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Festnahme in Köln nach Telefon-Abzocke
Rocker soll Senioren als falscher Polizist betrogen haben

Hintergrund: Das bedeuten die Symbole auf den Kutten
Hintergrund: Das bedeuten die Symbole auf den Kutten FOTO: dpa
Köln. Die Polizei hat in Köln-Zollstock einen 24-Jährigen festgenommen, der mit seinem Bruder reihenweise Senioren am Telefon abgezockt haben soll. Beide sollen der Rockerszene zugehören. 

Beamte eines Spezialeinsatzkommandos haben am Freitag im Kölner Stadtteil Zollstock ein Mitglied der Rockergruppe Bandidos festgenommen. Ein Richter hatte Haftbefehl gegen den 24-Jährigen erlassen. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, als in Köln ansässiger Kopf einer Bande Senioren mit dem "falsche Polizisten"-Trick um ihre Ersparnisse gebracht zu haben. Seine Anweisungen soll er von seinem Bruder bekommen haben, der mit internationalem Haftbefehl gesucht wird. Der 30-Jährige hat sich nach Erkenntnissen der Ermittler in die Türkei abgesetzt. Der Gesamtschaden soll sich auf 400.000 Euro belaufen.

Am heutigen Montag vollstreckten Polizisten weitere vier Durchsuchungsbeschlüsse für Wohnungen in Köln-Marienburg und in der Südstadt. Bei den Bewohnern handelt es sich um einen deutschen und vier türkische Staatsangehörige zwischen 20 und 25 Jahren. Sie sollen als Abholer an den Taten beteiligt gewesen sein. In einer Wohnung in der Mertener Straße trafen die Beamten auf einen Tatverdächtigen (20) und nahmen ihn mit zum Polizeipräsidium. Die anderen drei waren nicht in ihren Wohnungen. Die Beamten stellten Mobiltelefone und schriftliche Aufzeichnungen als Beweismittel sicher. Die Polizisten beschlagnahmten außerdem kleine Mengen Drogen. 

20 Millionen Schaden bundesweit

Schon im Oktober 2016 registrierte die Polizei vermehrt Anzeigen wegen Betrugsdelikten durch "falsche Kriminalbeamte". In Köln und Leverkusen sind hunderte dieser Fälle aktenkundig. 20 Millionen Euro Schaden jährlich richten Trickbetrüger bundesweit allein mit dem Polizisten-Trick an. Es gibt Variationen wie den Enkeltrick, bei dem sie sich als Verwandter ausgeben, der in Not ist. 2015 gab es im Kölner Stadtgebiet 50 Fälle, 2016 mehr als doppelt so viele. Die Banden agieren europaweit, haben sich nach Angaben von Ermittlern über Jahre spezialisiert. "Die Ermittlungen sind außerordentlich schwierig, da die Hintermänner, die die Telefonate führen, in der Türkei sitzen - wie in einem Callcenter", sagt Christoph Heinen, Leiter des Kölner Kriminalkommissariats 25, das sich mit den Fällen beschäftigt. Nimmt die deutsche Polizei einen der "Abholer" fest, wird der einfach ausgetauscht.

Die Masche beginnt immer gleich: "Hier ist die Polizei. Schließen Sie bitte sofort Ihre Fenster und Türen. Es handelt sich um einen Notfall. Wir haben einen Einbrecher festgenommen und bei ihm eine Liste mit Zielorten für weitere Einbrüche gefunden. Ihr Name steht auch auf dieser Liste." Mit dieser Formulierung lösen die Täter bei ihren Opfern extreme Verunsicherung aus.

Letzten Zweifeln begegnen die Betrüger mit dem Hinweis auf das Telefondisplay. Mit technischen Hilfsmitteln gelingt es den Tätern, die Nummernfolge "0221 110" auf dem Telefon des Angerufenen anzeigen zu lassen. Mit dem Hinweis auf die Zahl "110" nutzen die Betrüger ganz gezielt das Vertrauen der Menschen in die Polizei aus.

Die Geschädigten werden dann aufgefordert, Schmuck und Bargeld an einen Zivilpolizisten zu übergeben. Der Abholer übernimmt die Wertgegenstände und entkommt regelmäßig unerkannt.

"Die Festnahme 24-Jährigen ist ein wichtiger Schlag gegen die Täterbande, die sich in betrügerischer Weise als Polizisten ausgeben", sagt ein Polizeisprecher. Die Ermittlungen der Kripo Köln sind noch nicht abgeschlossen. 

 

 

 

 

 

 

 

 

(hsr)
 
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