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Korschenbroich
Bewährung für den kranken Brandstifter

Korschenbroich. Der 38-Jährige, der Feuer auf einem Pferdehof gelegt hatte, zieht unter Auflagen in ein Klinik-Wohnheim. Von Christian Kandzorra

Die Hauptverhandlung im Prozess um die Brandstiftung auf einem Reiterhof an der Zollhausstraße in Korschenbroich wurde gestern am Landgericht in Düsseldorf beendet. Ein 38 Jahre alter, psychisch kranker Mann aus Mönchengladbach hatte die Tat vom 31. Januar kurz nach seiner Festnahme wenige Tage nach dem Großbrand gestanden. Er gilt als schuldunfähig. Richterin Pascale Wierum verkündete gestern ihr Urteil: Die Maßregel soll zu einer fünfjährigen Bewährung mit verschiedenen Auflagen ausgesetzt und der Beschuldigte im Betreuten Wohnheim einer Psychiatrischen Klinik in Duisburg untergebracht werden.

Die vergangenen sechs Monate musste der Angeklagte in der geschlossenen Psychiatrie verbringen. Mit dem Umzug in das Wohnheim soll er die Chance erhalten, sein Leben und auch seine Krankheit - eine Schizophrenie mit paranoiden Wahnideen - in den Griff zu bekommen. Jetzt muss er nachweisen, dass er seine Medikamente regelmäßig nimmt und sich an weitere Auflagen hält. Das soll dem Schutz der Allgemeinheit und dem Schutz vor sich selbst dienen. Sowohl der Staatsanwalt Christoph Kumpa als auch der Verteidiger des Angeklagten, der Kleinenbroicher Rechtsanwalt Hans Bert Heimanns, waren sich zuvor einig geworden und hatten entsprechende Anträge an die Große Strafkammer gestellt. Am letzten Tag der Hauptverhandlung hörte das Gericht noch einen Zeugen: Den zum Tatzeitpunkt zuständigen Brandermittler der Polizei Neuss. "Es sollte nicht das Ziel sein, den Angeklagten in den Knast zu bringen. Viel wichtiger ist, dass ihm geholfen wird", betonte der Kommissar. Er war zwei Tage nach dem Feuer, bei dem weite Teile des Futtervorrats des Pferdehofes vernichtet und die Lagerhalle teilweise zerstört worden waren, zur Beweisaufnahme am Tatort - da, wo sich der Mann aus Mönchengladbach wenige Tage später erneut blicken ließ. Ursprünglich - so habe er ausgesagt - hätten ihm Stimmen befohlen, zum Reiterhof zu gehen und das Stroh anzustecken. Außerdem sei er den Lichtern der Autos gefolgt. Als er erneut zum Tatort kam, habe er den Befehl bekommen, auf den Hof zu spucken.

Dabei war der Kapuzenträger von mehreren Menschen, darunter auch von der Hofbesitzerin, beobachtet worden. Der Mann, der als Kind auf dem Hof reiten war und den Eigentümer nicht mochte, konnte vor Ort von der Polizei festgenommen werden. Wenige Wochen davor habe er eigenmächtig seine Medikamente abgesetzt.

Jetzt werde dem Beschuldigten nach Auskunft seines Verteidigers bewusst, was er angestellt hat und wie wichtig es ist, dass er seine Medikamente nimmt. Der Mönchengladbacher selbst entschuldigte sich vor Gericht - auch in Anwesenheit der Hofbesitzerin: "Es tut mir sehr leid. Ich werde alles dafür tun, dass so etwas nicht mehr vorkommt." In der geschlossenen Psychiatrie zeige sich der Mann nach Auskunft seines Psychologen und eines Sachverständigen einsichtig. Die Unterbringung in einem betreuten Wohnheim soll ihm nun neuen Halt geben.

Quelle: NGZ
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