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Korschenbroich
Behinderte in der Stadt haben eine neue Stimme

Korschenbroich: Behinderte in der Stadt haben eine neue Stimme
Er will sich als ehrenamtlicher Beauftragter der Stadt Korschenbroich für die Belange der Behinderten einsetzen: Berthold Tumbrink (61). FOTO: L. berns
Korschenbroich. Berthold Tumbrink hat in der Wohlfahrtspflege viele Erfahrungen sammeln können. Die will er als Behindertenbeauftragter umsetzen. Von Rudolf Barnholt

Um Menschen mit Behinderungen hatte sich Berthold Tumbrink mehr als ein halbes Berufsleben lang gekümmert: In der NRW-Stiftung Wohlfahrtspflege, die aus Gewinnen der öffentlich-rechtlichen Spielbanken gespeist wird, hat er die unterschiedlichsten Projekte gefördert - ihm standen rund 25 Millionen Euro im Jahr zur Verfügung. Jetzt ist Berthold Tumbrink pensioniert und bringt seine Erfahrungen als Behindertenbeauftragter der Stadt Korschenbroich ein.

Der Nachfolger von Siegbert Schmitz ist 61 Jahre alt. Auf eine schwere Erkrankung folgte die Frühpensionierung. Der Gesundheitszustand ist mittlerweile stabil - und Berthold Tumbrink voller Tatendrang. Selbstverständlich hilft er Menschen beim Ausfüllen von Formularen, er kennt das Schwerbehindertenrecht aus dem Effeff. Aber er möchte auch dickere Bretter bohren vor dem Hintergrund der UN-Behindertenrechtskonventionen, die als Ziel gleiche Lebensbedingungen für Behinderte und Menschen ohne Behinderungen haben. Berthold Tumbrink könnte also ein eher unbequemer Behindertenbeauftragter werden. Von der Verwaltung ist er bis jetzt sehr angetan: "Man hat jederzeit ein offenes Ohr für mich."

Ein politischer Mensch war der 61-Jährige schon immer, er mischt bei den Korschenbroicher Grünen mit. Im Zusammenhang mit dem Bau eines integrativen Kindergartens hatte er Verbesserungsvorschläge gemacht und stellt jetzt zufrieden fest: "Man ist auf meine Vorschläge eingegangen." Und: "Der Standard in Korschenbroich ist sicher nicht unterdurchschnittlich." Viele Bushaltestellen seien schon behindertengerecht umgestaltet worden. So viel Zufriedenheit bedeutet allerdings nicht, dass Berthold Tumbrink nicht noch jede Menge Handlungsbedarf sieht. Er nennt ein Beispiel: "Die Sebastianusstraße mit dem Rollstuhl zu befahren, ist ein Problem." Man werde da tüchtig durchgeschüttelt. Tumbrink weiß, dass hier nicht von heute auf morgen für Abhilfe gesorgt werden kann. Sein Credo: "Wir müssen als Stadt frühzeitig die Belange von Behinderten und Senioren berücksichtigen." Das gelte besonders für die Entwicklung von neuen Baugebieten. Er weist darauf hin, dass davon nicht nur Behinderte profitieren: "Von Maßnahmen, die den Rollstuhlfahrern das Leben etwas leichter machen, haben auch Mütter mit Kinderwagen oder Radfahrer etwas." Tumbrink möchte Politik und Verwaltung dafür sensibilisieren, bei allen Entscheidungen die Behinderten im Blick zu haben.

Der 61-Jährige, der gern Doppelkopf spielt und seit mehr als 20 Jahren eine Dauerkarte für die Spiele von Borussia Mönchengladbach hat, plant seine persönliche Zukunft ebenfalls weitsichtig: Sein Einfamilienhaus in Kleinenbroich hat der Ehemann und Vater dreier Töchter gegen eine Wohnung in Korschenbroich eingetauscht. Alles ist behindertengerecht: "Meine Frau und ich wollen so unseren Lebensabend verbringen."

Quelle: NGZ
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