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Kölner Gastronom verzweifelt
Shitstorm gegen Restaurant nach Tod einer Taube

Kölner Gastronom verzweifelt: Shitstorm gegen Restaurant nach Tod einer Taube
Tauben picken im Müll. (Symbolfoto) FOTO: Malz, Ekkehart
Köln. Ein Kölner Familienbetrieb ist das Ziel eines Shitstorms. Eine Taube soll von einer Mitarbeiterin des Restaurants mutwillig so schwer verletzt worden sein, dass sie kurze Zeit später starb. Hunderte Facebook-Nutzer posten wütende Kommentare und rufen sogar zum Boykott des Lokals auf. Die Gastronomen bestreiten den Vorfall.  Von Tanja Karrasch

Die Liste der Kommentare unter dem aktuellen Post der "Kölner Arbeitsgruppe gegen die Stadttaubenproblematik" ist lang: "Köln wird immer dreckiger, brutaler. Menschen die Tiere so behandeln .... pfui...R.I.P. kleine Taube", schreibt eine Frau. Einige fordern eine Anzeige, andere beschimpfen die Frau wüst. Viele machen ihrem Ärger Luft: "Meine Wut ist unbeschreiblich groß, ich könnte so weinen vor Wut...diese Ungerechtigkeit." Mehr als 350 Personen haben den Beitrag bereits geteilt. 

Auslöser für die Empörung ist ein Vorfall, der sich am Samstagabend in der Nähe des Barbarossaplatzes ereignet haben soll. Eine Mitarbeiterin des Restaurants "Garten Eden" soll mit einem Besen auf eine Taube eingeschlagen haben, weil diese im Eingangsbereich des Lokals umherflatterte. Passantinnen hätten eingegriffen, die Frau zur Rede gestellt, schreibt der Stadttauben-Verein. "Die Damen riefen uns an und warteten auf uns, um auf den kleinen Mann aufzupassen. Im Eiltempo konnten wir bereits nach 20 Minuten da sein, um eine apathische Taube einzusammeln", heißt es, die Mitarbeiterin sei zu dem Zeitpunkt schon wieder im Laden gewesen, der dann geschlossen hatte. "Der Kleine schaffte es nicht einmal mehr bis in unsere Pflegestelle", schreibt der Verein öffentlich auf Facebook. 

Gastronom bricht Urlaub ab

Als der Restaurant-Betreiber Jörg Naumann die ersten wütenden Nachrichten online liest, bricht er sofort seinen Urlaub ab. Noch am Sonntag nimmt er öffentlich Stellung, scheibt: "Liebe Tierfreunde, mit Erschrecken haben wir eure Mitteilung gelesen und sofort unsere Mitarbeiterin angerufen. Sie schwört bei Gott, dass sie der Taube kein Leid zugefügt hat." Naumann steht hinter seiner Mitarbeiterin, die er schon seit Jahren kennt und als sehr tierlieb beschreibt. "Ich würde meine Hand dafür ins Feuer legen, dass sie das nicht gemacht hat. Die Frau ist nervlich am Ende, es ist unfassbar, dass sie so beschuldigt wird", sagt er unserer Redaktion.  

Stattdessen habe sie lediglich versucht, die Taube zu verscheuchen, damit diese nicht mit den Lebensmittelkörben im Eingangsbereich in Berührung kam. "Sie hat dann mit dem Mopp draußen auf den Boden geschlagen - nicht auf die Taube - um zu bezwecken, dass die Taube wegfliegt." In diesem Moment seien wohl die Passanten vorbeigekommen, daraus habe sich eine falsche Nachricht entwickelt. "Es tut uns sehr leid, da wir alle im 'Garten Eden' Tiere sehr achten, lieben und schätzen!"

Aufruf zum Boykott

Die Facebook-Nutzer jedoch besänftigt das nicht. Mehrere rufen sogar zum Boykott des Kölner Restaurants auf. "Hoffentlich gehen die bald pleite", schreibt jemand. "Ein Drecksladen ist das. Und das werde ich jedem erzählen und ich kenne viele Leute in Köln", droht ein Nutzer. Gwendolin Wonneberger, die die Facebook-Seite der Stadttauben-Gruppe verwaltet, musste bereits eingreifen, weil einige Kommentatoren zur Gewalt gegen die "Garten Eden"-Mitarbeiterin aufriefen und ankündigten, das Lokal mit Dreck zu bewerfen. "Solche Kommentare haben wir gelöscht. Die Frau wurde angezeigt und diese juristische Antwort ist die einzig richtige Reaktion, nicht Hetze oder ein Shitstorm." 

Dieser dürfte vorerst aber nicht mehr zu stoppen sein. Für die Familie Naumann hat das weitreichende Konsequenzen. "Ob wir unter diesen Umständen in der nächsten Woche unseren normalen Betrieb weiterführen können, wissen wir noch nicht", sagt Jörg Naumann, den der Wirbel um die junge Taube auch persönlich sehr getroffen hat. "Sogar die Polizei war schon hier und hat gefragt, ob Drohungen ausgesprochen wurden."

Auch mehrere Tierliebhaber sehen die Vorgehensweise des Vereins kritisch: "Ich schätze ernsthaft jegliche Organisationen zum Schutz von Tieren, aber es ist absolut nicht in Ordnung, was Sie aufgrund von ungeprüften Zeugenaussagen und ohne vorherigen Kontakt mit dem Besitzer des Ladens mit Ihrem Post ins Rollen gebracht haben. Sie gefährden gerade Existenzen!", schreibt eine Nutzerin.

Taube auf Gnadenhof beerdigt

Wonneberger schließt aus, durch ihren Beitrag dem Restaurant dauerhaft geschadet zu haben. "Ich weiß, dass das Unternehmen einen guten Ruf hat und beliebt ist, da wird keine existenzgefährdende Rufschädigung stattfinden", sagt sie. Der Verein habe das Geschehen publik gemacht, um darauf aufmerksam zu machen, wie Tauben in der Stadt häufig behandelt werden. Eigentlich sei der "Garten Eden" sogar eher tierlieb, biete auch vegane und vegetarische Speisen an. Daher sei der Umgang mit der Taube durch die Mitarbeiterin jedoch besonders unverständlich.

Jörg Naumann und seine Frau gehen hingegen davon aus, dass die Todesursache eine ganz andere war:  "Wir - und auch Nachbarn haben uns dies im Nachhinein geschildert - haben die Taube schon am Mittag gesehen, wie sie hier herumlief. Sie sah ganz angeschlagen und krank aus." Der Gastronom sagt: "Das einzige, was ich mir im Nachhinein vorwerfen könnte, ist nicht da schon die Feuerwehr oder einen Tierarzt angerufen zu haben."

Naumann sieht nur eine Möglichkeit, um den Vorfall nun noch aufzuklären: "Wir haben eine Obduktion der Taube vorgeschlagen, damit man erfährt, dass sie nicht durch das Fremdeinwirken unserer Mitarbeiterin zu Tode gekommen ist." Gwendolin Wonneberger hat die Taube bereits auf dem Gnadenhof für Stadttauben im Kölner Süden beerdigt. Ob eine Obduktion trotzdem noch möglich ist? "Das können wir gerne machen. Wir können das Tier ausgraben, aber wir werden die Kosten dafür nicht tragen", sagt die 29-Jährige.

(tak)
 
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