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Silvester-Übergriffe in Köln
Diese Lügen kursieren im Netz

Silvester-Übergriffe in Köln: Diese Lügen kursieren im Netz
Eine solche Verschwiegenheitsvereinbarung hat es nie gegeben. FOTO: Twitter Screenshot/@jdmorgan32
Köln. Eine vermeintliche Verschwiegenheitsvereinbarung und offenbar eindeutige Beweisvideos von der Silvesternacht in Köln werden im Netz tausendfach geteilt. Ob das Material echt ist, scheint dabei kaum einen zu interessieren. Einige Beispiele. Von Vassili Golod

Die Debatte nach Köln verläuft hitzig. Gerade weil die Ereignisse der Silvesternacht nicht restlos aufgeklärt sind, vermischen sich immer wieder Fakten mit Vermutungen und Gerüchten. Insbesondere in sozialen Netzwerken tauchen seit einigen Tagen auch Meldungen auf, die entweder gefälscht oder sinnentstellend aus dem Zusammenhang gerissen sind.

Schon während der Flüchtlingsdebatte hatten Fälschungen im Netz Nutzer gegen Asylbewerber und Muslime aufgehetzt. In der emotional aufgeheizten Diskussion nach Köln schwappt nun die nächste Welle an Lügen durch die sozialen Netzwerke.

In der Facebook-Gruppe "Nett-Werk Düsseldorf" wurde zum Beispiel dieses Video geteilt, mittlerweile aber wieder entfernt.

+++++++BITTE ANSEHEN UND TEILEN!!++++++++Aktuelles Video der Übergriffe in Köln vom 01.01.2016, dass die Presse uns...

Posted by Natalie Freund on  Donnerstag, 7. Januar 2016

Zu sehen ist eine junge Frau, die von mehreren Männern körperlich belästigt wird. "Aktuelles Video der Übergriffe in Köln vom 01.01.2016, dass die Presse uns vorenthalten will! Klar zu erkennen, wie ein Mob aus Asylschmarozern hilflose Mädchen bedrängt und begrapscht! Langsam geht das alles echt zu weit, Köln ist erst der Anfang! ", schreibt die Frau, die dieses Video hochgeladen hat.

Dieser Beitrag wurde bei Facebook mehrere tausend Mal geteilt. Mit den Ereignissen in Köln hat das Videomaterial allerdings überhaupt nichts zu tun. Es handelt sich um Aufnahmen vom Tahrir-Platz in Kairo - vom 30. Juni 2013. 

Update: Mittlerweile hat die Hacker-Gruppe "Linke Bazillen" hat das Profil geknackt und auf den Fehler hingewiesen:

Hört auf dieses Video zu verbreiten, es stammt NICHT aus der Silvesternacht in Köln!Dieses Video entstand vor Jahren in...

Posted by Natalie Freund on  Donnerstag, 7. Januar 2016

Verschwiegenheitsvereinbarung sorgt für Furore

Auch dieses Foto wird in den sozialen Netzwerken als vermeintliches Beweisbild für die Ereignisse in Köln missbraucht. 

Dieses Bild stammt allerdings aus dem Bilderdienst "Getty.Images" und wurde am 1. September in Budapest aufgenommen. Leider ist ein solcher Missbrauch von Bildmaterial keine Ausnahme.

Für Furore sorgte auch eine sogenannte "Verschwiegenheitsvereinbarung". Diese sollten angeblich Opfer der Kölner Silvesternacht unterschreiben und sich darin verpflichten, Stillschweigen über die Ereignisse zu vereinbaren. Es handelte sich allerdings um einen Fake. Dennoch wird das gefälschte Dokument munter verbreitet.

Mittlerweile ist klar, woher die Fälschung stammt: Verbreitet hatte die Vereinbarung zunächst die Schriftstellerin Katja Schneidt über ihre Facebook-Seite, die über 18.000 Nutzer abonniert haben. Mittlerweile hat Schneidt den Eintrag gelöscht und über die Fälschung aufgeklärt. Sie schreibt von einem "abgekarteten Spiel eines jungen Mannes", der ihr die Vereinbarung zugeschickt habe.

Auf dem Blog "Ruhrbarone" erklärte ein "Georg Odergut", dahinter zu stecken. Er habe Schneidt die Fälschung zukommen lassen, um ihr eine "Lektion" zu erteilen. Das Thema sei zu sensibel, um die Menschen mit unbestätigten Gerüchten zu verunsichern - wie es Schneidt mit der ungeprüften Veröffentlichung der Erklärung getan habe. Er habe die Debatte um die Geschehnisse in Köln versachlichen wollen. Wer hinter "Georg Odergut" steckt, war zunächst unklar. Unter dem Namen schreibt auf Facebook ein "Bundesminister für Wahrheit".

Eigentlich haben Lügen kurze Beine - im Netz ist das oft anders. Die Fakes verbreiten sich wie ein Lauffeuer und setzen sich in den Köpfen vieler Menschen fest. Die einzige Antwort darauf kann nur guter, transparenter Qualitätsjournalismus sein. Das gilt umso mehr, seitdem durch Köln die Zweifel an den Medien gewachsen sind. 

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