Die Frau lief dem Dieb jedoch hinterher und konnte ihn stellen. 

Eine Polizeistreife nahm den Mann dann fest. Bei seiner Durchsuchung fanden die Beamten zudem Drogen, 0,1 Gramm Amphetamin in seiner linken Socke. Er war stark alkoholisiert.

Der Mann saß bereits seit dem 1. Januar in Untersuchungshaft, weil er über keinen festen Wohnsitz verfügte. Gemeldet war er in einer Notunterkunft in Nottuln. Nach eigenen Angaben ist er seit einem Jahr in Deutschland. Der Verurteilte war an Silvester mit der Bahn nach Köln gefahren.

Für den Diebstahl entschuldigte sich der Marokkaner bei der 20-Jährigen vor Gericht. Sie nahm die Entschuldigung an. Für die Polizei ist der Mann kein Unbekannter: Er wurde bereits am 29. und 30. Dezember wegen Taschendiebstählen kontrolliert und einmal sogar kurzfristig festgenommen. 

Das Opfer, das aus Baden-Württemberg kommt, wurde in der Silvesternacht auch am Po unsittlich berührt. Von wem, konnte sie nicht sagen.

1100 Anzeigen aus der Silversternacht

Um 11.30 Uhr begann die zweite Verhandlung, angeklagt waren ein 22 Jahre alter Tunesier und ein 18 Jahre alter Marokkaner. Auch für sie sprach das Gericht Bewährungsstrafen aus. Den Tunesier wegen Diebstahls einer Kamera zu drei Monaten auf Bewährung, seinen 18 Jahre alten Komplizen aus Marokko zu einer Haftstrafe von zwei Jahren. Er fällt noch unter das Jugendstrafrecht. Die Haftstrafe wurde auf Bewährung ausgesetzt.

Die beiden hatten gemeinsam einem Mann auf der Kölner Hohenzollernbrücke eine Tasche und eine Kamera gestohlen. Der 18-Jährige war zuvor bereits polizeibekannt. Im vergangenen Jahr hatte er in zwei Geschäften ein T-Shirt und zwei Hosen gestohlen. Bei einer anschließenden Polizeikontrolle widersetzte er sich den Beamten. Zudem hatte er aus einem ICE noch einen Koffer gestohlen. Auch die beiden saßen bereits seit Neujahr in Untersuchungshaft.

Hunderte Frauen waren in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof und nahe dem Dom vor allem von Männern aus Nordafrika sexuell bedrängt und bestohlen worden. Bislang gingen bei der Polizei fast 1100 Anzeigen ein. Identifiziert wurden 75 Verdächtige. Erst zu Wochenbeginn konnten erneut zwei Tatverdächtige in Niedersachsen in Haft genommen werden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelt es sich bei den Verdächtigen zum größten Teil um Asylbewerber und Menschen, die sich illegal in Deutschland aufhalten. Viele Beschuldigte kommen aus Marokko und Algerien. Die Kölner Strafverfolgungsbehörde geht davon aus, dass nur ein geringer Teil der Straftaten aufgeklärt werden kann.

Mit Material von dpa

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