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Korschenbroich
Computer statt Kreide und Tafeln

Korschenbroich: Computer statt Kreide und Tafeln
Im Oktober 1867 nahmen Ordensschwestern hier zum ersten Mal den Unterricht auf. 200 Taler zahlte die Gemeinde ihnen dafür jährlich als Gehalt. 1874 wurde den Ordensschwestern diese Aufgabe wieder entzogen. FOTO: L. Berns
Korschenbroich. Seit fast 150 Jahren wird in der alten Schule in Glehn unterrichtet. Während früher mit Kreide auf Schiefertafeln geschrieben wurde, kommen heute moderne Kommunikationstechnologien wie Computer und Tablets zum Einsatz. Von Marion Lisken-Pruss

Wo früher Kinder schreiben lernten, drücken heute Erwachsene die Schulbank. Als Sitz des Technologiezentrums Glehn verfügt das historische Gemäuer über moderne Kommunikationstechnologie. Seit fast 150 Jahren wird in der alten Schule in Glehnschon unterrichtet.

Es gibt Gebäude, die sind füreinander bestimmt: die Petronas Twin Towers in Kuala Lumpur zum Beispiel, oder die alte Schule und das ehemalige klösterliche Krankenhaus in Glehn. Und das kam so: Franz Arnold Weidenfeld, einst Besitzer des Ritterguts Birkhof, hatte vorgeschlagen, dass die zum Schulverband Glehn gehörenden Mädchen von geistlichen Ordensschwestern unterrichtet werden sollten. Er stiftete 1865 das Kloster als Unterkunft für die Ordensschwestern und knüpfte gleichzeitig eine Bedingung an seine gute Tat: Die Gemeinde musste aus eigenen Mitteln eine neue Schule bauen. Denn schon 30 Jahre vorher war das ursprüngliche Schulgebäude baufällig geworden, weshalb die Gemeinde die Lehrerwohnung in ein Schulzimmer umfunktioniert hatte. Eine neue Schule war also dringend notwendig.

4.450 Taler habe die Gemeinde für das Grundstück und das Haus mit vier Schulsälen bezahlt, schrieb Heimatforscher Jakob Bremer in seinem Buch über Liedberg. In der neuen Schule wurden zwei Knaben- und zwei Mädchenklassen und im Dachgeschoss eine Wohnung eingerichtet. Während die Jungen im Obergeschoss lernten, wurden die Mädchen in den beiden Zimmern im Erdgeschoss von zwei Ordensschwestern der Armen Dienstmägde Jesu Christi unterrichtet. Als sie im Oktober 1867 den Unterricht aufnahmen, trafen sie auf Klassengrößen, die heute undenkbar wären: Die I. Klasse von Schwester Luitgardis Jost besuchten 93 Mädchen, in der II. Klasse von Schwester Theresia Paffrath saßen 85 Mädchen. 200 Taler zahlte die Gemeinde den Schwestern jährlich als Gehalt sowie zusätzlich 22 Taler dafür, dass sie das Schulzimmer reinigten und heizten. Kinder, die mit Tinte schrieben, mussten den Schwestern halbjährlich einen Silbergroschen Tintengeld entrichten, da diese die Tinte zur Verfügung stellten. Ihre Tätigkeit als Lehrerinnen endete jedoch früher als geplant. 1874 wurde ihnen der Unterricht entzogen. Der Grund dafür war der Kulturkampf, der die Autonomie des Staates gegen geistliche Einflüsse und Ansprüche durchzusetzen versuchte, und der mit dem preußischen Schulaufsichtsgesetz den Einfluss der beiden christlichen Konfessionen auf die Schulen einschränkte. Fortan wurde der Unterricht weltlichen Lehrerinnen übertragen.

Noch heute sind das ehemalige Kloster und die alte Schule füreinander bestimmt, auch wenn Erwachsene die Schulbank drücken, und die Ordensschwestern Glehn längst verlassen haben. Denn seit 1986 nutzt das Technologiezentrum Glehn (TZG) beide Gebäude als Schulungszentrum. Mit Computern und iPads haben moderne Kommunikationstechnologien Einzug in die historischen Gemäuer gehalten.

Quelle: NGZ
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