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Korschenbroich
50 Menschen können wieder sehen

Korschenbroicher Hilfe in Kamerum
Korschenbroicher Hilfe in Kamerum FOTO: FRANZ Thoren
Korschenbroich. Mehr als 4000 Patienten konnte die "Augenhilfe Afrika" seit Bestehen untersuchen. Der Korschenbroicher Verein ist angetreten, um Blinden in Kamerun zu helfen. Franz Thoren war bei der jüngsten Operationskampagne in Eseka dabei. Von Ruth Wiedner-Runo

"Ich kann wieder sehen." Bei diesem Satz leuchten die Augen von Franz Thoren. Er ist Mitgründer und Vorsitzender des Korschenbroicher Vereins "Augenhilfe Afrika". Der Hilfsverein ist angetreten, um Blinden in Kamerun zu helfen. Und wie einfach das sein kann, Blinde wieder sehend zu machen, das hat Franz Thoren jetzt bei seinem Aufenthalt in Eseka hautnah miterleben dürfen. "Bei der Hilfskampagne konnte wieder 50 Patienten erfolgreich geholfen werden", zieht Thoren zufrieden Bilanz. Bei den Betroffenen handelt es sich um Menschen aller Altersgruppen, die durch einen Grauen Star erblindet sind und nach einem kleinen medizinischen Eingriff wieder sehen können.

Franz Thoren, von Haus aus Naturwissenschaftler, der sachorientiert und zielführend seine Aufgaben angeht, ist bewegt, dass der Korschenbroicher Verein mit geringem finanziellen Aufwand Großes bewegen kann. "Lediglich 50 Euro werden für eine Augen-Operation in Afrika benötigt." Und so wird Thoren auch nicht müde, um Unterstützung zu werben: "Jubiläen, Geburtstage, Hochzeiten und selbst Trauerfälle bieten sich für Spenden an. Als unser Vater Karl gestorben ist, haben wir uns als Kinder auch gegen Kränze ausgesprochen und für eine Augenhilfe-Spende geworben." Für den 64-Jährigen war es bei allem Schmerz auch ein kleiner Trost: "So konnte mein Vater selbst über seinen Tod hinaus noch etwas Gutes tun."

Die "Augenhilfe Afrika" hat seit ihrer Gründung bereits 4017 Augenuntersuchungen und 612 Star-Operation finanzieren können. "Unser Ziel ist es, pro Jahr vier Operations-Kampagnen im Kampf gegen die Blindheit zu unterstützen", skizziert Franz Thoren das von den 18 Mitgliedern im September 2013 verabredete Ziel. Dass jeder Spenden-Euro auch dort ankommt, wo er hin soll, dafür verbürgt sich der Korschenbroicher persönlich. Der Vereinsvorsitzende hat sich bereits ein zweites Mal - natürlich auf eigene Kosten - von der "guten Arbeit" vor Ort überzeugt.

Der Vereinschef versteht seinen Besuch in Kamerun aber nicht als Kontrolle, für Franz Thoren ist es ein Besuch bei Freunden - bei den beiden Augenärzten Dr. Raoul Cheuteu und Dr. Giles Kagmeni. Sie betreiben in Yaundé, der Hauptstadt Kameruns, eine mobile Augenklinik. Überhaupt hat Raoul Cheuteu den Anstoß für das Engagement der Korschenbroicher Schützen gegeben. Für ihn ist es eine Verpflichtung, sich in seiner Heimat ehrenamtlich zu engagieren. Er konnte mit der finanziellen Unterstützung der Familie Otten in Deutschland studieren, fühlt sich mittlerweile wie ein "Adoptivsohn" und marschiert seit gut zehn Jahren bei Unges Pengste im Jägerzug "Pappköpp" durch Korschenbroich. So nutzte der Mediziner auch das Pfingstfest in Korschenbroich, um die nötigen Kontakte zu schmieden. "Kannst Du mir helfen?", lautete seine knappe und direkte Frage. Franz Thoren schmunzelt und erzählt im Gespräch mit unserer Redaktion: "Ich weiß es noch genau, es war Pfingstmittwoch im Zelt, als er mich so ansprach." Die Antwort hatte der Augenarzt nicht einmal abgewartet, er musste zum Flughafen. Doch sein Anliegen war bei Franz Thoren bestens platziert. Danach setzte eine Art Schneeball-Effekt ein: "Mein Vetter Horst hatte die Idee für den Vereinsnamen, er holte noch am gleichen Abend Josef Cremer als (späteren) Kassierer mit ins Boot. Wir drei haben die Satzung erarbeitet und die Gründung für September 2013 vorbereitet."

Franz Thoren, der seit 30 Jahren berufsbedingt in der Nähe von Stuttgart lebt, aber regelmäßig in Korschenbroich Station macht, ist überzeugt: "Das war die perfekte Idee. Der Erfolg gibt uns recht." Und da ist sie wieder, die Demut, die den Vorsitzenden ereilt: "100 Prozent der Operationen sind erfolgreich. Es sind einfach bewegende Momente - Momente, die Gänsehaut erzeugen, wenn ein Patient sagt, ich kann sehen." Dabei hat die viertägige Kampagne aus seiner Sicht schon fast Fließband-Charakter. Eine Operation dauert gerade mal zwölf Minuten.

Der Hilfseinsatz fand dieses Mal in Eseka, in einem kleinen Urwald-Krankenhaus, statt. Während die Patienten im Freien unter einem Vordach im Schatten geduldig auf die Untersuchung warteten, standen dem Team um Raoul Cheuteu vier karge Räume zur Verfügung. Ergänzt wird die Hilfe mittlerweile durch ein Optiker-Angebot. Während die eigentliche Werkstatt zur Augenklinik in Yaundé gehört, geht sie für die Kampagne mit auf Tour. Auch darin sieht Franz Thoren eine sinnvolle Ergänzung. Maßgebliche Unterstützung kam hier von dem pensionierten Optiker Max Heinrichs aus Raderbroich. Dass man mittlerweile nach dem Eingriff auch direkt Brillen anpassen kann, ist für Cheuteu ein großer Fortschritt.

50 Euro kostet eine OP mit Vor- und Nachbehandlung. "Für die Medikamente von etwa 20 Euro muss aber jeder selber aufkommen. Das ist wichtig für das Selbstwertgefühl der Patienten", erklärt der Korschenbroicher, dabei erinnert er sich an eine sechsfache Mutter. "Auch sie war am Grauen Star erblindet. Nach der OP in Eseka konnte sie ihr jüngstes Kind überhaupt zum ersten Mal sehen. Auch das war Gänsehaut pur."

Quelle: NGZ
 
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