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Köln
Rapper Xatar muss nicht in Untersuchungshaft

Rapper Xatar muss nicht in Untersuchungshaft
Rapper Xatar könnte in den Vorfall verwickelt sein. FOTO: dpa, pdz sup
Köln. Seit Tagen gibt es Aufregung in der Rap-Szene: Auslöser ist ein brutaler Angriff in der Kölner Innenstadt. Branchengröße Xatar wurde per Haftbefehl gesucht - jetzt hat er sich der Polizei gestellt. Und wurde gegen Kaution freigelassen.

Schädelbruch, Messerstiche an Beinen und Po, zerschnittene Reifen, eine zerschlagenen Frontscheibe und herumliegende Patronenhülsen. Schnell war zu erahnen, dass sich in der Nacht zum Montag vergangener Woche in Köln kein alltägliches Gewaltdelikt ereignet hatte. Die Ermittlungen haben mittlerweile die Spitze der deutschen Charts erreicht: Rapper Xatar, der jüngst Platz eins des Album-Rankings eroberte, wurde mit Haftbefehl gesucht. Am Dienstag stellte er sich der Polizei, muss aber unter Auflagen nicht in Untersuchungshaft.

Streitigkeiten unter Musikern

Für die Staatsanwaltschaft stellt es sich so dar, dass der Hintergrund der Tat in einer Streitigkeit unter Musikern zu finden ist - zwischen dem Bonner Xatar und einem anderen Rapper. Von einer rheinischen Rapper-Fehde ist den Blättern die Rede. Das Motiv sei aktuell aber noch ein wenig im Bereich der Spekulationen, sagt Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer dazu.

Was nach Darstellung der Ermittler bekannt ist: Zeugen rufen in der Nacht zum Montag verganener Woche die Polizei und berichten von einem heftigen Streit mit mehreren Personen in der Kölner Innenstadt. Mehrere Fahrzeuge sollen schnell weggefahren sein. Eine Streife stoppt einen 34-Jährigen in einem Auto - die Reifen sind zerschnittenen, die Frontscheibe zerschlagen. Er hat einen Schädelbruch und Stichverletzungen. Schwerverletzt kommt er in ein Krankenhaus. Am Tatort werden Patronenhülsen gefunden.

"Ich war nicht beteiligt"

Die Frage, wer den 34-Jährigen so zugerichtet hat, führt die Ermittler in die Rap-Szene. Den konkreten Angriff werfen sie drei Männern vor. Einer wird am Freitag festgenommen, die anderen - zwei Brüder - erscheinen am Montag selbst bei der Polizei. Die Staatsanwaltschaft rechnet sie Xatars Umfeld zu. Auch nach dem Rapper selbst wird schließlich per Haftbefehl gesucht. Dieser äußert sich zunächst in der "Bild"-Zeitung: Er wisse, dass er bei den Ermittlungen zu dem Vorfall eine Rolle spiele. "Dazu erkläre ich aber, dass ich daran nicht beteiligt war."

Am Dienstag schließlich wird er selbst mit einem Verteidiger auf dem Kölner Polizeipräsidium vorstellig. Im Gegensatz du den drei anderen Verdächtigen wird ihm nicht vorgeworfen, die Tat selbst ausgeführt zu haben. Aber er soll in der Nähe gewesen sein - und wird daher als möglicher Mittäter angesehen. Die Vorwürfe lauten auf versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung. In Untersuchungshaft muss der Musiker aber nicht, wie ein Haftrichter am Dienstag entschied. Xatar habe eine Kaution hinterlegt, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit. Zudem seien ihm Meldeauflage erteilt worden.

Xatar gehört aktuell zu den bekanntesten Rappern in Deutschland. Mit einem Image als böser Junge zu kokettieren gehört in der Szene mitunter zum guten Ton und wird in den Texten geradezu zelebriert. Auch verbale Scharmützel mit Provokationen, Schmäh-Raps und dem gegenseitigen "dissen" sind unter Rappern ziemlich normal. Auch zwischen Xatar und einem anderen Rapper rumorte es kürzlich.

Dass ein Rapper, der gerade mit seiner Platte die Albumcharts erklommen hat, per Haftbefehl gesucht wird, ist allerdings ein Vorgang, der in Deutschland seinesgleichen sucht. Sein Erfolgsalbum "Der Holland Job" hat Xatar mit seinem Offenbacher Rap-Kollegen Aykut Anhan aufgenommen. Dessen Künstlername ist Haftbefehl.

(lai/dpa)
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