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Rosenmontagszug in Köln
"Der Herrjott is enne kölsche Jung"

Sonne statt Sturm: Ausgelassene Stimmung in Köln
Köln. Eine Sturmwarnung machte den Jecken am Rosenmontag vielerorts einen Strich durch die Rechnung. Unter anderem der Umzug in Düsseldorf wurde abgesagt. In Köln gingen die Jecken auf die Strecke. Insgesamt war es dort aber leerer als in den Vorjahren.   Von Sebastian Fuhrmann

Steffi aus Köln ist sich sicher. "Der Herrjott is enne kölsche Jung. Und dafür scheint dann auch zwischendurch mal die Sonne", sagt sie. Am Montagmorgen steht die Kölnerin am Streckenrand des Rosenmontagszugs gleich an der Schildergasse. Der Zug ist noch nicht auf der Strecke, einige Jecken geben dort aber schon Gas. Ein Mann schwört mit zwei Rasseln in der Hand die Menge ein. Tschik-tschik-tschik! Er hält vor einer Gruppe Jugendlicher, sie grölen und tanzen.

Wie bitte? Es sollte doch stürmen und regnen

Rosenmontagszug zieht durch Köln FOTO: dpa, kno

In den Regionalzügen ist es am Morgen proppevoll: das Publikum überwiegend junge Karnevalisten, die ihre jährliche Pilgerfahrt nach Köln antreten. Die Jecken sind vorbereitet. Viele tragen durchsichtige Regenponchos über den Kostümen. Und wer davon keinen dabei hat, der trinkt. Achwas. Getrunken wird sowieso.

Rosenmontagszug in Köln: Dr' Zoch kütt

In der Bahn scheppern die Lieder aus den mitnehmbaren Musikboxen, die die Jugendlichen mitgebracht haben. Baby, be my lover - i don't want no other. "Geilster song", sagt eine junge Frau mit grüner Perücke. 

"Nächster Halt, Köln Messe Deutz" - die Fahrgäste toben. 10.30 Uhr ist es da gerade mal. "Von wegen Regen", schreit ein Mann. "Hier scheint doch voll die Sonne." Während am Montagmorgen viele große Karnevalszüge aus Sicherheitsbedenken abgesagt werden, entscheiden sich die Kölner, den Zug auf die Strecke zu lassen.

Jecke in Köln starten Rosenmontagszug im Regen FOTO: dpa

Die Grapscherei ist schuld

Dort aber bleibt es trotz strahlener Sonne und kaum Wind vergleichweise leer. "Ich zapfe hier immer, und letztes Jahr war deutlich mehr los", sagt ein Wirt, der seinen mobilen Wagen zwischen Museum Ludwig und Hotel Mondial direkt an der Strecke aufgebaut hat. Auch die Toilettenhäuschen am Dom sind am Vormittag spärlich besucht. 

Ist die Stimmung gut, fließt das Bier in Strömen. Fließt das Bier in Strömen, sind die Toiletten voll. Leere Toiletten, keine Stimmung? "Die Sturmwarnung wird schon einiges dazu beigetragen haben, dass es an der Strecke noch vergleichsweise leer ist", sagt Kristoffer Kohtz. Der 30-Jährige ist mit seinem Kumpel Andy Hermann aus Radevormwald nach Köln gekommen. "Die, die heute nach Düsseldorf gefahren sind, kommen sowieso nicht nach Köln, nur weil deren Zug abgesagt wurde. Die Leute feiern in den Kneipen", sagt Andy. Die beiden Männer ziehen als Chef-Köche durch den Karneval.  

"Ich denke, die Grapschrei am Dom hat auch dazu beigetragen, dass es heute leerer ist", sagt der Wirt, der sich bei seiner Arbeit Zeit lassen kann. "Die Leute sind lieber in ihren Veedeln geblieben, anstatt in die Stadt zu gehen. Zumindest in meinem Bekanntenkreis war das so".

Polizei zeigt Präsenz

Vor dem Dom zieht eine Gruppe dunkel gekleideter Polizisten einen jungen Mann aus der Reihe. Er hat schwarze Haare, ist nicht verkleidet und stammt offensichtlich nicht aus Deutschland. Aus seiner Tasche zieht er ein Stück Papier. Ein Polizist klappt das Dokument auseinander, liest es, dann darf der Mann weitergehen. Wenige Meter weiter spielt sich kurz darauf exakt dieselbe Szene ab. "Das Polizeikonzept geht auf jeden Fall auf, man sieht mehr Polizisten als Jecke", hatte der Wirt noch geschimpft.

An der Strecke schimpft ein adrett gekleideter Mann über die Ordnungshüter. "Ich möchte doch nur hier durch, weil ich auf der anderen Seite arbeite." Die Polizisten lassen ihn nicht. Der schnurrbärtige Mann mit Cordhose zieht weiter.

Pfefferspray im Pilotenkostüm

Claudia, Kim und Merle sind aus Bocholt nach Köln gekommen. Merle war im vergangenen Jahr schon beim Zug. Die anderen beiden sind zum ersten Mal dabei. "Letztes Jahr war es voller", sagt sie. "Ich denke, das liegt vor allem an der Wetterwarnung und an Silvester, dass es dieses Jahr leerer ist. Ich habe auch Pfefferspray dabei", sagt Merle, die als Pilotin verkleidet ist. Die Mädels ziehen weiter in Richtung Dom.

Davor weht eine Fahne mit der Aufschrit: "Glaube tut uns gut." Was Steffi wohl dazu sagen würde?

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