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Köln
Glocken läuten für 23.000 tote Flüchtlinge im Mittelmeer

Das ist der Kölner Dom
Das ist der Kölner Dom FOTO: dpa, obe cul
Köln. Zum Welttag der Flüchtlinge (20. Juni) will der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki ein Zeichen setzen. An 230 Kirchen des Erzbistums Köln sollen am Vorabend die Totenglocken jeweils 100 Mal läuten, das wäre ein Glockenschlag für jeden gestorbenen Flüchtling.

Das sagte Woelki der "WDR Lokalzeit aus Köln". Bei einem großen internationalen Fest vor dem Kölner Dom sollen Spenden für die Seenotrettung der Flüchtlinge in Italien gesammelt werden.

Woelki wörtlich: "Die Totenglocken sollen bis zu den Politikern in Berlin schallen, damit diese endlich eine europäische Flüchtlingspolitik machen, die einen legalen Weg für Flüchtlinge nach Europa schafft." Der Kardinal sagte, er wolle auf diese Weise sein Mitgefühl mit den Tausenden Flüchtlingen ausdrücken, die auf ihrer Flucht Richtung Europa im Mittelmeer gestorben sind.

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Auch der "Dicke Pitter", die 24 Tonnen schwere Glocke im Kölner Dom, wird geschlagen. Er läutet sonst nur zu besonderen Anlässen, etwa an hohen kirchlichen Feiertagen, zum Tod und zur Wahl eines Papstes oder eines Kölner Erzbischofs.

Mitorganisator des Solidaritätsgottesdienstes auf dem Roncalliplatz ist der Gründer der Hilfsorganisationen "Cap Anamur" und "Grünhelme", Rupert Neudeck. Bereits zuvor hatte Woelki erklärt, mit den gesammelten Geldern sollten Ausbildungsinitiativen in den Herkunftsländern unterstützt und Boote zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer gechartert werden. Der Erzbischof sprach sich damals dagegen aus, Schleuserboote militärisch zu zerstören. "Für Flüchtlinge macht das die Mauern höher und das Mittelmeer tiefer", so Woelki.

Fragen und Antworten zu den Flüchtlingsunglücken

Mit der Aktion wird der Kölner Dom erneut auch zu einem politischen Symbol. Zu Jahresbeginn hatte die Verdunkelung des Doms aus Protest gegen eine Demonstration der rechtspopulistischen "Pegida"-Bewegung international Schlagzeilen gemacht.

(KNA)
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