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Update zu den Ermittlungen
Übergriffe in Köln - das ist der aktuelle Stand

Update zu Köln: Der aktuelle Stand zu den Übergriffen an Silvester
Polizei am Kölner Hauptbahnhof. FOTO: dpa, mjh gfh
Köln. Gerüchte und voreilige Schlüsse machen die Nachrichtenlage zu den Ereignissen am Kölner Hauptbahnhof unübersichtlich. Wir fassen die aktuell gesicherten Erkenntnisse zusammen und aktualisieren diese fortlaufend.

Das ist passiert: Am Silvesterabend versammelten sich nach Polizeiangaben etwa 1000 Männer auf dem Bahnhofsvorplatz. Viele waren betrunken und völlig enthemmt. Feuerwerkskörper wurden in die Menge gefeuert, die Stimmung war aggressiv. Die Polizei räumte den Platz gegen 23.30 Uhr vorübergehend. Es bildeten sich Gruppen von Männern, die Frauen umzingelten, sexuell belästigten und ausraubten. Den offiziellen Mitteilungen der Polizei, erst später vom Ausmaß der Lage erfahren zu haben, widerspricht zumindest in Teilen ein interner Polizeibericht, der mehreren Medien vorliegen soll.

Das sind die Verdächtigen: Zunächst erklärte die Polizei, nach Aussagen von Zeugen, Opfern und Polizeibeamten sollen die Männer "dem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum" stammen und zwischen 15 und 35 Jahren alt gewesen sein. Es gebe keine Hinweise darauf, dass es sich bei den Tätern um Flüchtlinge handeln könnte, betonte unter anderem Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Dem widersprechen der interne Polizeibericht und auch die Aussagen mehrerer Polizisten. Demnach wurden bereits in der Silvesternacht zahlreiche Personalien aufgenommen, darunter auch die von Flüchtlingen.

So viel Polizei war vor Ort: Die Bundespolizei, die für den Bahnhof zuständig ist, war nach Angaben von Wolfgang Wurm, Präsident der Bundespolizeidirektion Sankt Augustin, mit 70 Kräften vor Ort. Die Kölner Polizei hatte im Bereich Hauptbahnhof und Dom rund 140 Beamte im Einsatz. Einige davon wurden aus anderen Teilen der Innenstadt zum Bahnhof geschickt, als dort die Lage eskalierte. 

Die Landespolizei hat den Einsatzverantwortlichen der Kölner Silvesternacht nach eigener Darstellung weitere Verstärkung angeboten. Dies sei aber in Köln abgelehnt worden, sagte ein Sprecher des Landesamtes für Zentrale Polizeiliche Dienste NRW (LZPD). Er bestätigte damit Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, hatte dem Fernsehsender "Phoenix" gesagt, der Kölner Polizei seien vom Land NRW Einsatzkräfte für den Einsatz in der Silvesternacht am Hauptbahnhof verweigert worden. Es habe die Anforderung aus Köln für 100 zusätzliche Kräfte gegeben - 30 seien dann zusätzlich gestellt worden, sagte der GdP-Chef.

So viele Anzeigen gibt es: Bis Freitag gingen bei der Polizei mehr als 170 Anzeigen ein, davon 117, die einen sexuellen Hintergrund haben. Nach den Vernehmungen der Opfer habe sich ein klareres Bild der Taten ergeben, sagte eine Polizeisprecherin. Viele Frauen gaben in den Gesprächen - zum Teil auf Nachfrage der Beamten - an, dass sie auch angefasst worden seien. In zwei Fällen geht es Polizeipräsident Wolfgang Albers zufolge um den Vorwurf der Vergewaltigung.

Verdächtige wieder auf freiem Fuss: Zwei am Freitag festgenommene mutmaßliche Trickdiebe wurden nach wenigen Stunden wieder auf freien Fuß gesetzt. Der Tatverdacht gegen die beiden 16 und 23 Jahre alten Männer habe sich nicht erhärtet, sagte der Staatsanwalt. Bei den Männern aus Marokko und Tunesien sollen nach Polizeiangaben Handys sicher gestellt worden sein. Nach Angaben von WDR und "Kölner Stadt-Anzeiger" zeigen die Videos Ausschreitungen und Übergriffe auf Frauen. Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt derweil auch in Richtung organisierte Kriminalität. Die Polizei hat inzwischen 21 Verdächtige ausfindig gemacht, die meisten davon seien bislang nicht namentlich bekannt, aber auf Bild- oder Videoaufnahmen klar erkennbar. 

Das soll sich in Köln ändern: Die Polizei werde ihre Präsenz erhöhen, kündigte sie an. Man wolle sowohl uniformierte als auch zivile Kräfte einsetzen und mobile Videoanlagen einrichten. Bei Großveranstaltungen sollen außerdem bestimmte Plätze besser ausgeleuchtet werden, sagte Oberbürgermeisterin Reker. Außerdem stockt die Kölner Polizei ihre Ermittlungsgruppe zu den sexuellen Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht auf. 

(lukra / dpa)
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