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Videodays 2015
Youtube-Stars laden Fans zur Massen-Autogrammstunde

Bilder: Das sind die Videodays 2015 in Köln
Bilder: Das sind die Videodays 2015 in Köln FOTO: dpa, hka htf
Köln. Es wird ein Fest für Selfie-Knipser und Autogrammjäger: In Köln treffen sich bekannte Youtuber mit ihren Fans. Die Szene ist längst aus der Nische herausgewachsen.

Tausende vornehmlich jugendliche Fans wollen am Freitag ab 10 Uhr in Köln ihre Idole von der Video-Plattform Youtube belagern. Bei den sogenannten Videodays, die auch noch am Samstag stattfinden, sind am ersten Tag zig Autogrammstunden bekannter Szenegrößen eingeplant. Angekündigt haben sich unter anderem Y-Titty, Die Lochis und Dner.

Die Veranstalter rechnen nach eigenen Angaben mit mehr als 15.000 Besuchern. Viele der Youtuber haben mittlerweile eine Fangemeinde von mehreren Hunderttausenden Abonnenten aufgebaut. In ihren Webvideos geht es unter anderem um Comedy, Schminktipps oder Computerspiele.

Was Eltern wissen müssen, die ihre Kinder zu den Videodays begleiten, haben wir hier zusammengefasst.

Howard Carpendale schaut verträumt von einem Plakat, es kündigt sein nächstes Konzert in der Kölner Lanxess Arena an. Die Jugendlichen, die gerade an dem großformatigen Poster vorbeiziehen, haben allerdings keine Augen für den Schlagerstar. Vermutlich kennt sie ihn nicht einmal. Ihre Helden heißen Dner, Y-Titty, Joyce Ilg oder Dagibee - Stars der Video-Plattform Youtube.

Die Fans sind jung, oft weiblich

An diesem Freitag sind Tausende Fans nach Köln zum Fantreffen Videodays gekommen, um sich ein Autogramm oder ein Foto mit den Youtube-Bekanntheiten abzuholen. Es ist schwül-warm und riecht nach Schweiß und Parfüm. Wer hierher gekommen ist, ist eher jung, oft weiblich und sehr begeisterungsfähig.

Die Youtube-Szene ist längst keine Nische mehr. 2010 kamen zu dem Kölner Fantreffen nach Angaben der Veranstalter 400 Menschen. 2015 sind es schon mehr als 15.000. Viele Youtuber haben mehrere Hunderttausend Fans, die ihre Videos regelmäßig ansehen. Sie geben Schminktipps, kommentieren Videospiele oder drehen Comedy-Clips.
Dahinter steht eine professionelle Industrie, die sie vermarktet. Jedes Jahr wächst der Hype um die Szene.

"Ich will zu Melina, sie ist so sympathisch und locker", sagte die 13-Jährige Lara Sophie, die vor der Halle in einer langen Schlange wartet. Die neuen Videos der Youtuberin schaue sie sich immer sofort an, wenn es geht. Was unterscheidet Melina von einem Pop- oder Schauspielstar? "Sie macht das irgendwie hobbymäßiger", sagt Lara Sophie. Youtuber sprechen direkt mit ihren Fans und wirken oft ungefiltert, wie Kumpel. Dabei hat eben jene Melina allein auf Youtube fast eine Million Abonnenten, dazu eine halbe Million Facebook-Fans und 1,3 Millionen Abonnenten auf der Foto-Plattform Instagram. Was unfertig wirkt, ist oft ein Vollzeitjob, mit dem die Videomacher Geld verdienen.

"Die Youtuber beschäftigen sich oft mit sehr einfachen Konsummustern: Sie geben Schmink- oder Musiktipps, sie sprechen über Videospiele", sagt Edwin Ferger, der an der Uni Köln Mediensoziologie lehrt. Die Gruppen, die das interessiere, seien recht klar abgegrenzt. "Dadurch entsteht aber ein großes Gemeinschaftsgefühl", sagt Ferger. "Youtuber sind heute das, was früher der Dorfbrunnen war - ein Ort, an dem sich Jugendliche treffen. Mal die eine Gruppe, mal die andere."

Wie bei jedem Personenkult besteht allerdings die Gefahr, dass die Fanliebe erkaltet. Kann Youtuber ein dauerhafter Job sein? Die Frage kennen die Brüder Philipp und Sebastian Meichsner, die Teil des Comedy-Trios "Bullshit TV" sind. "Natürlich wird es immer die Kids geben, die uns mit elf cool finden und mit zwölf jemand anderen cool finden", sagt Sebastian, 29 Jahre alt. "Deshalb versuchen wir, dass es weniger so einen Personen-Hype um uns gibt." Der Inhalt soll die Zuschauer bei Laune halten, nicht die Personen. Für "Bullshit TV" läuft das ganz gut: Sie haben mehr als eine Million Abonnenten.

Hier gibt es Bilder von den Videodays in Köln.

(lnw)
 
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