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Anwalt von Reker-Attentäter
"Nebensächlich und völlig unbegründet"

Reker-Prozess: Frank S. scheitert mit Antrag vor Gericht
Frank S. hält während des Prozesses einen Zettel an die Scheibe, auf dem er einen neuen Verteidiger sucht. FOTO: dpa, mg
Düsseldorf. Haben die Anwälte von Frank S. Details aus den Akten in der Presse lanciert? Das hatte der mutmaßliche Reker- Attentäter seinen Verteidigern vorgeworfen - er habe kein Vertrauen mehr zu ihnen. Jetzt äußert sich Anwalt Christof Miseré zu dem Vorgang.  Von Franziska Hein

Eigenartige Szenen spielen sich im Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts (OLG) in Düsseldorf ab, wenn der Angeklagte Frank S. den Saal betritt. Am ersten Prozesstag hatte er sich noch einen Ordner mit einem lustigen Kinderbildchen beklebt vors Gesicht gehalten. Ein paar Verhandlungstage später, als die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker im Prozess aussagt, verzichtet er vor den Kameras darauf, sein Gesicht zu verdecken. Am vierten Verhandlungstag hält er einen Zettel hoch, auf dem in ordentlichen Blockbuchstaben steht: "Suche mutigen rechten Pflichtverteidiger." 

Wie um dem Zerwürfnis mit seinen Anwälten Nachdruck zu verleihen, lässt er am jüngsten Verhandlungstag einen Sitz Abstand zwischen ihm und seinen Verteidigern, was ihm einen Rüffel der Vorsitzenden Richterin Barbara Havliza einbringt. 

Anwalt plädiert auf schwere Körperverletzung

Der Verteidiger des Angeklagten Frank S., Christof Misere, in Düsseldorf im Verhandlungssaal. FOTO: dpa, obe fdt

Mittlerweile zweifeln manche Prozessbeobachter daran, ob die Verteidigungsstrategie von Frank S. noch aufgeht. Sein Anwalt Christof Miseré hatte im Eröffnungs-Statement noch auf schwere Körperverletzung plädiert, während die Bundesanwaltschaft Frank S. versuchten Mord vorwirft. Er hat gestanden, die spätere Kölner Oberbürgermeisterin am 17. Oktober 2015, dem letzten Tag vor der Wahl, mit einem Messer attackiert zu haben.

Miseré sprach vom "Rücktritt vom Versuch" - und untermauerte seine Verteidigungsstrategie noch mit einigen grundsätzlichen Bemerkungen zum Verfahren: Frank S. werde ein politischer Prozess gemacht. Außerdem sprach der Verteidiger davon, das Attentat habe insgesamt in einem gesellschaftlichen Klima stattgefunden, in dem kritische Äußerungen zur Flüchtlingssituation nicht möglich gewesen sein sollen. Beide Äußerungen hatten am ersten Verhandlungstag ein Raunen im Saal hervorgerufen. 

Nun möchte Frank S. dem Kölner Anwalt offenbar das Mandat entziehen. Er hatte dies während der Verhandlung mündlich beantragt und damit begründet, Miseré habe Details aus den Akten an die Medien weitergegeben. 

Reker-Attentäter Frank S. vor Gericht in Düsseldorf FOTO: dpa, obe fdt

"In keiner Weise verantwortlich"

Gegenüber unserer Redaktion widerspricht Miseré diesen Vorwürfen nun. "Für Veröffentlichungen in der Presse bin ich in keiner Weise verantwortlich", sagt der Anwalt. Die Details beziehen sich auf Informationen über die Pflegemutter des Angeklagten und ein Foto, das ihn in jungen Jahren zeigt. Beides veröffentlichte später die "Bild-Zeitung". 

Miseré sagt nun, dies sei passiert, bevor er das Mandat im Februar übernommen habe. Frank S. hatte ihn aus dem Gefängnis angeschrieben. "Die aktuellen Vorkommnisse mögen irritieren, sind aber in der Sache selbst absolut nebensächlich und zudem völlig unbegründet", bewertet Miseré den Versuch seines Mandanten.

Frank S. hat jetzt noch die Möglichkeit, seinen Antrag auf Wechsel seines Verteidigers schriftlich beim Gericht einzureichen. Die Richterin hatte seinen mündlichen Antrag vor Gericht abgelehnt, weil ihr die Begründung nicht ausreichte. "Ein solcher schriftlicher Antrag liegt bislang nicht vor", sagte ein Sprecher des OLG.  

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