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Korschenbroich
Besondere Anblicke im Kulturbahnhof

Korschenbroich. Um besondere Blickwinkel und ungewöhnliche Perspektiven geht es in einer Ausstellung im Korschenbroicher Kulturbahnhof. 14 Fotografen zeigen seit gestern ihre aktuellen Arbeiten. Alle Fotos wurden am Computer bearbeitet. Von Marion Lisken-Pruss

Der Düsseldorfer Funkturm auf der Fotografie von Michael Hecker springt sofort ins Auge. Nicht weil das Motiv aus der Nachbarstadt besonders spektakulär wäre, sondern weil der Turm sich vor dem Nachthimmel zur Seite neigt und in drei Teile zerbricht. Das ist es auch, worum es in der aktuellen Foto-Ausstellung im Kulturbahnhof geht: Um besondere Anblicke und außergewöhnliche Perspektiven. Um Fotografien also, die ihre Motive verfremden oder aus ganz ungewöhnlichen Blickwinkeln zeigen, und die teils aus der Distanz, teils mit dem Telezoom, mit der High-Key-Technik oder in HD-Technik aufgenommen wurden.

Eines haben alle Fotografien gemeinsam: Ihre Fotografen haben sie am Computer bearbeitet. So wie das Foto "Yosemite Park", das Michael Hecker 2015 in den USA aufgenommen hat. Wobei das so gar nicht stimmt: Er hat 50 Aufnahmen des nächtlichen Sternenhimmels gemacht, und das über zwei Stunden hinweg, und diese anschließend am Computer zusammengefügt. So entsteht auf der Fotografie der Eindruck, als würde sich die Erde unter den Sternen drehen und schließlich ins Weltall gesogen. "Dazu braucht man Geduld und eine warme Jacke", sagt Michael Hecker über die nächtliche Fotositzung.

Hecker ist Vorsitzender des Fotoclubs BTC (Benrather Tennis Club), der die Betriebssportgemeinschaft für Mitarbeiter der 3M Deutschland ist und Fotografie als eine seiner Sparten anbietet. Zusammen mit 13 anderen Vereinskollegen zeigt er nun seine aktuellen Fotoarbeiten im Kulturbahnhof.

In einer Zeit, in der am Computer fast alles möglich scheint, rücken andere Talente in den Fokus - die Fähigkeit, ein lohnendes Motiv überhaupt erst zu erkennen und anschließend die Inspiration zu haben, das Foto entsprechend zu bearbeiten. Besonders beeindruckend aber bleiben die Fotografien, die bei herkömmlichen Motiven ausgefallene Aspekte betonen und so unsere traditionelle Sichtweise in Frage stellen: Wie das Detailfoto eines Aufzugs in Valencia von Uwe Sälzle, das an eine Raumstation erinnert; wie der Blick in den nächtlichen Eiffelturm, in den Innenhof eines italienischen Palazzo, in die Kuppel des Bahnhofs von Antwerpen oder in Treppenhäuser, die sich viele Stockwerke in die Höhe schrauben.

Antje Terhaag, die sich in Düsseldorf bereits einen Namen als Fotografin gemacht und den Düsseldorfer Fotomarathon organisiert hat, stellt zwei Winterlandschaften aus. Sie sind in High-Key-Technik fotografiert, bei der die hellen Tonwerte dominieren. Wie eine Radierung mutet diese zarte Arbeit an. Es sei ganz unterschiedlich, wie lange sie am Computer sitzen, erzählen die Fotografen. Manchmal gelinge die Bearbeitung auf Anhieb, manchmal brauche man Stunden dafür. Hobbyfotografie mit dem Handy ist jedenfalls meilenweit davon entfernt.

Quelle: NGZ
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