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Korschenbroich
200 Besucher bei "Korschenbroich liest"

Korschenbroich. Im Foyer der Sparkasse trug Michael Grosse Texte von Lenz, Tucholsky und von Hermann Hesse vor. Von Marion Lisken-Pruss

"Spurensuche" lautet das Motto der achten Auflage von "Korschenbroich liest". Längst ist das Lese-Festival zu einem festen Bestandteil im Korschenbroicher Kulturleben geworden, nachdem es 2008 als Leseprogramm im Rahmen einer Kinderbuchausstellung gestartet war.

Dass der Leitspruch "Spurensuche" verschiedenartige Interpretationen zulässt, und Spuren auch ganz vielgestaltig sein können, machte Initiatorin Rita Mielke vor rund 200 Zuhörern im vollbesetzten Foyer der Sparkasse deutlich. Sie spannte direkt einen Bogen zur Zeitgeschichte: Welche Spuren wird der 24. Juni 2016 - der Tag, an dem die Briten der EU den Rücken kehrten - in der europäischen Geschichte hinterlassen? Doch es muss nicht immer die Weltpolitik sein: "Welche Spuren bleiben von uns, und seien es nur die in der digitalen Welt; und welche Spuren lassen andere Menschen zurück, wofür haben sie gekämpft oder gelitten?", fragte Rita Mielke. "Die Spurensuche ist eine Vergewisserung des eigenen Standpunkts. Und dabei kann die Literatur helfen", sagte sie. Bei weiteren 25 Veranstaltungen nimmt sie die Besucher mit auf Spurensuche: Die Orte, an denen die Lesungen stattfinden, erstrecken sich von der St.-Andreas-Kirche über Schloss Rheydt bis hin zu einem Kunstgarten. Dietmar Mittelstädt, stellvertretender Vorstand der Sparkasse und Gastgeber der Auftaktveranstaltung, begab sich in seinem Grußwort auf eine persönliche Spurensuche durch die Literatur seiner Kindheit und Jugend: Helden wie Winnetou oder Michel aus Lönneberga hätten ihn damals begleitet, sagte er. "Lesen heißt eigene Bilder im Kopf zu haben", betonte der stellvertretende Bürgermeister Albert Richter und dankte Rita Mielke für ihr unermüdliches Engagement für "Korschenbroich liest".

Prominenter Gast des Abends war Michael Grosse, Generalintendant der Städtischen Bühnen Krefeld/Mönchengladbach, der Texte von Siegfried Lenz, Kurt Tucholsky und Hermann Hesse vortrug. "Hermann Hesse kann richtig lustig sein", sagte Grosse. Er hatte jene vergnügliche Erzählung ausgewählt, in der Hermann Hesse eine völlig verunglückte Autorenlesung in tiefster Provinz 1912 schildert: Dort hatte man einen humoristischen Rezitator und keinen Literaten erwartet.

Den musikalischen Rahmen gestaltete das Stadtorchester Korschenbroich unter Leitung von Thomas Lindt. Besonders beeindruckend: Der Libertango von Astor Piazzolla, der den argentinischen Tango revolutionierte. Am 28. Juni folgt die nächste Veranstaltung mit einer Auswahl von Krimis jenseits der Bestsellerlisten. www.korschenbroich-liest.de

Quelle: NGZ
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