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Rätselhafte Tat
Staatsschutz ermittelt nach Buttersäure-Attacke auf Kölner Café

Rätselhafte Tat: Staatsschutz ermittelt nach Buttersäure-Attacke auf Kölner Café
Das Riphahn-Café am Apostelnkloster FOTO: Thomas Tump
Köln. In der Kölner Innenstadt haben Unbekannte Buttersäure vor einem Café verteilt - offenbar ganz gezielt. Der Inhaber kann sich den Angriff nicht erklären und muss das Café nun aufwändig reinigen lassen. 

Uwe Hammes-Tump dachte zuerst an ein Problem mit der Kanalisation, als er am Dienstagmorgen sein "Riphahn-Café" am Apostelnkloster in der Kölner Innenstadt aufschließen wollte. "Es stank fürchterlich, schon auf dem Weg vom Neumarkt zum Rudolfplatz", sagt der 62-Jährige. Er rief die Stadt an, doch da war nichts bekannt. Seine Köche, die schon da waren, sagten ihm, es rieche im Restaurant derart nach Erbrochenem, ob ein Gast am Montagabend ein Problem gehabt habe. Aber auch das war nicht der Grund für den beißenden Gestank.

Jemand hatte in der Nacht Buttersäure auf der Schwelle zum Café und auf der Terrasse verteilt. Der Kölner Stadt-Anzeiger hatte zuerst über den Fall berichtet. Ohne es zu ahnen, haben die Köche und der Café-Besitzer die farblose Flüssigkeit dann überall mit ihren Schuhen verteilt. Seitdem Hammes-Tump das weiß, treibt ihn nur noch eine Frage um: "Wer macht so etwas?"

Wer will ihm schaden?

Der Gastronom hat mehrere Vermutungen, was die Gründe für eine solche Tat sein könnten: Möglicherweise handelt es sich um einen Täter, der etwas gegen Homosexuelle hat – Hammes-Tump und sein Partner führen das Café seit 2012 gemeinsam, sind politisch engagiert, setzen sich unter anderem für Flüchtlinge und die Rechte Homosexueller ein. Früher hatten sie ein Café in der Kölner Südstadt, dann ein Restaurant in Ehrenfeld. Im Fenster des Riphahn-Cafés hängen "Free Deniz"-Schilder - sollte vielleicht das jemanden provoziert haben?

All diese Dinge gehen Hammes-Tump durch den Kopf, wenn er überlegt, wer ihm schaden wollte. Dass es ein Dummer-Jungen-Streich gewesen sein könnte, glaubt er nicht. "Da hat sich jemand richtig viel Mühe gemacht, die Buttersäure ganz gezielt zu verteilen", sagt er. Der Staatsschutz ermittelt, ein Sprecher der Kölner Polizei sagt: "Möglicherweise war es eine politisch motivierte Tat."

Am Donnerstag wartete der Café-Besitzer auf eine Reinigungsfirma aus Rheinland-Pfalz, die den Parkettboden mit einer speziellen chemischen Mischung reinigen soll, seine Gäste musste er wegschicken. "Die Spezialisten der Reinigungsfirma können offenbar die Moleküle auch aus der Luft filtern, wir hoffen sehr, dass das klappt."

Rund 4000 Euro soll die Spezialreinigung kosten, Hammes-Tump muss danach außerdem wahrscheinlich das Parkett abschleifen und neu versiegeln lassen. Dann müsste das Café noch einmal mehrere Tage schließen. Die Versicherung will den Schaden nicht übernehmen, sie haftet bei Fällen von Vandalismus nicht, sagt Hammes-Tump.

Trotzdem sagt er: "Wir werden auf keinen Fall zurückschrecken." 

(hsr)
 
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