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Geschichte
Von Bretterbuden und Filmpalästen

Köln. Die Ausstellung "Großes Kino" läuft seit Samstag im Stadtmuseum. Parallel erzählt ein neues Buch Spannendes über die 120-jährige Kinogeschichte Kölns.

Es waren Bretterbuden genauso wie prächtige Filmpaläste, die einst die Kölner Kinolandschaft prägten. 1896 gab es in der Domstadt das erste Filmtheater für zahlendes Publikum auf deutschem Boden - und bald hatte jedes Veedel sein eigenes Kino. Köln wurde schnell eine Kinostadt. Heute, 120 Jahre später, ist die cineastische Landschaft der Stadt ärmer geworden. Viele der alten Orte, an denen Filme gezeigt wurden, sind verschwunden. Aber trotzdem tut sich auch jetzt noch etwas in Köln. Neben großen Cineplex-Häusern wie etwa dem Cinedom, haben sich auch kleine Kinos wie das Off Broadway oder das Odeon erhalten und trotzen dem Mainstreamgeschäft. Auch schicke Kinos mit gehobenem Komfort wie die Astoria Film-Lounge erfreuen sich großer Beliebtheit.

Im Kölnischen Stadtmuseum öffnet eine Ausstellung zum Kino in der Domstadt bis zum 6. November ihre Pforten für die Besucher. Erschienen ist gerade auch das neue Buch "Kino in Köln", in dem sich die Autorinnen Marion Kranen und Irene Schoor auf Spurensuche begeben. Sie erzählen von Kölns erstem Kino am Augustinerplatz 12 (heute Hohe Pforte). Dort erschienen auf der Leinwand zwölf jeweils nur 50 Sekunden lange Filme, wovon drei schon bei der ersten öffentlichen Filmvorführung der Gebrüder Lumière in Paris zu sehen waren.

Vorgestellt werden auch die ersten Köln-Filme und Schokoladenfabrikant Ludwig Stollwerck als Kölns erster Filmproduzent und Kinobetreiber. Es geht um Zeiten, in denen die Vorführhäuser wie Pilze aus dem Boden sprießen. So wurden zwischen 1906 und 1910 jährlich sechs bis sieben Kinos neu eröffnet.

Filme wurden in Kneipen genauso gezeigt, wie in den Kölner Vororten. Schon bald entstanden Prachtbauten wie das Apollo an der Schildergasse oder das Scala auf der Herzogstraße, wo sich Theaterhäuser in reine Kinos verwandelten. Neu errichtet wurden außerdem das Metropol-Theater, das Moderne Theater oder die Agrippina-Lichtspiele.

Die beiden Autorinnen berichten von Stars und Premieren genauso, wie von den großen Krisen des Kinos und dem Siegeszug des Mainstream-Kinos. Es geht um die Glanzzeiten in den 20er Jahren, um Kinos als Ort für NS-Propaganda, die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und das Wiedererblühen der unabhängigen Kinolandschaft in den 50er Jahren. Es geht zudem um das Aufkommen der Multiplex-Kinos, um Arthouse-Kinos und die Filmlounge. Das Sterben vieler Filmpaläste wird genauso thematisiert wie die Neueröffnungen.

Davon gab es besonders viele in den 50er Jahren, in denen riesige Filmtheater für Erstaufführungen wie die Hahnentor-Lichtspiele mit 1500 Plätzen oder das Ufa-Theater Schwerthof mit 600 Plätzen entstanden. Dazu kamen die Lichtspiele im Millowitsch-Theater und die Schauburg. Später folgten Kinos wie das Rex am Ring oder das Lux am Dom. Eine Neuheit nach US-Vorbild gab es 1967 mit dem ersten Kölner Autokino in Porz-Eil, das bis heute noch existiert. Bei der Verkleinerung und Vervielfältigung der Säle - dem Schachtelkino - war in den 70ern der Ufa-Palast Vorreiter. 1991 eröffnete schließlich mit dem Cinedom das erste moderne Multiplex-Kino mitten in Köln. Stephan Eppinger

Quelle: RP
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