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Ausstellung
"Zeichnerische Übernahme"

Köln. Der Kölner Künstler Rolf Jahn ist nicht nur ein leidenschaftlicher Bewahrer alter Bücher, mit denen er zahlreiche persönliche Erlebnisse verbindet. Er ergänzt, verändert und individualisiert sie auch, drängt sich in sie hinein, kommentiert und "verbessert" sie in seinem Sinne, um aus ihnen Unikate zu machen. Das Ergebnis dieser "zeichnerischen Übernahme" ist in einer Ausstellung mit ebendiesem Titel ab heute bis zum 30. Oktober in der Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt zu sehen. Alte Ausstellungskataloge, Postkartenalben aus der Vorkriegszeit, Kunstbücher aus den 70er Jahren, Kladden, Gesangsbücher, alte entsorgte Fotoalben, die Lebensgeschichten erzählen - im Laufe der vergangenen Jahrzehnte hat Jahn einen oft auf Flohmärkten erstandenen Schatz an Büchern zusammengetragen, um sie zu bearbeiten. Dabei ist er deren Inhalt mit seinem Stift zu Hilfe geeilt. "Zeitlose emotionale Helfer" nennt er seine Linien, die er über die Bilder und Schriften aus vergangener Zeit wandern lässt. Wesen schweben durch die Seiten - träumerisch, versunken, lassen sich irgendwo nieder und beobachten. Mal krönen sie Bilder, versuchen sich symbiotisch mit ihnen zu vereinigen. Mal bilden sie Brücken zwischen Gezeigtem oder spiegeln es. Dabei helfen sie den dargestellten Figuren aus dem starren Bildkontext heraus in einen neuen bildnerischen Zusammenhang. Doch auch das Mittel der Collage dient Rolf Jahn zum Sichtbarmachen des Nicht-Sichtbaren. So fügt er Extrakte aus mehreren Büchern zu Neuem zusammen. Oder er schneidet Bilder von Kunstwerken aus, stellt sie ihren papiernen Umrissen gegenüber, um sie mit Filzstiften bemalt in einen Dialog treten zu lassen. Oft beginnen Jahns Geschichten schon auf den würdigen alten Buchdeckeln, deren Einbandmaterial durch vielfältige Gebrauchsspuren zahlreiche Assoziationen weckt. Und auch in den Titeln findet Rolf Jahn häufig den Anfang seiner eigenen zeichnerischen Erzählungen, die er in seinen Künstlerbüchern fortschreibt. Die Kunst- und Museumsbibliothek hat dienstags bis donnerstags von 10 bis 21 Uhr, freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr und montags von 14 bis 21 Uhr geöffnet.

Justine Holzwarth

Quelle: RP
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