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Jüchen
Bergschäden kommen ins Visier

Jüchen: Bergschäden kommen ins Visier
Bis 2045 soll der Tagebau Garzweiler II Menschen Arbeit bieten. Doch was kommt danach? Über wirtschaftliche Perspektiven des Braunkohlereviers soll eine neue Arbeitsgruppe nachdenken, der auch Jüchen angehört. FOTO: RPO
Jüchen. Wie der Tagebau in der Region Bergschäden verursacht, soll besser überwacht werden. Jüchens Bürgermeister ist in einer neuen Arbeitsgruppe, die über die Wirtschaftsstruktur nach Abzug der Bagger grübelt. Von Holger Hintzen

Für Jüchens Bürgermeister Harald Zillikens ist es eine willkommene Dreingabe, was der Braunkohleausschuss in seiner jüngsten Sitzung gefordert hat: Im gesamten rheinischen Tagebaurevier soll künftig besser überwacht werden, in welchem Umfang die Baggerei nach Kohle in der Region zu Bergschäden führt – will heißen: beispielsweise durch Bodenabsenkungen Risse in Wände und Fassaden von Häusern treibt.

Solche Nebenwirkungen sollen ähnlich umfassend beobachtet und dokumentiert werden, wie es seit vielen Jahren schon das Grundwasser-Monitoring mit Blick auf die Folgen für Ökologie und Wasserwirtschaft in der Region tut.

"Noch einen draufgesetzt"

"Der Braunkohleausschuss hat noch einen draufgesetzt", meint Zillikens. Denn für Hausbesitzer, die einen möglichen Bergschaden klären wollen, gibt es bereits seit September vorigen Jahres die Anrufungsstelle für Bergschadensbetroffene. Das Gremium unter der Leitung eines Ex-Gerichtspräsidenten besteht aus Vertretern von RWE Power sowie Bergschaden-Betroffenen – und bleibt weiterhin eine Instanz, die Streitigkeiten zwischen möglicherweise Betroffenen und RWE schlichten kann.

Die Forderung nach einer umfassenderen Beobachtung des Problems kommt nicht nur Jüchens Bürgermeister gelegen. Auch die Nachbarn Mönchengladbach und Erkelenz haben sich für ein Bergschadensmonitoring stark gemacht. "Die noch Jahrzehnte über den aktiven Bergbau hinaus andauernden Einflüsse des Bergbaus unterstreichen die Notwendigkeit eine regelmäßigen Dokumentation.

Dabei spielt die Prognose von Geländewiederanstiegen und künftigen Grundwasserständen für planerische Grundlagen bereits heute eine wichtige Rolle", findet die Stadt Mönchengladbach. Der große Nachbar soll nach eigenen Angaben beim Monitoring genauso mitmischen wie Jüchen, der Erftverband, Ministerien und Interessenvertretungen von Bergschadensbetroffenen.

Weit in die Zukunft schauen soll auch die neue Arbeitsgruppe "Innovationsregion Rheinisches Revier", in der Harald Zillikens die Gemeinde Jüchen vertritt. Die fügt sich in ein Programm ein, mit dem die Landesregierung Perspektiven für die wirtschaftliche Entwicklung des Tagebaureviers für die Zeit nach dem großen Baggern entwickeln will. Nach den bisherigen Plänen soll Garzweiler II 2045 ausgekohlt sein. Politiker, Vertreter von Kommunen, Industrie- und Handelskammer, Gewerkschaften, RWE Power und Umweltverbände sollen Anstöße dazu geben. Immerhin sind derzeit alleine im Kreis Neuss etwa 2000 Menschen mit ihren Arbeitsplätzen unmittelbar vom Braunkohletagebau abhängig. Im gesamten rheinischen Revier sind es nach Angaben der Landesregierung mehr als 12 000.

Quelle: RP
 
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