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Köln
Wenn der Klöppel die Domglocke küsst

Köln. Wissenschaftler suchen für die Glocken im Kölner Dom nach dem optimalen Klang. Musikalischer Fingerabdruck schützt vor Schäden. Von Bastian Quednau

Anwohner und Fußgänger in der Kölner Innenstadt dürften einigermaßen erstaunt registriert haben, dass die Glocken des Kölner Doms momentan öfter zu hören sind als sonst. Dies liegt daran, dass Experten des Europäischen Kompetenzzentrums für Glocken (Ecc-ProBell) in dieser Woche intensive Untersuchungen an den Domglocken durchführen, weshalb es immer wieder zu Probeläuten kommt.

Die Wissenschaftler des Ecc-ProBell von der Hochschule Kempten befassen sich hauptsächlich mit Verfahren, die dazu dienen, die Glocken vor Schäden zu schützen und ihr Klangverhalten zu verbessern. Europaweit gibt es kein anderes Institut mit einer vergleichbaren Forschung.

Besonders spezialisiert hat man sich auf große Glocken. Damit sich der Klang von diesen gut entfalten kann, müssen sie besonders stark belastet werden, was aber auch gleichzeitig mit einem höheren Materialverschleiß einhergeht. Zum anderen sind historische Glocken für das Institut äußerst interessant, da sie über mehrere hundert Jahre unter einer sehr hohen Belastung standen. Mithilfe von Computermodellen und -simulationen ist es möglich, für jede Glocke optimale Läutebedingungen zu berechnen. Diese minimieren nicht nur das Risiko von Schäden, sondern wirken sich auch positiv auf das Klangverhalten aus.

"Die Glocken sind sehr hohen Belastungen ausgesetzt, vor allem durch das Anschlagen des Klöppels", erzählt Prof. Andreas Rupp, Leiter des Ecc-ProBell, mit Blick auf die Glocken des Kölner Doms. "Wir schauen uns den Zustand der Glocke an und versuchen dadurch, Hinweise auf möglicherweise bald entstehende Schäden zu bekommen." Dafür wurde der sogenannte musikalische Fingerabdruck entwickelt. Mit Hilfe dieser Methode ist es möglich, bereits kleine Materialanrisse auszumachen und diese mit wenig Aufwand an ihrer Vergrößerung zu hindern.

Eine geeignete Schutzmaßnahme ist es, die Beanspruchung am Anschlagspunkt zu reduzieren. Dies geschieht, indem die Glocke um 30 bis 40 Grad gedreht wird, um so den Punkt, wo der Klöppel die Glocke küsst, wie es in der Fachsprache genannt wird, zu ändern. Im schlimmsten Fall müssen die Risse jedoch geschweißt werden. "Das machen wir aber auch nur im Notfall", versichert Andreas Rupp. "Dies alles tun wir, damit die Glocken mit all ihren Spezifikationen als Kulturgut erhalten bleiben."

Das Europäische Kompetenzzentrum für Glocken war bereits 2011 an der Berechnung und Auslegung des neuen Klöppels an der Petersglocke im Kölner Dom verantwortlich, nachdem der alte Klöppel gebrochen war. Auch an der Auswechslung des Geläuts im Braunschweiger Dom und im Freiburger Münster war das Kompetenzzentrum beteiligt. Dasselbe Verfahren kam ebenfalls an der Papstglocke im Petersdom in Rom und an der Savoyarde in der Pariser Kirche Sacré Cœur zum Einsatz.

Nach ersten Begutachtungen waren an den Glocken des Kölner Domes allerdings keine größeren Schäden festzustellen.

Quelle: RP
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