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Passagiere in Köln aus Gondeln gerettet
Seilbahn wird vorerst nicht fahren

Höhenretter befreien Fahrgäste aus Seilbahn
Höhenretter befreien Fahrgäste aus Seilbahn FOTO: dpa, mku kno
Köln. Die Verantwortlichen der KVB konnten am Tag nach dem Notfall an der Kölner Seilbahn noch keine Ursache benennen. Bis der Fehler gefunden sei, solle die Seilbahn stillstehen. Es sei aber nicht so windig gewesen, dass der Betrieb hätte gestoppt werden müssen.  Von Claudia Hauser

65 Menschen – unter ihnen 20 Kinder und Jugendliche – hingen am Sonntagnachmittag stundenlang in den Gondeln der Kölner Rheinseilbahn fest. Einen Tag später sagt Jörn Schwarze, Vorstand der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB): "Das war kein schöner Tag. Ich war heilfroh, als alle wohlbehalten unten waren." Mit einigen Fahrgästen habe er bereits am Sonntag gesprochen. "Wir als Betreiber tragen die Verantwortung dafür, dass dieses Wochenende für diese Menschen so ganz anders abgelaufen ist als geplant. Wir möchten uns bei allen Gästen entschuldigen."

Serviceseil wickelte sich fest

Schwarze und Thomas Miebach, Geschäftsführer der Kölner Seilbahn, erklären am Montagnachmittag auf einer Pressekonferenz, warum die Gondel sich verhakt hat und der komplette Betrieb eingestellt werden musste. Um 15.23 Uhr verfing sich demnach ein Serviceseil, an dem normalerweise der Wartungs- und Montagewagen der Seilbahn geführt wird, oberhalb einer Kabine und wickelte sich fest.

Die komplette Kabine verklemmte sich dadurch an einem Pylon neben der Zoobrücke. In der schief hängenden Kabine saß ein Paar mit seinen beiden kleinen Kindern. Die Seilbahn schaltete daraufhin automatisch ab – 32 Kabinen schwebten über dem Rhein. Um 15.26 Uhr alarmierten die Betreiber die Feuerwehr.

Seilbahn-Notfall in Köln: Rettung aus luftiger Höhe

Ein Techniker der KVB versuchte zunächst, das eingeklemmte Seil zu lösen – ohne Erfolg. Gegen 16 Uhr trafen die ersten Höhenretter an der Zoobrücke ein und machten sich an die Arbeit. Sie kletterten an Seilen von Kabine zu Kabine, um zu schauen, ob jemand ärztliche Hilfe braucht. Von der Station aus ist es nicht möglich, per Funk mit den Fahrgästen zu sprechen - das soll möglicherweise künftig anders werden, wie Schwarze sagt. Die Familie in der schief hängenden Kabine wurde dann zuerst abgeseilt.

Über acht hohe Drehleitern, die teilweise aus dem Umland herangeschafft werden mussten, konnten die Einsatzkräfte acht Gondeln von der Brücke oder dem Ufer aus erreichen. Die Menschen in den anderen 24 Gondeln mussten von den Höhenrettern auf Boote auf dem Rhein abgeseilt werden. Um 20.10 Uhr waren alle 65 Fahrgäste gerettet und unverletzt. Auch die 150 Feuerwehrleute wurden bei dem Einsatz nicht verletzt.

Beschädigte Gondel an Seilbahn in Köln geborgen FOTO: Arton Krasniqi

Warum das Serviceseil etwa dreieinhalb Meter geschwungen ist und sich dann in der Gondel verfangen hat, müssen Experten nun klären. Es war am Sonntag jedenfalls nicht so windig, dass der Seilbahn-Betrieb vorsorglich eingestellt wurde. Erst ab einer Windgeschwindigkeit von 16 Metern pro Sekunde schließt die KVB die Seilbahn. Der Wind am Sonntag war mäßig, der Wert habe höchstens bei 15 Metern pro Sekunde gelegen, wie Schwarze sagt. Die Gefahr, das eine Kabine abstürzt, gebe es nicht, weil alles durch Seile gesichert sei.

Am späten Nachmittag müssen die Betreiber im Hauptausschuss der Stadt Stellung nehmen. Oberbürgermeisterin Henriette Reker hatte am Sonntag von einem "erneuten Versagen" der KVB gesprochen, da vor drei Jahren schon einmal eine Familie aus einer Gondel abgeseilt werden musste.  

Seilbahn-Geschäftsführer Miebach besteht darauf, dass die Seilbahn auch weiterhin "Kölns sicherstes Verkehrsmittel" sei  - damit wirbt die KVB im Netz. "Seit der Eröffnung 1957 war das erst der zweite Unfall", sagt er. Die Bahn werde jedes Jahr vom TÜV geprüft und sei in einem Top-Zustand.

Die KVB schalteten nach eigenen Angaben den TÜV Rheinland und einen externen Gutachter zur Ursachenforschung ein. Bevor es keine Klarheit gebe, werde die Seilbahn nicht wieder in Betrieb genommen, stellte Schwarze klar.  Wann die Seilbahn wieder öffnet, ist nicht abzusehen. 

(hsr)
 
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