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Prozess um Vergewaltigung in Köln
"Sie saß da und machte sich den Gürtel zu"

Prozess um Vergewaltigung in Köln: "Sie saß da und machte sich den Gürtel zu"
Der 22-jährige Angeklagte bei Prozessauftakt mit Rechtsanwalt Christian Österreicher. FOTO: Claudia Hauser
Köln. Die Beweisaufnahme um eine Vergewaltigung am Kölner Hansaring ist nicht einfach, da die Angeklagten schweigen. Nun sagte eine Zeugin aus, die das 25-jährige Opfer entdeckt hatte.  Von Claudia Hauser, Köln

Maria P. (alle Namen geändert) war früh morgens mit ihrem Hund spazieren, als sie am 3. September 2016 eine junge Frau im Kölner Hansapark an einer Mauer sitzen sah. "Sie saß da und machte sich den Gürtel zu, ich bin weitergegangen, habe sie dann aber leise weinen gehört", sagt die 62-Jährige am Donnerstag im Kölner Landgericht. Sie sei zu ihr gegangen, habe gefragt, ob etwas passiert sei. "Sie können mir nicht helfen, mir glaubt sowieso keiner", habe das Mädchen gesagt. "Sie war durcheinander, ihre Schuhe waren ausgezogen, ihre Haare voller Laub", sagt die Zeugin im Vergewaltigungs-Prozess vor der 20. Großen Strafkammer.

Angeklagt sind Yusuf I. und Tarek G., 20 und 22 Jahre alt. Sie sollen die Frau, die die Zeugin an der Mauer fand, kurz vorher vergewaltigt und beraubt haben. Seit Prozessbeginn Anfang April schweigen sie. Bei ersten Vernehmungen hatten sie der Polizei gesagt, der Sex mit der 25-Jährigen sei einvernehmlich gewesen. Dem 20-jährigen Angeklagten wirft die Staatsanwaltschaft eine zweite Vergewaltigung drei Wochen nach der ersten Tat vor.

Der zweite Angeklagte (20) mit seiner Verteidigerin Özden Aldimaz. FOTO: Hauser

Die Zeugin Maria P. kann nur schwer beschreiben, welchen Eindruck die junge Frau auf sie gemacht hat. "Die ganze Situation war sehr merkwürdig", sagt sie. "Ich bin überhaupt nicht schlau daraus geworden, was passiert sein soll." Das Mädchen habe auf ihre Fragen, ob sie beraubt oder vergewaltigt worden sei, nur ausweichend oder gar nicht reagiert. Die junge Frau habe kurz darauf bemerkt, dass ihr Handy weg war. Die Täter sollen ihr nach der Vergewaltigung das Mobiltelefon, ihr Bahnticket und 30 Euro abgenommen haben.

Bevor sie die Frau entdeckte, hat Maria P. zwei junge Männer im Park gesehen, die "seelenruhig da lang gelaufen sind", sagt sie. Einer habe sich darüber beschwert, dass seine weiße Hose schmutzig sei. "Erst hinterher hab ich gedacht, dass das alles im Zusammenhang stehen könnte." Einer der Männer habe lange lockige Haare gehabt - so wie Tarek G. Dass sie im Park waren, bestreiten die Angeklagten bislang nicht - zumindest haben sie das in der polizeilichen Vernehmung nicht getan. 

Eine Dreiviertelstunde habe sie mit der jungen Frau auf der Mauer gesessen, sagt die Zeugin. "Ich habe ihre Hand gehalten, wir haben länger gar nicht gesprochen". Sie habe sie dann zur Bahnhaltestelle gebracht.

Die Polizei konnte einen der Angeklagten später anhand von DNA-Spuren identifizieren, der zweite wurde ein paar Wochen später festgenommen. 

Die 25-Jährige hat im Prozess bereits ausgesagt, allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ein Urteil wird für den 30. Mai erwartet.