| 12.40 Uhr

Gondeln bleiben zunächst am Boden
TÜV und Gutachter sollen Seilbahn-Notfall in Köln aufklären

Beschädigte Gondel an Seilbahn in Köln geborgen
Beschädigte Gondel an Seilbahn in Köln geborgen FOTO: Arton Krasniqi
Köln. 65 Passagiere mussten an Sonntag in einer spektakulären Aktion aus der Kölner Seilbahn gerettet werden. Wie es zu dem Unglück über dem Rhein kam, ist weiter völlig unklar. Fest steht, die Seilbahn bleibt zunächst außer Betrieb. Der TÜV und ein weiterer Gutachter sollen nun die genaue Ursache ergründen.

Nach dem Vorfall wachsen in Köln die Fragen an den Betreiber der Touristenattraktion. "Die Leute, die da festgehangen haben, haben alles Recht der Welt, zu erfahren, warum sie da festgehangen haben", sagte eine Sprecherin der Stadt Köln am Montag.

Seilbahn-Notfall in Köln: Rettung aus luftiger Höhe

Die Aufbereitung sei nun Aufgabe der zuständigen Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB). Dass technisch etwas versagt habe, sei offenkundig. "Es gilt das aufzubereiten", sagte die Sprecherin. "Der Stadt ist es nicht egal, ob da einfach Leute in der Luft hängen."

"Wir müssen nun die Ursache klären", sagte eine Sprecherin der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB). Ein Gutachter sei bestellt worden. Nach Angaben der KVB sollen der TÜV Rheinland und ein externer Gutachter nach der genauen Ursache suchen.

Eine Spezialfirma hat bereits am Sonntagabend begonnen, einen Kran aufzubauen, um die verkeilte Gondel zu bergen. Mithilfe eines Beleuchtungsfahrzeuges der Feuerwehr konnten die Einsatzkräfte die ganze Nacht arbeiten und die Kabine bis 4 Uhr erfolgreich verladen.

Andere Kommunen in Nordrhein-Westfalen, die aktuell über neue Seilbahn-Projekte nachdenken, ließen sich von dem Vorfall zunächst nicht beeindrucken. Sowohl Wuppertal als auch Bonn erklärten, an ihren bisherigen Plänen festhalten zu wollen. "Die Seilbahn in Köln ist überhaupt nicht baugleich mit unserem Projekt", sagte ein Sprecher der Stadt Wuppertal.

Höhenretter befreien Fahrgäste aus Seilbahn FOTO: dpa, mku kno

Eine Kabine hatte sich verkeilt

Bei bestem Ausflugswetter am Sonntagnachmittag hatte sich eine der 32 Kabinen der Seilbahn verkeilt und damit eine Rückfahrt an den Drahtseilen unmöglich gemacht. Nach einer Mitteilung der Stadt Köln hatte eine Gondel der Seilbahn beim Einfahren in die linksrheinische Bodenstation einen Not-Stopp ausgelöst, der dafür da ist, Schlimmeres zu verhindern.

"Wir wissen noch überhaupt nicht, wie der Vorfall passieren konnte", sagte eine Sprecherin der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) am frühen Montagmorgen.

Die Kölner Feuerwehr startete eine spektakuläre und in dem Ausmaß für sie noch nicht dagewesene Rettungsaktion. Da ein Großteil der Kabinen über dem Rhein fest hing, mussten zahlreiche Fahrgäste aus großer Höhe auf ein Feuerwehrschiff abgeseilt werden. Andere wurden über Drehleitern vom Ufer oder der Zoobrücke aus aus ihrer beängstigenden Lage gerettet.

Knapp fünf Stunden nach dem plötzlichen Not-Stopp der Kölner Seilbahn konnten die Retter alle 65 Insassen aus den Kabinen in Sicherheit bringen, darunter 20 Kinder und Jugendliche. Ein Mann wurde vor Ort wegen Kreislaufproblemen behandelt, wie die Feuerwehr mitteilte.

Verletzte habe es nach Angaben der Kölner Verkehrs-Betriebe nicht gegeben. Damit ging die Rettungsaktion auch dank zusätzlicher Einsatzkräfte aus anderen Städten wesentlich schneller als gedacht. Zunächst waren Feuerwehr und die für die Seilbahn über den Rhein zuständigen Kölner Verkehrs-Betriebe von etwa 100 festsitzenden Fahrgästen ausgegangen. Die Feuerwehr sprach zwischenzeitlich von zwei Leichtverletzten.

Während der fünfstündigen Rettungsarbeiten musste nach Informationen der KVB außerdem die Schifffahrt auf dem Rhein unterbrochen werden. Die Zahl der betroffenen Schiffe war zunächst nicht bekannt.

Seilbahnen in Not – Chronik der dramatischen Rettungsaktionen

Rettungskräfte bekamen Applaus

"Sowas ist noch nie passiert", sagte der Feuerwehrsprecher. Im Oktober 2014 war es zwar bei starkem Wind schon einmal zu einem Notfall an der Seilbahn gekommen. Damals musste aber nur eine Familie aus einer Gondel gerettet werden - Eltern und Kinder wurden damals auf ein Boot abgeseilt. Auch diesmal musste dieser Rettungsweg gewählt werden.

Für die Rettung der festsitzenden Seilbahn-Fahrgäste über dem reißenden Rhein bekamen die Rettungskräfte hundertfachen Applaus: Als eine Mutter mit ihrem Kind aus einer der Gondeln auf ein Feuerwehrschiff abgeseilt wurde und beide sicher ankamen, applaudierten Zuschauer am Rheinufer spontan. Hunderte Menschen verfolgten das Geschehen am Sonntagnachmittag von dort aus.

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) dankte den Einsatzkräften für die schnelle Rettung der Seilbahn-Passagiere. "Meine Gedanken waren bei den Kindern und Erwachsenen, die über viele Stunden mutig und geduldig ausharren mussten", erklärte sie am Abend. Zuvor hatte sie den betroffenen Fahrgästen Mut zugesprochen. Sie sei froh, dass die Menschen hinterher psychologische Hilfe und Betreuung bekämen. Sie hofft, dass die eigentliche Ursache rasch gefunden und für die Zukunft als eine Fehlerquelle ausgeschlossen werden könne.

Einsatzkräfte aus dem Umland zur Verstärkung

Am Großeinsatz waren deutlich mehr als 100 Feuerwehrleute und die für ihre Einsätze an Rettungsseilen bekannten Höhenretter beteiligt. Die Einsatzkräfte eilten nicht nur aus Köln zur defekten Seilbahn, sondern auch aus Düsseldorf, Dortmund, Aachen und dem Oberbergischen Kreis. Auch Mitarbeiter der RWE-Werksfeuerwehr waren dabei.

(lnw/csr)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Seilbahn in Köln: TÜV und Gutachter sollen Notfall aufklären


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.