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Korschenbroich
16 Jahre für eine "liebenswerte Stadt"

Korschenbroich: 16 Jahre für eine "liebenswerte Stadt"
Strahlende Gesichter bei der offiziellen Amtsübergabe im Korschenbroicher Rathaus: Der bisherige Stadtdirektor Willi Esser (r.) und der bisherige Bürgermeister Hans-Ulrich Klose (l.) übergeben am 1. Oktober 1999 die letzten Akten an den neuen Verwaltungschef, den ersten hauptamtlichen Bürgermeister Heinz Josef Dick. FOTO: Hans Jazyk
Korschenbroich. Der erste hauptamtliche Bürgermeister im Korschenbroicher Rathaus ist Heinz Josef Dick. Der frühere Mathe-Lehrer wurde vor 16 Jahren in dieses Amt gewählt. In der Zeit hat er maßgeblich zur Weiterentwicklung der Stadt beigetragen. Von Ruth Wiedner

Er kommt weder zum Packen noch zum Ausmisten: Im Bürgermeister-Büro ist nichts von Auszug, von Abschied oder von Amtsübergabe erkennbar. Es ist eigentlich wie immer. Dass Dicks Amtszeit nach 16 Jahren am 20. Oktober endet und am 21. Oktober mit Marc Venten ein Neuer die Amtsgeschäfte im Korschenbroicher Rathaus übernimmt, ist für alle in seinem Umfeld noch unwirklich - einfach weit weg. Und auch für Dick fühlt sich (noch) nichts wie Abschied an.

Heinz Josef Dick hat sich vor gut zwei Jahren für diesen Schritt ganz bewusst entschieden. "Am 20. ist mein letzter Tag im Amt", stellt er dann auch ganz realistisch fest. Wirkliche Freude hört sich allerdings anders an. Tagesaktuelle Themen bestimmen nach wie vor seinen Terminkalender. "Das Flüchtlingsproblem und die Haushaltsvorbereitungen sorgen für einen fließenden Amtsübergang", sagt Dick.

"Da fehlt mir die Zeit, über Abschied und Ausscheiden zu philosophieren." Langeweile fürchtet Heinz Josef Dick aber nicht, er spricht von seiner Familie, dem Garten in Glehn und übers Fahrrad fahren. Und da ist es wieder - dieses spitzbübische Lächeln: Es blitzt immer dann auf, wenn Dick sich besonders freut. "Ich werde Opa. Und das gleich zweimal", verrät er. Für einen Moment wird er ganz privat. Doch dann bedient er sich in der Schublade "Standard": "Der Ruhestand kommt auf jeden zu."

Am 27. September, dem Stichwahltag: Bürgermeister Dick gratuliert seinem Nachfolger Marc Venten. FOTO: Knappe

Die ursprüngliche Lebensplanung von Heinz Josef Dick sah anders aus: Der Gymnasiallehrer, verheiratet und Vater von zwei Kindern, unterrichtet Mathematik und Physik am Gymnasium in Vorst. Dass ihn seine Partei 1999 als CDU-Bürgermeister-Kandidaten nominieren wird, war für ihn nicht absehbar. Die Geschichte ist schnell erzählt: Nach einem emotionalen, CDU-internen Wahlkampf setzt sich Peter Holzenleuchter in einer dramatischen Kampfabstimmung gegen seinen Mitbewerber Hans Bert Heimanns mit einer Stimme durch. Das Wahlergebnis wird angezweifelt, das Schiedsgericht angerufen. Die CDU ist gespalten, sie droht zu zerbersten - mehr noch: Ihr droht der angestrebte Sieg bei der ersten Direktwahl des Rathaus-Chefs durch die Bürgerschaft aus den Händen zu gleiten. Um zu retten, was zu retten ist, werden die beiden Kontrahenten aus dem Rennen genommen. Sie werden durch den damaligen Fraktionsvorsitzenden Heinz Josef Dick ersetzt. Der Kompromisskandidat erfüllt seinen Auftrag. Er rettet die Korschenbroicher CDU, gewinnt die Wahl und ist 16 Jahre lang ein respektabler Bürgermeister.

Für Dick wird schnell klar: Er war zur richtigen Zeit am richten Ort. Sein Vorgänger, Stadtdirektor Willi Esser, hatte Maßstäbe gesetzt. Für Dick kein Grund abzutauchen. Selbstbewusst geht der neue Rathaus-Chef ans Werk. Er drückt der Stadt und damit der Stadtverwaltung seinen Stempel auf. "Die Stadt trägt meine Handschrift", stellt er mit stolz im August 2009 fest. Allerdings will er die Lorbeeren nicht allein für sich einstreichen: "Zu der Erfolgsbilanz haben neben meiner Partei auch meine engagierten Mitarbeiter im Rathaus und ein gutes Führungsteam beigetragen." Das war vor seiner dritten Kandidatur im Herbst 2009 so - und das ist bis heute nicht anders.

Im Anzug auf Achse: Bürgermeister Dick tritt 2009 ein Drittes Mal um die Wahl zum Verwaltungschef an. FOTO: Reuter

Sein Wunsch: "Ich will die Stadt für die Zukunft fit machen." Sehr viel ist ihm gelungen. Stichworte auf seinem Erfolgsweg sind zweifelsohne die Stadtentwicklung mit den Nahversorgern im Ortskern, Konzentrationszonen für Windenergie, die Umrüstung der Kitas auf U3-Plätze sowie die Umsetzung der Grundwasser-Lösung mit dem Erftverband. Meilensteine, die Dick in seiner Bilanz mit der Zentralisierung der Stadtverwaltung und der Bahnhofsumgestaltung noch toppt.

Und dann wird Dick ganz persönlich: "Ich freue mich auch über die kleinen Dinge in der Stadt, die Korschenbroich so liebenswert machen." Als Beispiel nennt Dick den Bürgerbus: "Es ist phänomenal, dass sich Menschen finden und eine solche Aufgabe für das Gemeinweisen stemmen." Für die Kultur hebt er Robert Jordan und seine KiK-Künstler und in der Flüchtlingsarbeit Katharina Barbers und Ursula Johnen hervor.

"Eine Stadt wäre um so vieles ärmer, würde es diese vielen Leistungen nicht geben", sagt Dick und bezieht alle Ehrenamtler in seinen Dank ein. "Das unterstreicht einmal mehr der Slogan: Hier lässt's sich leben." Dick wird nach seinem Abschied aus dem Rathaus weiter ums Stadt-Wohl bemüht sein. Das ist sicher. In welcher Form sagt er noch nicht; er lächelt und spannt den Bogen zu seinem Unruhestand: "Mal sehen, wie viel Zeit mir als Opa noch bleibt."

Quelle: NGZ
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