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Korschenbroich
Anlaufstelle für Familien mit Problemen

Korschenbroich: Anlaufstelle für Familien mit Problemen
Ulrike Kneip (links) und Petra Stevens im Werkraum der Korschenbroicher Praxis "SmiLe": Dort können die Ratsuchenden beim kreativen Gestalten von ihren Problemen loslassen und eine unbeschwerte Zeit verbringen. FOTO: Detlef Ilgner
Korschenbroich. Seit zehn Jahren gibt es die Praxis "SmiLe". Dort finden Eltern Hilfe, die Rat bei der Erziehung ihrer Kinder suchen oder vom Kreisjugendamt dorthin vermittelt werden. Ziel ist es, neue Perspektiven aufzuzeigen, um Krisen zu überwinden. Von Christian Lingen

Ein bisschen versteckt liegt das kleine Haus an der Rochusstraße. Nur über eine Hofeinfahrt ist es zu erreichen. Wer den Weg dorthin findet, der findet schon im Garten davor eine gemütlich entspannte Atmosphäre vor. Einmal über die Schwelle getreten, maximiert sich dieses Gefühl. Es öffnet sich eine heile Welt, eine liebevoll eingerichtete Wohnung, in der auch eine ganz normale Familie leben könnte. Doch in dem kleinen Haus wohnt niemand. Es ist der Arbeitsplatz der Praxis "SmiLe", einem freien Träger der ambulanten Jugendhilfe für den Rhein-Kreis Neuss. Heute feiert die Einrichtung ihr zehnjähriges Bestehen mit Familien, die dort schon betreut wurden. "Wir arbeiten gerne und gut mit der Praxis zusammen. Sie ist eine fachlich kompetente und solide Einrichtung", sagt ein Mitarbeiter des Kreisjugendamtes.

"Angefangen mit meiner Arbeit habe ich schon 1998 in Neuss. Seit 2007 bin ich in Korschenbroich und habe hier meine Praxis", erzählt Petra Stevens, Chefin der Einrichtung. Die Kunden, die den Weg dorthin finden, sind Familien, Jugendliche, Paare und Alleinerziehende, die Hilfe brauchen. Manche kommen von alleine, andere werden von den Jugendämtern der umliegenden Städte dorthin empfohlen. Einmal in der Praxis angekommen, geht es nicht darum, den Betroffenen zu zeigen, was sie vielleicht falsch machen und mit Vorwürfen zu konfrontieren. Es geht um das Gegenteil. "Wir erklären den Eltern das Positive und zeigen, wie man Dinge ändern kann. Es geht um das Zutrauen in den Familien. Es gibt keinen Standard, der erreicht werden muss. Jeder macht das, was er kann", sagt Mitarbeiterin Ulrike Kneip.

Die Kunden der Praxis erleben bei ihren Besuchen nicht immer ein Gespräch eins zu eins. Die Atmosphäre ist viel entspannter. So gibt es zum Beispiel eine Küche, in der gemeinsam gekocht wird. Manchmal auch nur mit Kindern oder nur mit Müttern. Dabei geht es weniger darum, zu zeigen, wie gesunde Ernährung funktioniert. Vielmehr steht im Fokus, einmal unbeschwert Zeit miteinander zu verbringen und Probleme für eine Zeit zu vergessen. Das zeigt oft neue Wege auf. Gleiches gilt für einen Werkraum. Dort wird getöpfert, gemalt, genäht oder kreativ gestaltet. Und dann gibt es da noch das Zimmer im Dachgeschoss. Dort können die Kinder spielen. Für die Jugendlichen gibt es eine coole Sitzecke. "Hier findet pädagogisches Chillen statt", sagt Petra Stevens.

Die Ratsuchenden, die erst durch das Kreisjugendamt den Weg zu "SmiLe" finden, seien oft froh, dass man sie dorthin verwiesen hat. "Wir versuchen, die Familien zu stabilisieren und ihnen neue Wege aufzuzeigen. Oft liegen die Ursachen für Probleme irgendwo ganz anders", sagt Stevens. Das Ziel ist es, dass Kinder in ihren Familien bleiben und bei ihren Eltern aufwachsen können. Die beruhigende Atmosphäre im Haus trägt dazu bei, dass dieses Ziel in den vergangenen zehn Jahren schon oft erreicht werden konnte. Damit es so weitergeht, kümmert sich ein sechsköpfiges Team um die Familien, die in die Praxis kommen.

Quelle: NGZ
 
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