| 00.00 Uhr

Korschenbroich
Auf den Spuren eines Freiheitskämpfers

Korschenbroich: Auf den Spuren eines Freiheitskämpfers
Christa Holthausen zeigt ihr altes Fachwerkhaus an der Bruchstraße in Neersbroich: In den 1990er Jahren hat sie das Haus mit ihrem Mann aufwendig restauriert. Auch Hund Hermann fühlt sich dort wohl. lothar berns FOTO: Berns, Lothar (lber)
Korschenbroich. Der Hof Wienes gehört neben dem Kuhlenhof und der Vikarie zu den ältesten Häusern in Korschenbroich. Der Gladbacher Freiheitskämpfer Vit Gilles suchte im 17. Jahrhundert während des 30-jährigen Krieges Schutz auf dem Hof. Von Marion Lisken-Pruss

"Oh je, da hat es gebrannt!" Das hat manch ein Bürger vermutet, als er Mitte der 1990er Jahre am alten Fachwerkhaus in der Bruchstraße in Neersbroich vorbeispazierte. Tatsächlich stand dort nur noch ein hölzernes Hausgerippe - doch abgebrannt war es nicht. Vielmehr steckten Christa und Klaus Holthausen gerade mitten in der Restaurierung ihres niederrheinischen Hallenhauses und hatten die Gefache - die Räume zwischen den Holzbalken - freigelegt.

So blieb nur noch das Holzgerippe übrig; das Haus war quasi nackt. "Zu dieser Zeit hatten wir oft die Nase gestrichen voll", erinnert sich Christa Holthausen. Fast erstaunt blickt sie zurück, mit wie viel Herzblut und Idealismus sie die Restaurierung des einst baufälligen Hauses angegangen waren. "Ohne die Hilfe unserer Freunde und Verwandten hätten wir das kaum geschafft", sagt sie.

Aber bereut haben sie und ihr Mann es nicht, dass sie über drei Jahre hinweg ihre ganze Freizeit und viel Geld in das Haus investiert haben. Denn für die Eheleute stand von Anfang an fest, dass sie nicht in einem Neubau wohnen wollen.

Entsprechend groß war der Glücksmoment gewesen, als sie 1994 den Zuschlag für das Fachwerkhaus erhielten. "Die Vorbesitzerin hatte eine Schublade voll mit Visitenkarten von Interessenten." Doch das dicke Ende kam erst noch. Kaum war der Kaufvertrag unterschrieben, stürzte ein Teil des Daches ein. Die neuen Hausbesitzer trugen es mit Fassung. "Das Dach hätten wir sowieso abreißen müssen", erzählt Christa Holthausen.

Wie alt das Gebäude tatsächlich ist, weiß niemand so genau. Vermutlich stammt es aus dem Jahre 1576, denn diese Jahreszahl birgt der Balken über dem Türsturz. Einzige Frage: Gehört der Balken tatsächlich original zum Hof Wienes oder stammt er aus einem anderen Haus und wurde wieder verbaut? "Das Gebäude war ursprünglich viel kleiner. Im Laufe der Jahrhunderte ist es durch Anbauten vergrößert worden", berichtet Christa Holthausen. Gut möglich also, dass der älteste Teil des Hauses tatsächlich aus dem 16. Jahrhundert stammt.

Damit würde es neben dem Kuhlenhof und der Vikarie zu den ältesten Häusern Korschenbroichs zählen. Wer das Haus erbaut hatte, konnte Christa Holthausen bislang nicht herausfinden. Vergeblich hat sie im Korschenbroicher Stadtarchiv und in alten Büchern nach den Vorbesitzern geforscht. Einen Hinweis liefern die für Fachwerkhäuser untypisch hohen Zimmerdecken. "Sie könnten ein Indiz dafür sein, dass Weber in dem Haus gelebt und gearbeitet hatten", sagt Christa Holthausen. Denn die hohen Zimmer boten Platz genug für die großen Webstühle.

Ein besonderer Gast des Hauses jedoch ist namentlich bekannt: Vit Gilles. Der Kupferschmied aus Mönchengladbach soll zur Zeit des 30-jährigen Krieges (von 1618 bis 1648) ein Freiheitskämpfer gewesen sein. Nicht nur in Tunnelsystemen hat Vit Gilles Schutz gesucht, sondern auch auf dem Hof Wienes.

Quelle: NGZ
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Korschenbroich: Auf den Spuren eines Freiheitskämpfers


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.