| 16.42 Uhr

Silvesternacht
"Super Recognizer" von Scotland Yard helfen in Köln

Angriffe auf Ausländer in Köln
Angriffe auf Ausländer in Köln FOTO: dpa, mjh hpl
Köln. Für die Auswertung der Videoaufnahmen aus der Kölner Silvesternacht holt sich die Einsatzgruppe "Neujahr" internationale Verstärkung: die Londoner Polizei Scotland Yard mit ihren "Super Recognizern".

"Die Kollegen aus England haben langjährige Erfahrung und eine verfeinerte Technik bei der Auswertung von Videomaterial", sagte ein Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft am Freitag und bestätigte einen Bericht des "Express". Es gehe um Bilder aus Überwachungskameras auf dem Bahnhofsvorplatz und um Handy-Videos.

Durch die Kooperation sollen auch "Super Recognizer" eingesetzt werden. Die besondere Fähigkeit dieser Spezialisten liege im Merken und Wiedererkennen von Gesichtern. Sie seien in der Lage, sich das Bild einer Person intensiv einzuprägen. Das im Gedächtnis "abgespeicherte" Gesicht würden sie mit Videoaufzeichnungen von größeren Menschenmengen so abgleichen können, dass sie die Person wiedererkennen. Diese kognitive Begabung sei sehr selten, wissenschaftlichen Studien zufolge besäßen diese nur ein Prozent aller Menschen, berichtet die Kölner Polizei. Die Befähigung der "Super Recognizer" gehe deutlich über das hinaus, was automatisierte Gesichtserkennungsprogramme, die nur bei Aufnahmen hoher Qualität erfolgversprechend sind, leisten könnten.

Scotland Yard und die Metropolitan Police London sollen bereits viel Erfahrung mit dem Einsatz der "Super Recognizer" in Großlagen haben, teilt die Polizei mit. Am vergangenen Montag sei es zu einem ersten Treffen im Kölner Polizeipräsidium gekommen sein. Seitdem seien zwei der britischen Spezialisten gemeinsam mit drei Ermittlern der Kölner Polizei, die vergleichbare Fähigkeiten besitzen, im Einsatz. Nach der Silvesternacht hatte Scotland Yard den Kölner Kollegen konkrete Hilfen angeboten. 

In der Silvesternacht sollen Gruppen von Männern vor allem nordafrikanischer Herkunft Frauen umzingelt, bestohlen und sexuell bedrängt haben. Die Zahl der Strafanzeigen sei inzwischen auf 883 gestiegen, sagte der Sprecher. 414 der Anzeigen beziehen sich demnach auf Sexualdelikte, darunter auch Vergewaltigungen.

In den anderen Fällen handele es sich vorwiegend um Eigentumsdelikte. Fast 1000 Opfer (993) hätten sich bislang gemeldet. Von 26 Beschuldigten säßen mittlerweile neun in Untersuchungshaft. Zuletzt wurde ein 22-jähriger Algerier in einer Asylbewerberunterkunft in Bocholt wegen Raubes festgenommen.

(dpa)
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