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Korschenbroich
Bolten-Altbier aus Neersbroich - so schmeckt die Heimat

Korschenbroich. In der Bolten-Brauerei in Korschenbroich wird seit 1266 Bier gebraut - Altbier natürlich auch. Das Bier des Niederrheins. Von Angela Rietdorf

Bier braucht Heimat, heißt es. Und Bier ist Heimat, ein Geschmack typisch für eine Region, eine Landschaft, einen Menschenschlag. Für den Niederrhein ist es das Altbier, das dementsprechend inbrünstig auch in den Fangesängen der Borussia-Anhänger besungen wird. Für Torsten Schmidt, Braumeister bei Bolten in Korschenbroich, steht deshalb auch die Gleichung Altbier und Niederrhein unverrückbar fest. "Dieses Bier zu trinken heißt für mich auch, zur Heimat zu stehen und stolz auf die Gegend zu sein, in der man lebt", sagt der gebürtige Göttinger, der seit 28 Jahren bei Bolten arbeitet.

Prüfend hebt der Braumeister ein Glas mit Altbier gegen das Licht. Stimmt die Farbe? Ja, das Bier hat den richtigen goldbraunen Ton. Ist der Schaum feinporig genug? Passt auch. Sieht es trüb aus? Nein, glanzfein sei es, sagt Torsten Schmidt zufrieden. Ein sehr gutes Bier. Eins, das mit Leidenschaft gebraut wurde. Das sehen die Kunden offensichtlich genauso, denn der Absatz der Privatbrauerei, die sich stolz älteste Altbierbrauerei der Welt nennen kann, steigt seit Jahren an. 50.000 Hektoliter produziert die Korschenbroicher Brauerei. 85 Prozent davon sind Altbier. Der Rest verteilt auf naturtrübe Biere: Uralt, das nicht filtrierte Alt, ein helles Landbier und ein ebensolches Weizen. Hergestellt wird das alles in einem wunderschönen alten Gebäude, das auch heute noch an der Stelle steht, an der Heinrich der Bauer im Jahr 1266 sein erstes Bier braute. Weil es damals das deutsche Reinheitsgebot noch nicht gab und Hopfen sowieso nicht zur Hand war, nutzte man zum Haltbarmachen und Würzen des Bieres "Grut", eine Mischung aus Sumpfkräutern wie Gandelkraut, Porsch, Roßkümmel, Lorbeer, Wacholder, Anis und Torf. Den heutigen Braumeister schüttelt es bei diesem Rezept. Nein, das habe er noch nicht ausprobiert. Schließlich gibt es ja Hopfen. Und natürlich Malz, Wasser und Hefe, um ein gutes Altbier zu brauen. Damit das Produkt den Vorstellungen des Brauers entspricht, gibt er den Hopfenlieferanten und Mälzereien, die zuliefern, den Säure- oder Stärkegehalt vor, den er haben will. "Generell geht der Trend hin zu weniger Hopfen", sagt Torsten Schmidt. Das spricht für das Altbier und gegen das Pils, denn grundsätzlich ist Altbier "milder in der Hopfung", wie der Fachmann erklärt.

Seine dunkle Farbe erhält das Altbier durch das dunkle Malz. Das ist stärker geröstet als helles und gibt dem Bier ein spezielles Aroma. Mit Malz und Wasser beginnt der Brauvorgang im Sudhaus der Brauerei. Erst werden die beiden Bestandteile gemischt und in der Würzepfanne erwärmt, dann im nebenstehenden Bottich geläutert, noch mal aufgekocht und mit Hopfenextrakt versetzt. Das Ergebnis dieser Prozesse wandert in riesige Gärtanks, wo die Hefe zugesetzt wird.

Die drei je zehn Meter hohen Tanks können insgesamt 70.000 Liter aufnehmen. Eine Woche gärt das Bier nun, jeden Tag nimmt der Braumeister eine Probe. Ist er zufrieden, wird das Bier noch drei Wochen lang bei einer konstanten Temperatur von zwei Grad gelagert. So reift es, und der typische Ge schmack kann sich entwickeln. Erst dann wird es in Flaschen oder Fässer abgefüllt, tritt seinen Weg zum Kunden an und kann endlich den Durst der Niederrheiner mit dem unverwechselbaren Geschmack der Heimat löschen.

Quelle: NGZ
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