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Korschenbroich
Der Milch-Hof mit der Blutbuche

Korschenbroich: Der Milch-Hof mit der Blutbuche
Mehrmals täglich schaut Milchbauer Helmut Jäger nach seinen Rindern auf dem Kommerhof in Rubbelrath. FOTO: M. Lisken-Pruss
Korschenbroich. In der sechsten Generation bewirtschaftet Tim-Oliver Jäger den Kommerhof in Steinforth-Rubbelrath. Der Familienbetrieb hat sich auf Milchkühe spezialisiert. Sie gehören zur Rasse der Deutschen Holsteiner. Von Marion Lisken-Pruss

Neugierig verfolgen die Kälbchen mit ihren braunen Kulleraugen die Besucher draußen vor dem Stall, und ein oder zwei tapsen sogar auf sie zu. Doch kraulen lassen, nein, das möchten sie sich dann doch nicht. Bei den älteren Rindern im Stall nebenan sieht das schon anders aus. Sie recken ihre Köpfe mutig durch die Gitter und lassen sich über ihre feuchten, schwarzen Nasen streicheln.

Rund 230 Kühe leben auf dem Kommerhof in Steinforth-Rubbelrath: 155 Milchkühe in einem hochmodernen Stall, der mit zwei Melkrobotern ausgestattet ist; und etwa 75 Kälbchen und Rinder in den Stallungen, die zur historischen Hofanlage gehören. "Kühe haben eine lange Tradition auf dem Kommerhof", sagt Milchbauer Helmut Jäger. Über viele Jahre haben er und seine Frau Doris den Hof geführt, bis sie die Betriebsleitung an ihren Sohn Tim-Oliver Jäger (35) übertragen haben.

Eltern, die den Hof an die nächste Generation übergeben, haben in der Landwirtschaft sogar einen eigenen Namen: Altenteiler heißen sie. Tim-Oliver bewirtschaftet den Hof jetzt in der sechsten Generation, nachdem seine Vorfahren die Hofanlage 1842 erworben hatten.

Sobald die Rinder das erste Mal gekalbt haben, wechseln sie zu den Kühen in den 2014 neu errichteten Stall mit den Melkrobotern. Denn Kühe geben erst dann Milch, nachdem sie ihr erstes Kälbchen geboren haben. Dass sein Sohn dies einst seiner Biologielehrerin erklären musste, lässt Helmut Jäger heute noch schmunzeln. "Die Nachzucht ist allerdings eine Wissenschaft für sich", gibt er zu.

Zwar bewahrt er den tiefgefrorenen Samen von mehreren Bullen auf dem Hof auf. Doch welcher Samen bei welcher Kuh zum Einsatz kommt, entscheidet er zusammen mit einem Zuchtberater. Dabei steht insbesondere das Wohl der Tiere im Vordergrund.

Klauengesundheit lautet da ein Auswahlkriterium, aber auch die Beckenbreite für einen reibungslosen Geburtsverlauf oder die Länge der Zitzen. Die ist wichtig, damit die Kühe ohne Schwierigkeiten vom Melkroboter gemolken werden können.

Diese Melkmaschinen in Form einer überdimensionalen Box suchen die Tiere von alleine auf. Ein Computer registriert dann, ob wirklich alle Kühe zum Melken gekommen und ob ihre Euter gesund sind. "Morgens und abends machen wir Kontrollgänge im Stall, schauen nach, wie es den Kühen geht und lesen ihre Daten im Computer aus", sagt Helmut Jäger. Dabei wird eines deutlich: Die Kühe müssen trotz Computer täglich 24 Stunden rund ums Jahr betreut werden.

Doch ganz alleine auf die Milchkühe verlassen möchten Vater und Sohn sich nicht. Als zweites Standbein bauen sie deshalb Weizen und Kartoffeln an sowie Mais und Gras, das dann als Futter für die Tiere dient. Das Wahrzeichen des Hofes ist übrigens eine imposante Blutbuche, die längst das stattliche Herrenhaus überragt. Wie alt sie ist, weiß niemand mehr so genau. Nur eins steht fest: Tim-Olivers Urgroßvater hat sie einst als junger Mann gepflanzt.

Quelle: NGZ
 
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