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Korschenbroich
Autofasten als Zeit der Einkehr

Korschenbroich. Meike Hamacher verzichtet bereits seit fünf Wochen auf ihren Wagen.

Wenn es doch nur der Fernseher wäre: Sechs Wochen auf die Flimmerkiste zu verzichten hätte Meike Hamacher nicht viel ausgemacht. Mit dem Pkw sieht das anders aus. "Ich fahre gerne Auto", gibt die Kleinenbroicherin zu. Trotzdem hat sie sich dazu entschieden, dem Aufruf der Initiative "41352 - Einfach besser leben" zu folgen, das Auto für sechseinhalb Wochen stehen zu lassen und während der Fastenzeit aufs Fahrrad umzusteigen.

"Ich finde die Idee richtig und möchte sie unterstützen", betont sie. Den Entschluss habe sie sich aber nicht leicht gemacht. Täglich radelt sie zehn Kilometer bis zur Rheydter Straße in Mönchengladbach, wo sie als Ökotrophologin an der Hochschule Niederrhein arbeitet. "Es ist schwierig, die beruflichen Termine zu koordinieren", lautet ihre Erfahrung nach drei Wochen ohne Auto. Denn manchmal muss sie auch zur Hochschule nach Krefeld fahren, und dafür braucht sie mit dem Rad immerhin eine gute Stunde. Und so habe das Autofasten dazu geführt, dass sie ihren Terminkalender kritisch hinterfrage, sagt Meike Hamacher: Muss der Terminkalender immer so voll sein? Muss man stets persönlich vor Ort erscheinen? Reicht eine Videokonferenz nicht aus? "Das Autofasten ist auch eine Zeit der Einkehr, die viele Fragen nach der persönlichen Lebensführung aufwirft", resümiert sie. Gerade diese Einkehr wertet sie als großen Gewinn der Aktion. Und freut sich gleichzeitig über zwei weitere Aspekte: "Ich schone die Umwelt und tue etwas für meine Fitness", sagt sie.

Dabei gibt Meike Hamacher offen zu, dass es ihr schwer fällt, aufs Auto zu verzichten. Doch aufgeben kommt für sie nicht infrage. "Ich verzichte und muss klar kommen", lautet ihre Devise. Damit sie gar nicht erst in Versuchung gerät und das Autofasten nicht bricht, hat sie ihren Wagen an ihre Tochter verliehen. Nur einmal sei sie bisher mit dem Auto gefahren, als sie einen wichtigen Termin im fast 90 Kilometer entfernten Bad Godesberg wahrnehmen musste, erzählt sie. Wenn sie Freunde in Neuss und Düsseldorf besucht, steigt sie um auf Bus und Bahn. Eine Freundin in Jülich hat sie jedoch auf die Zeit nach Ostern vertröstet. "Da wäre ich zu lange unterwegs."

Nach fünf Wochen ohne Auto zieht sie eine insgesamt positive Bilanz: "Ich bereue es nicht", sagt sie. Vielleicht würde sie sogar noch einmal Autofasten. "Aber nicht im nächsten Jahr", sagt sie lachend.

(drlp)
 
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