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Prozess in Köln
Versehentlich geklingelt - 33-Jähriger fast totgeprügelt

Prozess in Köln: Versehentlich geklingelt - 33-Jähriger fast totgeprügelt
Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Gottfried Reims im Kölner Landgericht. FOTO: Hauser
Köln. Ein Mann betätigt aus Versehen die Klingel eines anderen – der soll daraufhin mit einer Eisenstange auf ihn eingeprügelt und ihn lebensgefährlich verletzt haben. In Köln startete nun der Prozess.  Von Claudia Hauser, Köln

Es war eine Situation, die banaler kaum sein könnte: In einem Mehrfamilienhaus im Kölner Stadtteil Höhenberg wollten Ende März drei Männer spätabends das Haus verlassen. Weil das Licht in der ersten Etage im Flur nicht funktionierte, drückte einer von ihnen aus Versehen auf die Klingel einer Wohnung. Kommt vor. Doch aus der alltäglichen Situation wurde eine Prügelei, bei der ein 33-Jähriger lebensgefährlich verletzt wurde.

Verantwortlich für die Tat soll Mario K. (Name geändert) sein. Der 29-Jährige - Mieter der Wohnung, an der versehentlich geschellt wurde - soll mit einer Eisenstange auf den 33-Jährigen losgegangen und ihm damit mindestens drei Mal mit voller Wucht auf den Kopf geschlagen haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Totschlag vor und ist davon überzeugt, dass das Opfer schon nach dem ersten Schlag bewusstlos war. Sein Schädel war mehrfach gebrochen, Ärzte setzen ihm eine künstliche Schädeldecke ein. Bis heute hat der Mann sich noch nicht von dem Angriff erholt, er kann nicht sprechen und es ist unklar, ob er sich überhaupt an den Abend erinnert.

"Hilfe, die kommen hoch!"

Bei Prozessbeginn vor dem Kölner Landgericht ist der Angeklagte am Montag bereit, etwas zu den schweren Vorwürfen zu sagen, der Bulgare lässt aber seinen Verteidiger Gottfried Reims für sich sprechen. Einer der drei Männer habe in der Dachgeschosswohnung gewohnt, die anderen beiden hätten ihn an jenem Abend besucht. K. sei gegen 22 Uhr nach Hause gekommen, von der Arbeit in einem Café. Seine Frau, seine drei und acht Jahre alten Kinder, seine Schwester und seine Schwiegermutter waren in der Wohnung, man habe bald schlafen wollen.

Als es geklingelt habe, sei seine Frau an die Tür gegangen. Er selbst habe beim Blick aus dem Fenster die drei Männer gesehen. Der Streit entbrannte offenbar, weil einer von ihnen gegen die Hauswand urinierte. "Warum pinkelst du da? Lass das sein, das gehört sich nicht", habe K. gerufen. Das Trio habe ihn als "Zigeuner" beschimpft und sei zurück ins Haus gegangen, einer der Männer habe noch "einen Gegenstand" aus einem Auto geholt – K. sei davon ausgegangen, man wolle ihn überfallen. Seine Frau habe gerufen: "Hilfe, die kommen hoch!"

K. sagt, er habe sich mit der Alustange eines Kleiderständers bewaffnet. Er ging ins Treppenhaus und will einen der Männer am Arm getroffen haben mit der Stange, "um mich zu verteidigen", wie er sagt. Das spätere Opfer habe er nicht geschlagen. So, wie er es darstellt, war der Täter ein Bekannter von ihm, den er angerufen hatte, bevor er die Wohnung verließ.  Warum er ihn angerufen habe, will der Vorsitzende Richter wissen. "Er sollte die Polizei mit mir zusammen anrufen, mein Deutsch ist zu schlecht", sagt K. Die Antwort klingt wenig überzeugend. Doch auch als die Kammer den Angeklagten damit konfrontiert, dass sowohl an seiner Hose als auch an der Stange Blut des Opfers haftete, hält er dagegen: "Ich habe ihn nicht geschlagen." Er habe das Opfer am Kragen hochgezogen, um zu sehen "wie es ihm geht", dabei muss das Blut an seine Hände gekommen sein.

Einige Nachbarn hatten den fast zwei Meter großen und 150 Kilogramm schweren Angeklagten damals erkannt und bei der Polizei belastet: Er sei der Einzige gewesen, der zugeschlagen hätte.

Das Gericht hat acht Verhandlungstage angesetzt. Mario K. droht eine Freiheitsstrafe zwischen fünf und 15 Jahren.