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Unglück an Rosenmontag
Pferde gehen im Kölner Zug durch - fünf Menschen verletzt

Unfall mit Pferden beim Rosenmontagszug in Köln
Unfall mit Pferden beim Rosenmontagszug in Köln FOTO: dpa, mg soe cul
Köln. Mehrere Pferde an einer Kutsche sind während des Rosenmontagszugs in Köln durchgegangen. Fünf Menschen wurden verletzt, vier von ihnen schwer. Möglicherweise hat ein Flaschenwurf die Pferde erschreckt.  

Wie der Einsatzleiter der Kölner Feuerwehr mitteilte, sind gegen 14.20 Uhr zwei Pferde am Appellhofplatz mit einer Kutsche durchgegangen und gegen einen Tribünenwagen gelaufen - vier Menschen wurden dabei schwer verletzt, unter ihnen ist auch der Kutscher (36). "Es sind hauptsächlich chirurgische Verletzungen." Wie die Polizei später sagte, wurde neben dem Kutscher und drei Karnevalisten der dazugehörigen Fußgruppe auch noch jemand verletzt, der am Zugrand stand. 

Zum Unfallhergang konnte der Einsatzleiter noch nichts sagen. Die Polizei prüft, ob ein Flaschenwurf die Tiere in Panik versetzt haben könnte. 

Rettungswagen nahe der Unfallstelle am Rosenmontagszug in Köln. FOTO: Claudia Hauser

Der Sanitätsdienst richtete eine Betreuungsstelle für diejenigen ein, die den Unfall beobachtet haben. Der Zug wurde bis 15.05 Uhr unterbrochen, lief dann aber ganz normal weiter. "Das hat das Kölner Festkomitee entschieden", sagt der Einsatzleiter. Der Unfall geschah in der Neven-Du-Mont-Straße. Die Pferde wurden nach Angaben der Polizei nicht verletzt, vor Ort aber von Tierärzten versorgt und dann abtransportiert. Die Polizei stellte die Kutsche sicher. 

"Das muss man abwägen"

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Die Sprecherin des Festkomitee Kölner Karneval, Tanja Holthaus, sagte am Nachmittag: "Wir haben die Bedingungen für die Pferde im Zug in diesem Jahr verschärft und sind davon ausgegangen, dass alle Reiter und Tiere gut vorbereitet sind." Man müsse abwarten, was die Ermittlungen der Polizei ergeben. Nachdem die Unfallstelle geräumt, alle Verletzten in Krankenhäuser gebracht und die Pferde versorgt worden waren, habe das Festkomitee beschlossen, den Zug nicht abzubrechen. "Das muss man abwägen, aber man muss sehen, wieviele Menschen an so einer Veranstaltung beteiligt sind", sagte Holthaus. 

Es handelt sich ersten Informationen nach um Pferde einer Kutsche der Treuen Husaren. Drei der Verletzten hätten offenbar in der Kutsche gesessen. Ein Paar, das direkt daneben stand, sagte: "Die Pferde sind in die erste Reihe ausgebrochen, wo lauter Kinder standen. Die sind alle schreiend nach hinten gerannt." Die Verletzten hätten dann auf der Straße gelegen, bis Sanitäter kamen. Ein Mitglied der Tanzgruppe "Hellige Knäächte un Mägde" sagte nach dem Unfall: "Das war sicher das letzte Mal, dass Pferde im Kölner Zug mitgehen." 

Tierschützer fordern erneut ein Verbot

Oberbürgermeisterin Reker bedauert den Vorfall und wünscht den Verletzten eine schnelle Genesung: "Es ist tragisch, wenn so etwas passiert", sagt sie. "Ich wünsche den Verletzten alles Gute und eine schnelle Genesung. Ich weiß, dass sowohl das Festkomitee als auch unsere Veterinäre gerade in diesem Jahr die Anforderungen an Reiter, Kutscher und Pferde noch einmal deutlich erhöht hatten."

Der Einsatz von Pferden bei den Rosenmontagszügen ist stark umstritten. Es gab bereits mehrere Unfälle in der Vergangenheit. Das Festkomitee Kölner Karneval hatte erst kürzlich die Richtlinien verschärft

Der Tierschutzverein PETA forderte nach dem Unglück erneut ein Pferdeverbot bei Karnevalsumzügen in Deutschland. "Müssen erst Menschen sterben, bevor die Verantwortlichen reagieren?", fragte Peter Höffken, PETA-Fachreferent für Tiere in der Unterhaltungsbranche. "Der Einsatz von Pferden bei solchen Veranstaltungen ist unverantwortlich."

Bereits während des Zuges äußerte sich NRW-Innenminister Herbert Reul zum Unfall: "Es geht darum, die Ursache für den Unfall zu klären", zitiert der Kölner Stadt-Anzeiger den CDU-Politiker. Reul sprach sich demnach aber gegen ein Verbot von Pferden beim Rosenmontagszug aus. "Ein Zug ohne Pferde ist Mist", sagte er, das könne er sich nicht vorstellen. Entscheidend sei die richtige Vorbereitung. Und: "Vielleicht ist auch die Musik am Zugweg zu laut."

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(hsr/dpa)
 
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