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Seilbahn-Notfall in Köln
"Alle waren wirklich sehr besonnen"

Höhenretter befreien Fahrgäste aus Seilbahn
Höhenretter befreien Fahrgäste aus Seilbahn FOTO: dpa, mku kno
Köln. Wie haben die Rettungskräfte den Großeinsatz an der Kölner Seilbahn erlebt? Wir haben mit dem Chef der Berufsfeuerwehr Köln, Johannes Feyrer, und dem Kölner Höhenretter Nils Weihrauch gesprochen.  Von Claudia Hauser

70 Meter über dem Rhein verhakte sich eine Gondel der Kölner Rheinseilbahn am Sonntagnachmittag und geriet in Schieflage. Die Seilbahn stoppte, 65 Menschen mussten gerettet werden. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr erreichten acht Gondeln über Drehleitern. Zu 24 weiteren Gondeln mussten die Höhenretter klettern, um die Menschen über dem Rhein abzuseilen. 

Seilbahn-Notfall in Köln: Rettung aus luftiger Höhe

Was war das Schwierigste an dem Einsatz?

Johannes Feyrer Ganz klar: Die Anzahl der Menschen, die wir retten mussten. Das hat es so bundesweit noch nicht gegeben. 2014 haben wir in Köln schon einmal Menschen aus einer verkanteten Gondel der Bahn abgeseilt – aber das waren vier und nicht 65. Wir haben es bis in die "New York Times" geschafft, kanadische Feuerwehrleute haben uns gratuliert - das zeigt die Dimension des Einsatzes.

Wie ist der Einsatz aus Ihrer Sicht gelaufen?

Feyrer Es lief wirklich sehr gut. Wir konnten alle 65 unverletzt retten, außerdem wurde auch keiner der 150 Einsatzkräfte verletzt. Sie haben alle die Nerven behalten und waren gut trainiert.

Nils Weihrauch Vor allem hat auch die Zusammenarbeit mit den anderen Höhenrettern super funktioniert. Mir war schnell klar: Wir brauchen überörtliche Hilfe. Sechs Kölner waren zuerst im Einsatz, dann haben wir die 22 dazugeholt, die frei hatten, und die Kollegen aus anderen Städten - wir waren dann insgesamt 50 Höhenretter. 

Höhenretter Nils Weihrauch (47) bei einer Übung am Kölner Dom. FOTO: Feuerwehr Köln

Wie haben die geretteten Menschen reagiert?

Feyrer Naja, sie waren alle froh, dass sie wieder festen Boden unter den Füßen hatten. Aus einer Höhe von bis zu 70 Metern abgeseilt zu werden ist sicherlich nicht das, was sich die Mehrheit der Bevölkerung wünscht. 

Weihrauch Alle waren wirklich sehr besonnen. Ich hätte mir vorstellen können, dass einige panisch werden, das ist aber nicht passiert. Aber alle Kollegen haben erzählt, dass die Leute einfach glücklich waren, als sie an der Gondel ankamen, um die Menschen da rauszuholen. Nicht jeder steigt bei so einer Rettung freiwillig aus. Da muss man teilweise schon echte Überzeugungsarbeit leisten. Das Wetter hat uns sicher gut zugespielt. Wenn es sehr windig ist, so ein Ding stark schaukelt, ist das sehr viel schwieriger für alle Beteiligten. 

Wie schon bei einem Unfall 2014 war ein Paar mit zwei kleinen Kindern in der Gondel, die sich verhakt hat. 

Weihrauch Ja, und diese schief hängende Gondel hatte natürlich für uns Priorität. Wir haben erst einmal die Gondel gesichert, damit da nichts passieren konnte, und haben dann die Familie rausgeholt, die zum Glück unverletzt war. Problematisch ist immer das Retten von kleinen Kindern, die kann man nicht alleine retten, sondern immer zusammen mit einem Elternteil. Aber alle waren wirklich sehr besonnen. Die Eltern haben es geschafft, Ruhe zu bewahren. Ich selbst stand auf dem Pylon neben der Gondel und habe den Kindern zugewunken, ein bisschen rumgealbert, um sie abzulenken. Das hat gut geklappt. 

Sie haben erst vor zwei Wochen an der Seilbahn geübt, hat das am Sonntag geholfen?

Weihrauch Wir üben ohnehin jedes Jahr an der Seilbahn, aber es war natürlich gut, dass die Übung gerade mal zwei Wochen zurücklag. Wir haben an der Rheinseilbahn ein über die Jahre sehr eingespieltes Konzept.

Beschädigte Gondel an Seilbahn in Köln geborgen FOTO: Arton Krasniqi

Nach viereinhalb Stunden war alles vorbei. Haben sie sich dann abgeklatscht und sind in ihre Betten gefallen?

Weihrauch Das war eine echte Rekordzeit. Die Menschen, die den Einsatz beobachtet haben, haben am Ende applaudiert. Das hat uns sehr gefreut. So etwas ist eine schöne Anerkennung für uns. Für die Höhenretter war der Einsatz trotzdem noch nicht beendet. Wir waren um 1 Uhr mit dem Überprüfen und Verstauen aller Gerätschaften und Materialien fertig, dann ging unser Dienst aber weiter. Höhenretter sind ja auch im normalen Feuerwehrdienst. Um 3 Uhr in der Nacht kam dann der nächste Einsatz: Das Feuer in einer Unterführung war aber schnell gelöscht. 

Nach dem Unfall vor drei Jahren haben die Kölner Verkehrs-Betriebe gesagt, es sei ausgeschlossen, dass so etwas noch einmal passiert…

Feyrer Dazu kann ich nichts sagen. Wenn wir kommen, ist es passiert. Warum es passiert ist, müssen andere beurteilen. 

 
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