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Köln/Düsseldorf
Zeuge im NSU-Ausschuss: 19-Jährige war Zufallsopfer

NSU-Prozess: Opfer der Keupstraße in Köln sagen aus
NSU-Prozess: Opfer der Keupstraße in Köln sagen aus FOTO: dpa, mum fdt
Köln/Düsseldorf. Die Deutsch-Iranerin, die 2001 bei einem NSU-Anschlag in Köln schwer verletzt wurde, war nach Einschätzung eines früheren Ermittlers wohl ein Zufallsopfer.

"Ich glaube, es war ein zufälliges Opfer", sagte der pensionierte Kölner Ex-Staatsanwalt Karl-Heinz Schlotterbeck am Mittwoch vor dem Parlamentarischen NSU-Untersuchungsausschuss in Düsseldorf. "Es hätte auch theoretisch jemand anders sein können". In der Probsteigasse hatte die 19-Jährige im Januar 2001 eine von einem angeblichen "Kunden" zurückgelassene Christstollendose im Laden der Familie geöffnet. Die versteckte Bombe detonierte, verletzte sie schwer. Das Attentat wurde später dem Nationalsozialistischen Untergrund zugeordnet, der erst 2011 aufgeflogen war.

Schlotterbeck erläuterte, die Probsteigasse "war nicht eine Einkaufsstraße für Leute mit Migrationshintergrund." An einen fremdenfeindlichen Hintergrund habe er nicht gedacht. Ein erster Verdacht gegen eine Person aus dem Umfeld der Familie habe sich nicht erhärtet. Die Ermittlungen seien "sehr kurz und knapp eingestellt worden."

Schlotterbeck war nicht selbst in die Ermittlungen eingebunden, er kam erst 2003 in die befasste Abteilung der Staatsanwaltschaft. 2006 habe er aber die Akten zu dem "ungewöhnlichen Fall" geprüft, um über den Umgang mit den Asservaten zu entscheiden, die er dann vernichten ließ. Sie hätten keine DNA enthalten und ja auch nicht zu einem Täter geführt. Einen Zusammenhang zum Nagelbombenattentat 2004 mit 22 Verletzten in der Kölner Keupstraße - geprägt von türkischen Migranten - habe er nicht gesehen.

 

 

(lnw)
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