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Kunst
Wie sich ein van Gogh umgewöhnen muss

Kunst: Wie sich ein van Gogh umgewöhnen muss
Iris Schaefer, Leiterin der Abteilung Kunsttechnologie und Restaurierung im Wallraf-Richartz-Museum, begutachtet mit einer achtfachen Lupe und einer Lampe ein Werk von van Gogh, das in der Ausstellung ab Freitag zu sehen sein wird. FOTO: step
Köln. Am Freitag beginnt die Sonderausstellung "Von Dürer bis van Gogh" im Wallraf-Richartz-Museum. Hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren.

Ganz langsam und vorsichtig öffnen David Owsianik und Grzegorz Polecki im Untergeschoss des Wallraf-Richartz-Museums die große Transportkiste. Darin befindet sich ein Werk von Vincent van Gogh, das von der Sammlung Bührle für die neue Sonderausstellung "Von Dürer bis van Gogh" von Zürich nach Köln transportiert wurde. "Der Transport erfolgt in Klimakisten mit konstanter Feuchtigkeit und Temperatur. Auch die Fahrzeuge sind mit ihrer Federung speziell für Kunsttransporte konstruiert worden. "Nach der Ankunft warten wir 24 Stunden, damit sich das Kunstwerk an die neue Umgebung gewöhnen kann", sagt die Leiterin der Abteilung Kunsttechnologie und Restaurierung, Iris Schaefer.

Die Mitarbeiter der Hausinspektion entfernen nun den Schutz, der um das Gemälde platziert wurde, und legen es vorsichtig auf einen gepolsterten Tisch. Bevor es an der Wand an der dafür vorgesehenen Stelle aufgehängt werden kann, muss es noch genau begutachtet werden. "Das kann schon mal eine ganze Stunde dauern", sagt Schaefer und blickt mit Hilfe einer achtfachen Lupe und einer Lampe genau auf das Werk und seinen Rahmen.

"Es gibt vom Leihgeber vor dem Transport ein genaues Protokoll über den Zustand des Gemäldes. Den gleiche ich jetzt ab und suche nach möglichen Schäden und Veränderungen. Bei diesem van Gogh sieht alles bestens aus. Wichtig ist diese Untersuchung vor allem wegen der Versicherung. Wir sind aber auch dem Leihgeber gegenüber zu größter Sorgfalt verpflichtet." Bis zu acht Bilder pro Tag können so begutachtet werden. "Das ist zwar etwas anstrengend, macht aber auch viel Spaß. Ich kann mir solche großartigen Bilder anschauen und entdecke darin immer wieder neue Dinge, die ich so vorher nicht gewusst habe."

Bei van Gogh erkennt man am äußeren Rand des Gemäldes "Die Seine-Brücke bei Asnières" zum Beispiel eine dicke rote Linie. "Der Künstler hat so einen Rahmen und dessen Wirkung simuliert. Zu seinen Lebzeiten wurde nie ein Werk von ihm gerahmt", sagt Schaefer. Jetzt ist das Gemälde in einem prunkvollen, vergoldeten Rahmen untergebracht. "Van Gogh hätte sich da sicher eine etwas einfachere Ausführung in Rot gewünscht."

Nebenan steht Cezannes "Der Knabe mit der roten Weste" noch an der Wand. Kurze Zeit später nehmen Owsianik und Polecki das wertvolle Gemälde in ihre weiß behandschuhten Hände und hängen es sorgsam an die Wand. Die Stellen dafür werden von den Kuratoren vorab genau berechnet. Die Bilder selbst hängen dann an handelsüblichen Haken. "Da ist man schon etwas nervös. Aber es macht auch Freude, mit solchen Kunstwerken zu arbeiten", sagt Owsianiak.

In "Von Dürer bis van Gogh - Sammlung Bührle trifft Wallraf" kommen neben den genannten Impressionisten auch Meister wie Dürer, Cuyp, Canaletto, Delacroix, Courbet, Sisley, Pissarro, Gauguin, van Gogh, Picasso und Braque zusammen. Die Ausstellung wird ausschließlich in Köln zu sehen sein.

Stephan Eppinger

Quelle: RP
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