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Korschenbroich
Die Antonius-Kapelle ist das Herzstück der Nachbarschaft

Korschenbroich. Weil sie von der Pest verschont blieben, errichteten die Korschenbroicher 1636 aus Dankbarkeit die Antonius-Kapelle. Von Marion Lisken-Pruss

Das Leid der Bevölkerung muss immens gewesen sein - immer wieder kehrte die Pest an den Niederrhein zurück. 1623 war das Gebiet zwischen Neuss, Gladbach und Moers so verseucht, dass der Kurfürst von Köln unter Strafe verbot, diesen Landstrich zu betreten. So berichtet es der Heimatforscher Jakob Bremer in seinem Buch über Millendonk. Zehn Jahre später wütete die Pest erneut in der Region und raffte an manchen Orten ein Drittel der Bevölkerung hinweg.

Doch die Korschenbroicher blieben offenbar verschont. Deshalb erbauten sie voller Dankbarkeit dafür, dass die Seuche dort nicht ausgebrochen ist, 1636 an der Herrenshoffer Straße die Antonius-Kapelle. Schon 1572 wurde an dieser Stelle ein Tönisstock erwähnt, den Anwohner bei einer früheren Epidemie errichtet hatten. Der Schutzpatron der Kapelle ist "Antonius der Einsiedler", der auch die Beinamen "der Große" oder "Abbas" trägt. Im Mittelalter wurde er bei der Pest und anderen Seuchen um Beistand angerufen; er gilt als Schutzherr der Kranken und Armen sowie als Patron der Haustiere und Schweine. Das hat ihm im Volksmund den Namen Ferkes-Tünn eingebracht.

Antonius kam um 251 in Ägypten zur Welt und lebte später als Eremit in der Wüste, nachdem er alles Hab und Gut verschenkt hatte. Beim Heiligen Antonius droht allerdings Verwechslungsgefahr: Das Lexikon der christlichen Ikonographie, das maßgeblich ist in allen Fragen rund um Heilige und biblische Gestalten, listet gleich 20 Heilige dieses Namens auf. Der wohl berühmteste Namensvetter ist Antonius von Padua, der 1195 geboren wurde. Er ist Patron der Liebenden und hilft in Kriegsnot. Und er wird angerufen, wenn es gilt, verlorene Gegenstände wiederzufinden.

Häufig wird er mit Antonius dem Einsiedler verwechselt - auch in der Antonius-Kapelle in Korschenbroich: "Immer wieder werfen Personen Münzen durch einen Schlitz in die Kapelle, um damit den Heiligen Antonius von Padua zu bitten, einen verlegten Gegenstand wiederzufinden", erzählt Andrea Otten. Die Vorsitzende des Kapellenvereins nimmt das locker: "Wir freuen uns, wenn jemand den Heiligen Antonius um Hilfe bittet, auch wenn es nicht unser Antonius ist", sagt sie. 1850 wurde die ursprüngliche Kapelle durch den heutigen Bau ersetzt. Die Kapelle sei das Herzstück der Nachbarschaft, betonen Peter Lönnendonker und Bernd Ketteler vom Vorstand des Kapellenvereins. Alljährlich am 17. Januar, dem Namenstag des Patrons, findet eine Andacht in der Kapelle statt. Alle zwei Jahre feiern die Nachbarn vor dem Gotteshaus ein fröhliches Nachbarschaftsfest.

Quelle: NGZ
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