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Prozess in Köln
Studentin entging wohl nur knapp einer Vergewaltigung

Prozess: Vergewaltigung an der Kölner Universität
Der Angeklagte mit seinem Verteidiger. FOTO: Claudia Hauser
Köln. Im Vergewaltigungsprozess gegen einen 24-Jährigen vor dem Kölner Landgericht hat eine Studentin ausgesagt, die wohl selbst nur knapp einer Vergewaltigung durch Johan H. entging. Ein ausgepacktes Kondom hatte der Täter bereits griffbereit im Schuh. Von Claudia Hauser

Lena K. (alle Namen geändert) konnte nicht schlafen in der Nacht auf den 18. Mai. Die 25-Jährige entschloss sich zu einem Spaziergang, es war kurz vor Mitternacht. "Ich ging am Aachener Weiher entlang in die Stadt, habe dort was gegessen", erzählt die Studentin am Mittwoch im Zeugenstand des Kölner Landgerichts.

Auf dem Heimweg hörte sie laut Musik und bekam auf dem Danteweg in Richtung Köln-Lindenthal plötzlich von hinten einen Schlag ins Gesicht. "Jemand hat mich dann gepackt und nach hinten weg gezogen", sagt sie. Sie habe sich die Kopfhörer aus den Ohren gerissen und den Mann angesehen, der hinter ihr stand. "Schrei nicht, ich hab Messer!" habe der gesagt. Als er ihr eine Art Dolch vor das Gesicht gehalten habe, sei sie wie aus einer Trance erwacht und habe geschrien, so laut sie konnte.

"Wenn ich ihn nochmal treffe, bin ich dran"

Die junge Frau schaffte es, sich loszureißen und davon zu laufen, stürzte in Panik. "Ich sah ihn in Richtung meines Wohnhauses laufen und dachte: Okay, wenn ich ihn gleich noch mal treffe, bin ich dran." Lena K. hielt einen Radfahrer an. Er blieb bei ihr, bis die Polizei eintraf. Morgens gegen vier Uhr wurde der Täter in Lindenthal gefasst, seitdem ist er in Haft.

Die zierliche, nur 1,55 Meter große Frau hatte offenbar großes Glück. Die Ermittler entdeckten ein bereits ausgepacktes Kondom im Schuh von Johan H. Drei Tage vorher soll er eine 21-Jährige an der Kölner Uni vergewaltigt haben. Auch in diesem Fall hatte der aus Mali stammende BWL-Student ein Kondom benutzt. 

Lena K. sagt, sie träumt manchmal noch von dem Überfall, oft kann sie nicht einschlafen. "Es ist noch nicht ganz weg aus meinem Leben." Ganz eindeutig identifizieren kann sie den Angeklagten nicht. "Seine Hautfarbe hatte ich heller in Erinnerung", sagt sie. Der Täter hatte eine Kapuze tief ins Gesicht gezogen, als er sie angriff.

Der Täter schweigt beharrlich

Nach der Vergewaltigung einer 21 Jahre alten Studentin am 15. Mai hatte Johan H. eine offene Kondompackung am Philosophikum zurückgelassen, Ermittler konnten seine DNA sichern. Eine Funkzellenüberwachung seines Mobiltelefons ergab außerdem, dass er zur Tatzeit am Tatort war. Doch Johan H. schweigt beharrlich im Prozess. Und ersparte so dem Vergewaltigungsopfer nicht, im Zeugenstand alles noch einmal erzählen zu müssen. Die 21-Jährige kam ebenfalls am Mittwoch – in Begleitung ihres Freundes. Während ihrer Aussage wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen, um ihre Privatsphäre zu schützen.

Johan H. hatte nach Aussage eines Ermittlers vor der Tat gegoogelt, wie man seine Identität bei einer Vergewaltigung verschleiern kann. Nach der Tat habe er alle möglichen Presseportale aufgerufen, um zu checken, was die Polizei über die Vergewaltigung veröffentlicht hat.

Johan H. wird vorgeworfen, innerhalb von neun Tagen vier Frauen überfallen zu haben, in einem Fall kam es zu der Vergewaltigung. Auch die anderen Frauen soll er mit einem Messer, das eine 30 Zentimeter lange Klinge hat, bedroht haben. Einer nahm er Telefon und Geldkarten ab, eine andere soll er im Vorraum einer Bank bedroht haben. Sie ließ in Panik 250 Euro im Automatenschlitz zurück, die der Täter mitnahm.

Eigentlich hatte der Verteidiger angekündigt, sein Mandant werde sich einlassen. Doch seit dem ersten Prozesstag schweigt Johan H.

Das Urteil wird für den 13. Dezember erwartet. 

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