| 12.08 Uhr

Prozessauftakt in Köln
Vergewaltigt, beraubt und verletzt zurückgelassen

Prozessauftakt in Köln: Vergewaltigt, beraubt und verletzt zurückgelassen
Der 22-jährige Angeklagte mit seinem Verteidiger Christian Österreicher. FOTO: Claudia Hauser
Zwei 20 und 22 Jahre alte Männer müssen sich wegen Vergewaltigung vor dem Kölner Landgericht verantworten. Dem Jüngeren wirft die Anklage sogar eine zweite Sexualstraftat vor.  Von Claudia Hauser, Köln

Yusuf I. und Tarek G. (alle Namen geändert) halten sich zum Schutz vor den Fotografen je ein Blatt Papier vor die Gesichter, als sie am Dienstagmorgen von Justizbeamten in Saal 112 des Kölner Landgerichts geführt werden. Die Angeklagten sind jung, 20 und 22 Jahre alt, stammen aus gutbürgerlichen Familien.

Was die Staatsanwaltschaft ihnen vorwirft klingt verroht, brutal, skrupellos: Am frühen Morgen des 3. September 2016 sollen sie die 25-jährige Laura F. am Kölner Hansaring in ein Gespräch verwickelt haben. Die junge Frau hatte in einem der Clubs auf den Ringen gefeiert, wollte mit der S-Bahn nach Hause fahren. Die beiden Männer drängten sie in der Nähe der Haltestelle "Hansaring" in einen kleinen Park. Laura F. wehrte sich laut Anklage mit Tritten und Schlägen, doch sie hatte keine Chance gegen die Männer. Sie sollen ihre Arme auf dem Boden fixiert und ihr die Kleidung vom Leib gerissen haben, Tarek G. soll sie dann vergewaltigt haben. Yusuf I. wollte sie gleichzeitig zum Oralsex zwingen. Bevor sie die verletzte Frau zurück ließen, nahmen sie ihr laut Anklage noch das Mobiltelefon, ihr Bahnticket und das Geld ab, 30 Euro hatte sie dabei.

Der zweite Angeklagte (20) und Rechtsanwältin Özden Aldimaz. FOTO: Hauser

Eine ältere Frau entdeckte das Opfer, das um 6.15 Uhr immer noch an der Mauer kauerte, vor der die Tat geschah. Sieben Wochen später nahmen Fahnder zunächst Tarek G. fest, seit dem 15. November sitzt auch Yusuf I. in Haft. Wie zu erfahren war, sollen die beiden bei ihrer Vernehmung behauptet haben, Laura F. habe den Sex gewollt, alles sei einvernehmlich abgelaufen.

Unauffällige Lebensläufe

Am ersten Prozesstag schweigen sie zu den schweren Vorwürfen, lassen sich nur zu ihren Lebensläufen ein. Yusuf I., dem Jüngeren der beiden, wird eine zweite Vergewaltigung vorgeworfen. Drei Wochen nach der ersten Tat soll er am Kaiser-Wilhelm-Ring gegen 4 Uhr früh eine Bekannte zuerst gegen eine Hauswand, dann gegen ein Auto gedrückt haben. Auf einer Bank sollen sie sich vorher geküsst haben – damit soll sie einverstanden gewesen sein. Als Yusuf I. zudringlich wurde, soll sie ihn angeschrien haben: "Lass das!" Doch der 20-Jährige vergewaltigte sie und filmte die Tat laut Anklage mit seinem Mobiltelefon. Er soll das Video danach gelöscht haben, weil das Opfer ihn darum bat.

Das Leben der Angeklagten scheint bisher relativ normal verlaufen zu sein. Tarek G. hat vier Geschwister, der Vater war lange bei Ford, bevor er in Rente ging. Der 22-Jährige hatte schon eine fünfjährige Beziehung mit einer Frau. "Zu Hause war es eigentlich ganz gut", sagt er. Vor seiner Festnahme hat er eine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker gemacht. "Sein Chef sagt, er kann wiederkommen, wenn das hier vorbei ist", lässt sein Verteidiger die Vorsitzende Richterin wissen.  

Yusuf I. hat als Maschinenführer gearbeitet, abends ging er zur Schule, um seinen Realschulabschluss zu machen. Er bezeichnet sich als "streng gläubig". "Wenn ich es schaffe, bete ich fünfmal am Tag", sagt er. Seine beiden Geschwister und er lebten vor seiner Festnahme noch bei den Eltern. Als die Vorsitzende ihn nach seiner Kindheit fragt, sagt er: "Ich hatte eine ganz normale Kindheit."

Am 24. April wird der Prozess fortgesetzt. Dann soll das Opfer Laura F. aussagen.