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Korschenbroich
Baumanns Familiensaga führt ins Korschenbroich der 1950er zurück

Korschenbroich. Toni Baumann ist ein Erzähler von klassisch niederrheinischer Couleur. "Von 1938 bis 1958 habe ich in Korschenbroich gelebt, und diese Jahre waren prägend", erzählte der Schriftsteller, der zu den Korschenbroicher Geschichten genüsslich ins hiesige Platt überging. Im Kulturbahnhof stellte der 80-Jährige seinen Roman und einige alte Geschichten vor. Er selbst hat in Neersbroich als Weber gearbeitet.

Zur Lesung plauderte der Autor der Familiensaga "Johannes und Hiltrud" über Beweggründe und Hintergründe, während der 15-jährige Konstantin als sein Assistent den Lese-Part übernahm. Toni Baumanns Augen können als Folge eines Diabetes das Kleingeschriebene nicht mehr so recht lesen. Der junge Vorleser stellte Auszüge des zweibändigen Romans vor. Der erste Teil ist im 11. Jahrhundert angesiedelt und erzählt vom freien Bauer Johannes, der die 16-jährige Magd Hiltrud auf seinen Hof bei Speyer holt. Sie wird dieLiebe seines Lebens. Als der Bauer 40 Jahre später stirbt, verspricht er ihr ein Wiedersehen, und sei es erst in 1000 Jahren.

Der zweite Band führt ins Korschenbroich von 1957. Dort trifft Josef, Spätheimkehrer aus der Kriegsgefangenschaft, die 21-jährige Anna und hat das Gefühl, sie irgendwie zu kennen. Wie weit die Begegnung mit dem ersten Band verwoben ist, mochte der Autor nicht verraten. Mit verschmitztem Lächeln verwies er stattdessen auf sein Buch. Baumann berichtete jedoch, wie er das Leben der Flüchtlinge, die damals in Raderbroich untergebracht waren, in der Geschichte verarbeitet hat.

Die Geschichten um das alte Korschenbroich sind noch nicht veröffentlicht. Der Schriftsteller bat, ihm Erzählungen zur Verfügung zu stellen. Wiederum las Konstantin aus dem geschriebenen Fundus.

Die Geschichten haben den Charme, dass die genannten Ortsteile bestens vertraut sind. Hier habe er alles niedergeschrieben, was ihm die alten Leute als wirklich geschehen und schaurige Geschichten erzählt hätten, sagte der Autor. In Neersbroich habe es früher viele Weber gegeben, so der 80-Jährige, der in der väterlichen Hausweberei den Beruf erlernt und nach den Krisen der Textilindustrie als Zollbeamter einen Neuanfang gewagt hatte. Als Baumann die Sage eines über Nacht im Sumpf versunkenen Schlosses auftischte, wusste ein Besucher noch ein Anekdötchen mehr zu berichten: Den Liedberg habe ein Riese mit einem Spatenstich hingesetzt, sagte der Gast. Er bezog sich schelmisch auf den Großvater, und der habe immer Recht gehabt.

(anw)
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