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Köln
SEK-Skandal: Was wusste der Polizeichef?

SEK-Skandal Köln: Was wusste der Polizeichef?
Wurde der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers seiner Führungsaufgabe gerecht? FOTO: dpa, hka lre
Exklusiv | Köln. Zur Frage, ob der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers die Skandalserie bei den Spezialeinheiten (SE) seines Hauses übersteht, liegt ein entscheidendes neues Dokument vor. Von Thomas Reisener

In seiner noch unveröffentlichten Antwort auf eine Anfrage des CDU-Polizeiexperten im Landtag, Gregor Golland, listet NRW-Innenminister Jäger (SPD) präzise auf, wann Albers nach eigenen Angaben welchen Kenntnisstand hatte, und wie er jeweils reagierte. Wurde Albers seiner Führungsaufgabe gerecht?

Wie berichtet ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen 15 Kölner Polizeibeamte. Beim Aufnahmeritual eines Spezialeinsatzkommandos soll der Anwärter erniedrigt, dauerhaft gefesselt und wochenlang gemobbt worden sein. Zuvor wurde bekannt, dass es sich bei der angeblichen "Höhenübung" von SE-Führungskräften in Wahrheit um ein aufwändig inszeniertes Privatfoto auf einem Pfeiler der Kölner Severinsbrücke gehandelt hat. Albers und Jäger haben inzwischen disziplinarisch und organisatorisch auf die Vorgänge reagiert.

So arbeitet ein Spezialeinsatzkommando (SEK)

Gegenüber dem Innenministerium gab Albers zu Protokoll, von den privaten Umständen der angeblichen Höhenübung erst am 8. Juni dieses Jahres durch eine Medienanfrage erfahren zu haben. Die "Übung" selbst fand am 22. August 2014 statt.

Über die Misshandlungs- und Mobbingvorwürfe, zu denen Medien Mitte Juni einen Fragenkatalog an das Polizeipräsidium übermittelt hatten, will Albers in vollem Umfang zufällig genau einen Tag zuvor, also am 18. Juni 2015 informiert worden sein. Gleichwohl habe er am 11. Juni erstmals grob davon gehört. Intern hatte das Opfer sich aber schon am 27. Mai 2015 telefonisch gegenüber der zuständigen Stelle im Präsidium offenbart, wurde aber erst am 16. Juni dazu vernommen. Gleichwohl hielt die Leitung der Kölner Spezialeinheiten den Vorgang schon am 29. Mai für so gravierend, dass sie SEK-Aufnahmerituale offiziell verbot und am 2. Juni eine beamtenrechtliche und strafrechtliche Prüfung forderte.

SEK bis GSG9: Die deutschen Spezialeinheiten

Woraus sich drei Fragen ergeben: Hat Albers die Chronologie korrekt wiedergegeben? Wenn ja: Warum wurde er erst am 18. Juni vollständig über einen Vorgang informiert, den die Spezialeinheiten-Leitung spätestens am 2. Juni als gravierend eingestuft hat? Und schließlich: Hat Albers seinen Apparat im Griff?

Golland beantwortet die dritte Frage mit Blick auf die SPD-Mitgliedschaft von Albers so: "Die Parteimitgliedschaft ist bei der Ernennung von Polizeipräsidenten offenbar wichtiger als die Fähigkeit, eine Behörde im Griff zu haben."

Quelle: RP
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