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Gedicht
Zur Kölner Wahl-Posse

Zur Kölner Wahl-Posse: Ein Gedicht!
FOTO: Radowski
Düsseldorf. Das Wahl-Chaos in Köln geht in die nächste Runde. Am Freitag soll der neue Wahltermin bekannt werden. Ein Gedicht aus gegebenem Anlass. Von Stefan Weigel

Wie war zu Köln es doch vordem
beim Kreuzchenmachen so bequem.
Gern wählte man die SPD:
"Die sin vun uns un dunn nit wih",
oder die Schwarzen – ganz genau:
"Haupsaach, se leete uns en Rauh!"
 
Und darauf war weiß Gott Verlass,
den Bürgermeistern kam zupass,
dass die Kölner ignorierten,
wie sie im Rathaus sich gerierten.
Sie kamen und nahmen,
sie lachten und machten,
sie ahnten und planten,
sie liehen und schrien…

Doch eh' der Bürger sich's versah,
schrieb seine Zeitung, was geschah:
In der Stadt lief manches schief,
Oper,  U-Bahn, Stadtarchiv.
Da war's dem Kölner selbst zuwider,
die Wahlbeteiligung ging nieder,
egal ob Schwarze, ob Genossen,
man wurde politikverdrossen
und wollte eine Dame küren,
parteilos, ohne Starallüren.

Die Etablierten, sehr betrübt,
doch im Tricksen auch geübt,
verfielen schnell auf einen Plan,
gedacht, gesagt – gesagt, getan:
"Wir drucken uns're Kürzel fett,
dann denkt der Wähler, oh wie nett,
wer solche dicken Lettern kann,
ist auch für Köln ein guter Mann."

Doch leider flog der Schwindel auf,
das Schicksal, es nahm seinen Lauf:
Der Rechtsstaat fordert gleiche Wahlen,
nimmt keine Rücksicht auf die Qualen,
die Parteien vielfach leiden,
wenn Wähler Kandidaten meiden.
Jetzt gibt es keine Nachsicht mehr:
Neue Zettel müssen her.

Die fetten Lettern werden mager,
die Chancen der Parteien vager.
Doch in Köln ist niemand bange:
Et hätt noch immer jot jejange!

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