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Korschenbroich
Bürgerforum: "Verteilerkästen sind eine Gefahr"

Korschenbroich: Bürgerforum: "Verteilerkästen sind eine Gefahr"
Verengung an der Josef-Thory- Straße in Kleinenbroich: Dort bleiben 68 Zentimeter Platz. Für Wilhelm Fischer (l.) und Gerd Sack eindeutig zu wenig. FOTO: Knappe
Korschenbroich. In die Diskussion um die Internet-Verteilerkästen schaltet sich das Bürgerforum Kleinenbroich ein: "Stadtbild wird verschandelt." Von Ruth Wiedner-Runo

Für Gerd Sack und Wilhelm Fischer ist es schon mehr als ein Schildbürgerstreich: "Die Internet-Kästen schießen hier wie unliebsame Pilze aus dem Boden. Wie viele es mittlerweile gibt und wo in der Stadt noch welche aufgestellt werden sollen - keiner weiß es genau", schimpft Wilhelm Fischer. Ihn stört dabei nicht nur die Optik: "Das ganze Stadtbild wird verschandelt." Und: Er fürchtet um die Sicherheit der Bürger. Dass dort Gefahrenquellen am laufenden Band produziert werden, sieht auch Gerd Sack so. Der Sprecher vom Bürgerforum Kleinenbroich hat ein aufwendiges Gesetzesstudium betrieben und stellt sachlich fest: "Hier wird gleich mehrfach geltendes Recht gebrochen."

Dabei bezieht sich der Kleinenbroicher unter anderem auf die vom Landesverkehrsministerium herausgegebenen Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen und auf die Empfehlungen für Fußgängerverkehrsanlagen. "Gesetze müssen eingehalten werden", betont Gerd Sack gegenüber unserer Redaktion und fordert von der Stadt, "die kritischen Stellen zeitnah zurückzubauen und weitere Gefahrenquellen im Vorfeld zu verhindern".

Grund für die Aufregung sind die aktuellen Aktivitäten der Deutschen Telekom. Sie stellt seit einigen Wochen im Stadtgebiet neue Verteilerkästen auf, um den Bürgern künftig schnelleres Internet bieten zu können. Die neuen, grauen Verteilerkästen, die für die VDSL-Vectoring-Technik benötigt werden, sind knapp 1,70 Meter hoch und reduzieren die Gehwegfläche um ein Vielfaches. "Wir haben nichts gegen ein optimales Internetangebot, im Gegenteil. Aber Gesetz und Sicherheit gehen vor", pocht Sack auf die Vorgaben. "In Korschenbroich sind die meisten Gehwege grundsätzlich zu schmal. Mit den neuen Kästen bleiben den Nutzern vielfach jedoch nicht einmal 70 Zentimeter." Für Wohnstraßen liegt die Wegbreite übrigens bei 2,50 Meter. "Davon sind wir weit entfernt", sagt Fischer und schüttelt den Kopf. Er hinterfragt kritisch: "Wie sollen Schulkinder mit Ranzen, Mütter mit Kinderwagen, Gehbehinderte mit Rollator oder Rollstuhl diese Engstellen passieren?" Was im Schadensfall passiert? "Hier haftet der Straßenbaulastträger, also die Stadt", sagt Sack, der auch die Politiker zur Schadensbegrenzung auffordert.

"Jeder Kasten, jeder Standort ist genehmigt und mit der Stadt abgesprochen", erklärt Telekom-Sprecher André Hofmann. Genervt merkt er weiter an: "Hier geht es um die digitale Zukunft. Entweder man will schnelles Internet oder wir lassen es." Der Ausbau des Breitbandnetzes wird auch von der Stadt "grundsätzlich" begrüßt, aber wohl nicht um jeden Preis. Georg Onkelbach erklärt auf Anfrage: "Wir nehmen die Hinweise und Bedenken der Bürger zu den neuen Verteilerkästen der Telekom ernst. Das Tiefbauamt kontrolliert vor Ort." Der Technische Beigeordnete versichert auch: "Sofern sich die Situation zum Zustand vor der Umrüstung für Fußgänger und hier insbesondere für Menschen mit Behinderung verschlechtert hat, werden Maßnahmen ergriffen, um den Ursprungszustand wiederherzustellen." Schließlich sei die Stadt seit Jahren bemüht, den barrierefreien Ausbau der Infrastruktur voranzutreiben.

Quelle: NGZ
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