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Köln
Zwischen jeck, verrückt und gruselig

Köln. Am Samstag ziehen merkwürdige Gestalten durch Köln-Kalk: Der Geisterzug ist ein Fest für alternative Karnevalisten. Von Dorian Audersch

Im Winter 1991, als der Rosenmontagszug wegen des Irak-Krieges ausfiel, rief das Kölner Friedensplenum auf Vorschlag von Erich Hermans zu einer Anti-Golfkriegs-Demo am Rosenmontag auf - entlang des eigentlich Zugweges. Die Anhänger des offiziellen Karnevals wollten den vermeintlichen "Chaoten" unter den Friedensaktivisten die Strecke nicht überlassen und gingen mit. Diese Mischung wurde einer der schönsten Umzüge der Kölner Geschichte. Inzwischen gibt es mehrere Bücher über diesen bemerkenswerten Rosenmontag.

Die Mischung aus Demo und Umzug führte etwas später dazu, dass Hermans eine uralte Form des Fastelovends wiederbelebte: den Geisterzug. Karneval ist ein uraltes Fest, mit dem einst die hinter dem Herd überwinternden Geister der Ahnen aus dem Haus gejagt wurden. Sie sollten die Erde wieder fruchtbar und die Sonne wieder wärmer machen. Sie wurden mit viel Lärm vertrieben, zu der ihnen gemäßen Tageszeit: im Dunkeln. Im Mittelalter führte das mitunter zu Ausschreitungen und Tumulten. Eine Reform machte das wilde nächtliche Fest 1823 kontrollierbar, es gab nun Umzüge tagsüber.

Der erste moderne Geisterzug in Köln stieg dann am 29. Februar 1992. Er bestand aus rund 10.000 Teilnehmern und etwa 50.000 Zuschauern - ein voller Erfolg. Seitdem ist der Brauch wieder fest im Kölner Karneval verankert.

Am Samstag, 10. Februar, ziehen die Alternativ-Jecken wieder zu dunkler Stunde durch die Straßen - in Kostümen, die eher an Halloween als an Karneval erinnern. Gespenster, Hexen und Schamanen sind ebenso unterwegs, wie Vampire, Zombies oder Werwölfe. Allerdings - darauf legen die Organisatoren großen Wert - sollen selbst Gruselkostüme einen jecken Anstrich bekommen, zum Beispiel durch eine rote Pappnase.

Der Zug soll sowohl karnevalistisch als auch politisch sein. Jeder kann mitgehen, wobei Zuschauer eher geduldet werden. Mitlaufen ist das Credo. Kamelle und Strüßjer gibt es keine, Wurfmaterial und Reklame sind untersagt. Das Motto ist in diesem Jahr im Übrigen "Poppe, nit kloppe - mir trecke för dr Fridde" - in Anlehnung an den Hippie-Leitspruch "Make Love - Not War".

Info Abmarsch ist um 18 Uhr an der Waldecker Straße in Köln-Buchforst. Dann geht es weiter über die Solinger-, Kalk-. Mülheimer-, Vorster-, Josephs-Kirch-, Siever-, Rolshover-, Gremberger-, Taunus- und Trimbornstraße. Die Teilnahme ist kostenlos. www.geisterzug.de

Quelle: RP
 
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