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Hunderte Nordafrikaner kontrolliert
Kölner Polizei zieht nach Silvesternacht verhalten positive Bilanz

Polizei-Großeinsatz zu Silvester 2016 in Köln
Polizei-Großeinsatz zu Silvester 2016 in Köln FOTO: Arton Krasniqi
Köln. Köln ist mit einem massiven Polizeiaufgebot ins neue Jahr gestartet. Tausende Sicherheitskräfte waren im Einsatz, im Hauptbahnhof führte die Polizei umfangreiche Kontrollen durch. 

Ein Jahr nach den massiven sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht hat Köln unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen ins neue Jahr gefeiert. "Die umfangreiche Vorbereitung war richtig und notwendig", sagte Polizeipräsident Jürgen Mathies am frühen Sonntagmorgen. Allein in der Kölner Innenstadt waren rund 1500 Beamte eingesetzt, die vermehrt Personalien kontrollierten. Eine erste Zwischenbilanz von Polizei und Stadt in der Nacht fiel verhalten positiv aus.

Am Hauptbahnhof setzten Polizisten mehrere hundert verdächtige Männer fest, vornehmlich nordafrikanischer Herkunft. Die Männer wurden beim Verlassen des Bahnhofsgebäudes durch einen speziellen Ausgang geleitet, um ihre Personalien festzustellen. Auch beim Betreten des Bahnhofs gab es Kontrollen. 

Fotos: So feierte Köln Silvester 2016 FOTO: dpa, hka lof

Die Polizei kreiste zudem eine Gruppe verdächtiger Personen ein und kontrollierte sie. Die rund 150 Männer ähnelten äußerlich "der Klientel vom vergangenen Jahr" und wüssten offenbar noch nicht genau, wo sie hinwollten, sagte ein Polizeisprecher. Die Polizei habe Platzverweise erteilt und Gefährdeansprachen gehalten, wer sich nicht ausweisen konnte, sei vorläufig in Gewahrsam genommen worden. Außerdem seien knapp 300 Personen am Deutzer Bahnhof aus einem Zug geholt und überprüft worden.

"Sie werden von uns befragt, und wir werden ihre Identität feststellen. Es wird keiner zu früh gehen", sagte Mathies. Er habe kurzfristig zwei zusätzliche Hundertschaften zur Verstärkung angefordert.

In der zurückliegenden Silvesternacht war es zu massenhaften sexuellen Übergriffen und chaotischen Zuständen am Kölner Hauptbahnhof gekommen. Unter den Beschuldigten waren viele Flüchtlinge - Köln geriet weltweit in die Schlagzeilen. Polizei und Stadt wollten Ähnliches in diesem Jahr unbedingt verhindern.

Am frühen Neujahrsmorgen 2017 berichtete die Polizei von zwei gemeldeten Sexualstraftaten, bei denen Frauen angefasst und begrapscht worden seien. Ein Verdächtiger sei festgenommen worden, in dem anderen Fall seien die drei Täter noch flüchtig.

Chor singt mit jungen Flüchtlingen​

Lichtinstallation am Silvesterabend am Kölner Dom FOTO: dpa, obe ole

Auf der Kölner Domplatte inszenierte der Berliner Lichtkünstler Philipp Geist am frühen Abend eine Multimedia-Show. Dabei wurden Wörter auf den Boden und an Häuser projiziert, die die Kölner in den Tagen zuvor vorgeschlagen hatten - etwa "Anstand" und "Erinnerung". Der Boden unter den Füßen driftete langsam weg, so die Illusion. Aus Lautsprechern tönten sphärische Klänge. Dazu sang der Chor "Grenzenlos" mit jungen Flüchtlingen und "Höhner"-Frontmann Henning Krautmacher. 

Wer auf die Domplatte wollte, musste sich allerdings Einlasskontrollen unterziehen. Rund um die Kathedrale wurde eine Zone eingerichtet, in der Feuerwerk verboten ist. Neu installierte hochauflösende Videokameras übertrugen Bilder vom Vorplatz des Hauptbahnhofs live ins Polizeipräsidium. Zudem gab es mehrere Straßensperren. Nach dem Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt wurden unter anderem Betonklötze aufgestellt, um zu verhindern dass Lastwagen in Menschenmengen fahren können.

Kölner Kardinal predigt gegen Hass und Gewalt

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki prangerte bei seiner Predigt am Silvesterabend im Kölner Dom Gewalt und Hass an. Gleichzeitig rief er zu Gemeinschaftssinn und Mitmenschlichkeit auf. In Erinnerung an die Vorkommnisse in Köln an Silvester vor einem Jahr sprach er laut vorab verbreitetem Redetext von einer Gefährdung der westlichen Art zu leben. Hunderte Frauen seien in der Nacht einer Bedrohung ausgesetzt gewesen, "die so und in dem Ausmaß bislang nicht vorstellbar war".

Vieles habe sich seither verändert. "Das Bewusstsein, wie verletzlich die Würde des Menschen, sein Leib und das Leben sind, das Bewusstsein, wie gewalttätig Sexismus ist und wie gefährdet Frauen mitten unter uns sind, ist auf erschreckende Weise geschärft", sagte Woelki.

Es gelte, einer wachsenden Polarisierung in der Gesellschaft entgegenzuwirken, sagte der Kardinal. Mit Blick auf die Silvesternacht 2015 sei es wichtig, an das Gemeinsame zu appellieren.

Woelki forderte auch Mitmenschlichkeit und vermehrte Hinwendung zu Flüchtlingen in Deutschland. Das Recht zu überleben, hätten alle Menschen, so Woelki - "auch wenn ihnen nichts gehört, kein Land, kein Haus, keine Papiere, keine Bodenschätze, keine Herkunft".

(rls/jco/seda/dpa/KNA)
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